02.11.2026: Für viele Menschen im Berliner Südwesten gehört ein Spaziergang durch den Park Babelsberg – gleich hinter der Glienicker Brücke oder wenige Radminuten von Wannsee und Kohlhasenbrück entfernt – zum festen Wochenendprogramm. Wer dort in den vergangenen Jahren unterwegs war, blickte am Tiefen See jedoch vor allem auf Gerüste und Absperrungen. Damit ist nun Schluss: Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) hat die denkmalgerechte Sanierung des Kleinen Schlosses abgeschlossen. Das Gebäude ist bauordnungsrechtlich abgenommen und wird schrittweise wiederbelebt.
Gastronomie kehrt zurück
Für Ausflügler dürfte vor allem eine Nachricht von Interesse sein: Die Gastronomie im Erdgeschoss kehrt zurück. Die Räume verfügen künftig über eine vollwertige Küche, barrierefreie Zugänge und werden derzeit eingerichtet. Die Wiedereröffnung soll zeitnah erfolgen. Neu ist ein geplanter Außerhausverkauf, der Spaziergänger auf dem Uferweg mit Speisen und Getränken versorgen wird. Bedient wird dafür künftig unter anderem an einem wiederhergestellten Altan – einem historischen Vorbau, der zugleich als Balkon für das Obergeschoss dient.
Wohnen im Park
Dort oben zieht wieder der Alltag ein. Neben dem Gastronomiebetrieb beherbergt das Gebäude zwei Mietwohnungen. Eine davon wurde bereits an den künftigen Mieter übergeben. Das Konzept, Denkmäler nicht nur als Museumsstücke zu bewahren, sondern durch dauerhafte Bewohner und Gewerbe mit Leben zu füllen, hat an diesem Ort Tradition.
Vom Weberhaus zur Residenz
Das Gebäude blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück: Um 1800 als schlichtes Haus des Webers Blume errichtet, baute es Star-Architekt Ludwig Persius 1834 um. Schon damals beherbergte es zeitweise eine Schankwirtschaft. Später ließ Prinz Wilhelm das Gebäude im neugotischen Stil zur Residenz für seinen Sohn umgestalten. Nach dem Ende der Monarchie folgten wechselnde Bewohner, darunter ab 1934 der Komponist Hans Chemin-Petit, der im April 1945 die Bombardierung Potsdams in einem Schutzraum hinter dem Haus überlebte. Zu DDR-Zeiten lag das Gebäude unmittelbar am Grenzstreifen zu West-Berlin und diente ab Ende der 1950er-Jahre als HO-Parkgaststätte „Strandterrassen“, ehe es 1980 als Gaststätte „Kleines Schloss“ umgebaut wurde.
Sanierung mit Hindernissen
Die vierjährige Sanierung, die im September 2022 begann, hielt für die Planer einige Hürden bereit. So mussten schadhafte Dächer erneuert, historische Ziertürmchen rekonstruiert und ein stark beschädigter Holzerker aufwendig statisch gesichert werden. Zudem machten Schadstoffe im Altputz besondere Schutzmaßnahmen bei den Fassadenarbeiten erforderlich. Da vor Ort kein Grundwasser für den Brandschutz gefördert werden konnte, musste das Löschwasser über eine Leitung vom Brunnen am benachbarten Matrosenhaus herangeführt werden. Gekostet hat die Wiederherstellung rund 4,8 Millionen Euro. Finanziert wurde das Vorhaben aus dem Sonderinvestitionsprogramm 2, das der Bund gemeinsam mit den Ländern Berlin und Brandenburg zur Rettung des preußischen Kulturerbes aufgelegt hat.