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Steglitz-Zehlendorf

15 Jahre Tierschutzverein „Ein Freund fürs Leben“

Grund zum Feiern für Latka und Lindes, Pinto und Rupert

Latka gestern, und heute mit ihrem Freund. Foto: EFfL
Latka gestern, und heute mit ihrem Freund. Foto: EFfL

01.10.2026: Manchmal beginnt Tierschutz nicht mit langfristigem Konzept, sondern mit einem Telefonanruf am Abend mit der Frage: „Kannst Du noch heute vier Katzen aufnehmen?“

Das weiß nur zu gut auch Pamela, eine der engagierten Pflegefrauchen beim gemeinnützigen Tierschutzverein „Ein Freund fürs Leben (EFfL)“ (siehe auch Gazette 10/2025). Seit 15 Jahren engagiert sich der Verein mit Sitz in Zehlendorf und mit Herz und Verstand, ein passendes artgerechtes Zuhause für herrenlose Hunde und Katzen aus in- und ausländischen Tierschutzprojekten zu finden. Grund genug für die aktuell 28 aktiven Mitglieder und fachkompetenten Ansprechpartner, in diesem Jahr gebührend zu feiern. – Und auch die in Pflegestellen und neuem Zuhause angekommenen Vierbeiner honorieren diese Erfolgsjahre mit anerkennendem Bellen und Mauzen.

Dass die Tierschutzarbeit alles andere als leicht ist, zeigen einige herausfordernde Fallbeispiele, die der Verein immer wieder mit Sachverstand und großem ehrenamtlichen Einsatz im Laufe der Jahre gemeistert hat und denen er sich auch zukünftig stellen will; – trotz veränderter Vorschriften und Umstände, die zu deutlichem Anstieg der Transportkosten geführt haben.

Schicksale

Großen Anteil am Erfolg des Vereins „Ein Freund fürs Leben“ haben nicht zuletzt etliche tierliebende Menschen, die ihr Zuhause für vernachlässigte Kreaturen öffnen, sie mit viel Einsatz pflegen und auf eine passgenaue Vermittlung vorbereiten. Nicht selten wachsen ihnen dann ihre Schützlinge und „Sorgenkinder“ dabei so ans Herz, dass sie sie dauerhaft bei sich aufnehmen. – So wie Birgit vom EFfL Verein, die Jack Russell Mix-Hündin Latka vor einem aussichtslosen Schicksal bewahrt hat: Neun Jahre lebte die unkastrierte Kleine wenig beachtet auf einem polnischen Bauernhof, wo sie unter der Geburt eines einzigen viel zu großen Welpens fast zugrunde gegangen wäre. Gemeinsam mit einem Rüden im Schuppen eingesperrt, fristete sie ein trostloses Dasein. – Bis eine Berliner Tierschützerin sie dort rausholte und auf eine Pflegestelle des Vereins EFfL brachte. Doch bereits bei der Voruntersuchung zur anstehenden Kastration und während dieser OP wurden etliche weitere „Baustellen“ deutlich, wie tumoröse Veränderungen der Milchleisten und der Nebenniere, was eine zweite OP notwendig machte. Dank der tollen Unterstützung des Vereins sowie der Hilfe Birgits und engagierter Tierfreunde, die dem für die 2. OP Latkas gestarteten Spendenaufruf großzügig gefolgt waren, hat die Kleine inzwischen alles gut überstanden und mit dem auf der Pflegestelle bereits vorhandenen Hund Freundschaft geschlossen. Tobend am Ostseestrand genießt sie nun die gewonnene Zeit, die sie nach neun traurigen Jahren doch noch zu einem fröhlichen und behüteten älteren Tier werden ließ.

Vom Waisenkind zum Schutzhund

Lindes (r.) mit ihren Schulfreunden. Foto: EFfL
Lindes (r.) mit ihren Schulfreunden. Foto: EFfL

Und auch Lindes hat ihr Glück dank Silke von EFfL gefunden: Mit fünf Geschwisterchen war die junge Hündin vor etwa zwei Jahren vor einem spanischen Tierheim in Andalusien im Karton ausgesetzt worden, wuchs mit ihnen in einem Zwinger mit nur wenig Auslauf auf. Über eine von Silke vermittelte kurzfristige spanische Pflegestelle, die Lindes auf die Ausreise nach Deutschland vorbereitete, kam die Hündin in eine kleinstädtische Pflegestelle nach Deutschland. Hier lernte die ebenso sanfte wie wissbegierige Hündin das Kleine Hunde-ABC mit Laufen an der Leine und „Benimm im Haushalt“. Bereits nach drei Wochen wurde über das Internet Kim aus Emmerthal auf sie aufmerksam. Bereits beim ersten Besuch war es Liebe auf den ersten Blick: Kurz darauf zog Lindes bei Kim ein. Inzwischen arbeitet sie an der Hundeschule gemeinsam mit zwei Hundefreunden ebenso fleißig wie talentiert am Großen Hunde-ABC; mit dem Ziel, bald die Schutzhundeprüfung abzulegen. Ein noch strahlenderes Happy End wäre es, würde auch ihren immer noch im Heim sitzenden fünf Geschwistern eine so positive Zukunft beschert sein. Der Verein EFfL engagiert sich weiterhin für diese armen Wesen, damit sie endlich gesehen werden und auf ein besseres Leben hoffen dürfen.

Windhund und Diva in Einem

Pinto – vom entsorgten Welpen zum eleganten Galgo-Mix. Foto: EFfL
Pinto – vom entsorgten Welpen zum eleganten Galgo-Mix. Foto: EFfL

– Aus demselben spanischen Tierheim in Siempre Contigo in Rota/Andalusien wie Lindes kommt Pinto, ein Galgomischling, der als Welpe mit seinen Geschwistern ebenfalls vor diesem Tierheim ausgesetzt worden war. Mit viel Glück kam er bereits nach fünf Monaten auf eine EFfL-Pflegestelle nach Deutschland. Während seine Geschwister inzwischen alle vermittelt wurden, wartet der inzwischen 61 cm große, liebenswerte Lulatsch Pinto in seiner Pflegestelle im niedersächsischen Alfeld noch auf seine Menschen, die ihn in ihre Familie aufnehmen. Galgos Espanol – als Windhunde die sogenannten Elfen unter den Hunden – werden als Jagdhunde oft unter schlechtesten Bedingungen gehalten. Im Haus ruhig und gelassen wie eine Diva vom Sofa aus alles beobachtend, geben sie beim dringend benötigten täglichen Auslauf dann als Kurzstreckenläufer so richtig Gas. Zu bedenken ist dabei, dass sie mit z. T. ausgeprägtem Jagdtrieb Freilauf auf umzäuntem Gelände erhalten sollten.

Katzenjammer

Päppelarbeit gehört zum Alltag von EFfL. Foto: EFfL
Päppelarbeit gehört zum Alltag von EFfL. Foto: EFfL

Doch nicht nur bellende Vierbeiner warten bei EFfL auf eine glückliche Zukunft. Derzeit hat der Verein über 100 Katzenbabys und Jungtiere auf Pflegestellen.

Dass das Katzenelend so groß ist, liegt in erster Linie an von verantwortungslosen Menschen unkastriert und ungeimpft rausgelassen Katzen, die dann nicht selten trächtig oder mit kranken Kitten beim Verein Erste Hilfe finden: So wie die noch sehr junge Katze Ende Mai, die – trotz vorhandener Besitzerin – von Anwohnern hochträchtig aufgefunden und dem Verein vermittelt wurde. Der scheute wieder einmal tierlieb keine Mühen und Kosten, die unbeholfene Katzenmutter und ihre sechs Kitten auf Pflege- und Päppelstellen über etliche gesundheitliche Hürden zu begleiten, hin zu einem möglichst komplikationslosen Katzenleben bei verantwortungsbewussten Menschen.

Rupert hat sich zum anhänglichen Katerchen entwickelt. Foto: EFfL
Rupert hat sich zum anhänglichen Katerchen entwickelt. Foto: EFfL

Das sucht auch Katerchen Rupert, den Catrin, Ansprechpartnerin für Katzen bei EFfL, auf ihrer Pflegestelle aufgenommen hat: Mit tränendem Auge und mit Untergewicht von nur 750 g fand er zu ihr, wurde von ihr nach der Quarantänezeit wie ein Kängurubaby rumgetragen und läuft nun – inzwischen im Alter von ca. 11 Wochen – wie ein Hund hinter ihr her. Catrin behält ihn in Pflege bis er ein normales Gewicht erreicht hat, erst dann wird er gechippt und geimpft und kann vermittelt werden. Eine erste Anfrage für ihn gibt es bereits.

Eine weitere Katzenmutter, die schon wieder tragend ist, steht mit ihren derzeitigen Kitten zur Vermittlung und kann mit ihrer Familie nach Rücksprache mit EFfL besucht werden.

Die Großfamilie auf Samtpfoten

Großfamilie sucht Familienanschluss. Foto: EFfL
Großfamilie sucht Familienanschluss. Foto: EFfL

hatte Anfang Juli Pamela bei sich auf der Pflegestelle nach dem späten Abendnotruf trotz ihrer zwei bereits belegten Pflegezimmer aufgenommen: Die in Windeseile katzengerecht aufbereitete Waschküche musste herhalten für eine scheue Mutterkatze mit drei äußerst lebhaften Kitten. Mit viel Erfahrung und Ruhe hat Pamela es inzwischen geschafft, dass die auf der Straße aufgewachsenen und dadurch sehr vorsichtigen Tiere Vertrauen zum Menschen schöpfen konnten. Während das bei den inzwischen etwa vier Monate alten Jungtieren schneller gelang, dauerte es bei der misstrauischen recht jungen Mutter länger. Als das Muttertier im August das erste Mal etwas mehr Nähe zuließ, fiel Pamela deren dicker Bauch auf: Sie war schon wieder hochtragend und brachte am 19. August bei Pamela fünf Kätzchen zur Welt. Die Katze kümmert sich rührend um die Jungen, die sich im „Mehrgenerationenverband“ prächtig entwickeln. Dank liebevoller und fachkundiger Betreuung wurde so aus Verstecken Neugier und aus Vorsicht Vertrauen. – Oft beginnt Tierschutz eben nicht mit einem langfristigen Konzept.

Keine Hilfe ohne Helfende

Dass Vereinsvorsitzende Christine Meinhardt und ihr Pflegestellen- und Organisations-Team von EFfL derartige Geschichten mit überwiegend positivem Ausgang erzählen kann, ist neben den vielen engagierten Tierfreunden auch den spendenfreudigen Menschen zu verdanken, die mit jeder noch so kleinen Spende mit dazu beitragen, dass Tiere wie Pinto und Rupert eine Perspektive bekommen. – Wozu auch immer weitere Pflegestellen willkommen sind.

Einer, der dies regelmäßig unterstützt, ist Marco Lange vom Zoofachgeschäft „ZOO & Co“ im Forum Steglitz. Vermittelt von der jungen Tierfreundin Annika hat Lange mit seinem Geschäft bereits einige erfolgreiche Spendenaktionen durchgeführt. – Darunter auch – wie in diesem Jahr wieder – den Weihnachtswunschbaum für Katzen und Hunde, die auf Pflegestellen auf ein Zuhause warten. Marco Lange erklärt dazu: „Ich unterstütze gemeinsam mit meinem Team und meinen vielen fleißigen Kunden gerne den Verein ‚Ein Freund fürs Leben‘, weil hinter ihm engagierte und persönlich erreichbare Ansprechpartner stehen. Ich sehe, wie viel harte Arbeit in diesem Tierschutz-­Verein steckt.“ Dafür begeistert er seine Kunden mit Gutscheinaktionen und stockt dann noch mit manch Waren-Palette deren Spenden auf. Beim diesjährigen Weihnachtswunschbaum ab November kann ein Tier bei EFfL auch mal zwei Spender bekommen, die so eine umfangreichere Wunscherfüllung ermöglichen.

Potentielle Pflegestellen-Anbieter, interessierte zukünftige Frauchen und Herrchen sowie Unterstützende finden weitere Informationen und Kontakt unter www.ein-freund-fuers-leben.org

SPENDENKONTO Ein Freund fürs Leben e. V., IBAN: DE03 4306 0967 1128 8759 00

Jacqueline Lorenz

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