29.10.2026: Für viele Menschen ist er schlicht der tägliche Einstieg in die U-Bahnlinie 3: der U-Bahnhof Krumme Lanke. Doch hinter dem markanten, halbrunden Eingangsgebäude am Alfred-Grenander-Platz verbirgt sich ein international beachtetes Baudenkmal, das weit über die Grenzen des Bezirks hinaus Architekturgeschichte schrieb.
Endbahnhof seit 1929
Eröffnet im Jahr 1929 als damaliger Endpunkt der Linie U2, markiert die Station den Schlusspunkt der Dahlemer „Einschnittbahn“. Hier liegt der Bahnsteig tief im Gelände, während das Empfangsgebäude auf Straßenniveau thront. Geplant hat das Ensemble aus Eingangshalle, Gleichrichterwerk und Wagenhalle kein Geringerer als Alfred Grenander. Der gebürtige Schwede war der prägende Chefarchitekt der Berliner Hoch- und Untergrundbahn und schuf unter anderem auch die Stationen Wittenbergplatz und Hermannplatz.
Von Zehlendorf an die Themse
Der Entwurf an der Fischerhüttenstraße gilt als Paradebeispiel der Neuen Sachlichkeit. Klare kubische und zylindrische Formen sowie ein weit auskragendes Vordach verleihen dem Stahlbetonbau seine charakteristische Silhouette, die an moderne Messepavillons erinnert. Im Inneren empfängt die Fahrgäste eine lichtdurchflutete Halle mit grünen Keramikfliesen aus Siegersdorf. Auf dem Bahnsteig zeugen noch heute Y-förmige Stahlstützen, historische Holzbänke und zwei geflieste Pavillons vom ursprünglichen Zustand der 1920er-Jahre.
Der Bahnhof in Zehlendorf machte damals weltweit Schule: Der britische Architekt Charles Holden nahm sich Grenanders Entwurf zum Vorbild, als er Anfang der 1930er-Jahre die berühmten Londoner U-Bahnstationen Arnos Grove und Chiswick Park entwarf. Seit 1990 steht die Gesamtanlage an der Krummen Lanke daher zu Recht unter Denkmalschutz.
Vorplatz gewinnt an Profil
Dass das Umfeld der Station heute wieder zum Verweilen einlädt, ist vor allem bürgerschaftlichem Engagement zu verdanken. Wo früher tristes Pflaster dominierte, verbesserte sich die Aufenthaltsqualität in den vergangenen Jahren spürbar. Die Krumme Lanke Interessengemeinschaft (KLIG) e. V., ein Zusammenschluss ortsansässiger Kaufleute und Nachbarn unter Leitung von Optikermeister Christian Zech, setzte sich für die Neugestaltung des Areals ein.
Die Initiative erreichte unter anderem, dass der Vorplatz 2009 offiziell nach Alfred Grenander benannt wurde. Finanziert wurden Verschönerungsmaßnahmen zu Teilen aus den Erlösen lokaler Straßenfeste. So verbindet die Krumme Lanke heute Denkmalschutz mit gelebtem Engagement direkt vor der Haustür.
Diskussionen um Lückenschluss
Immer wieder gefordert, aber es gibt auch Gegenstimmen – die Verlängerung der U3 bis zum S-Bahnhof Mexikoplatz. Dazwischen liegen kaum 800 Meter Luftlinie. So einleuchtend die Idee auf dem Netzplan wirkt, so hitzig wird vor Ort darüber gestritten.
Der Plan des Senats und der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) klingt zunächst simpel: Der Tunnel der U3 soll von Krumme Lanke unter der Argentinischen Allee hindurch bis direkt unter den Mexikoplatz verlängert werden. Fahrgäste könnten dort künftig bequem zwischen U-Bahn und der S-Bahn-Linie 1 umsteigen.
Für Befürworter ist das Projekt ein lange überfälliger Meilenstein für die Berliner Verkehrswende. Vor allem Pendler aus Potsdam, Wannsee und dem Umland sowie Studierende der Freien Universität würden spürbar profitieren. Bisher war der Umstieg in Busse inklusive Wartezeiten erforderlich.
Auf der anderen Seite formiert sich deutlicher Widerstand. Anwohner fürchten jahrelange Großbaustellen direkt vor der Haustür. Da die Trasse größtenteils in offener Bauweise unter der Argentinischen Allee entstehen müsste, drohen massive Verkehrsbehinderungen, Lärm und Dreck. Ein weiterer Streitpunkt ist der Natur- und Denkmalschutz: Für den Bau müssten Straßenbäume weichen und Kritiker bangen um das historische Ensemble rund um den Mexikoplatz. Auch die geschätzten Kosten von mittlerweile etwa 330 Millionen Euro sorgen für Skepsis.