Gazette Verbrauchermagazin
Steglitz-Zehlendorf

Kontaktstelle PflegeEngagement Steglitz-Zehlendorf

Beratung und Unterstützung für Entlastung und Lebensqualität

Miteinander reden in der Selbsthilfegruppe kann hilfreich sein. Foto: KPE Mittelhof
Miteinander reden in der Selbsthilfegruppe kann hilfreich sein. Foto: KPE Mittelhof

21.08.2026: Im Alter möchten die meisten von uns auch bei Pflegebedürftigkeit möglichst lange daheim leben. Oft sind es die pflegenden und umsorgenden Angehörigen und Freunde, die zur Erfüllung dieses Wunsches maßgeblich beitragen und dabei nicht selten an ihr Limit geraten. Um Pflegende und Pflegebedürftige zu unterstützen und zu entlasten, ging im Jahr 2010 die Initiative zur Gründung der berlinweiten Kontaktstellen PflegeEngagement von drei Akteuren aus: Dem Land Berlin (vertreten durch die damalige für das Ressort zustände Senatsverwaltung), den Landesverbänden der gesetzlichen Pflegekassen in Berlin und dem Verband der privaten Krankenversicherungen e. V. In der Kontaktstelle PflegeEngagment (KPE) Steglitz-Zehlendorf mit Sitz in der Villa Mittelhof finden Pflegende und Sorgende sowie alleinlebende ältere Menschen seit über 15 Jahren Unterstützung über die häusliche Pflege entlastende kostenfreie Angebote und so einen Weg hin zu besserer Lebensqualität. Die KPE bietet vertrauliche Gespräche, Informationen zu Entlastungsmöglichkeiten, ehrenamtlichen Besuchsdienst, Weitervermittlung zu anderen Fachdiensten sowie verschiedene Selbsthilfegruppen und Informationsveranstaltungen zum Thema Pflege und Altersvorsorge. Derzeit werden allein in dieser Kontaktstelle unter der Trägerschaft des Mittelhof e. V. sieben Selbsthilfegruppen für pflegende Angehörige begleitet. Es gibt außerdem fünf unterstützende Freizeitgruppen und offene Angebote. 22 Ehrenamtliche sind im angegliederten Besuchsdienst für pflegende Angehörige engagiert, wobei die Kontaktstelle eng mit dem Nachbarschaftsladen des Mittelhof e. V. zusammenarbeitet und damit über einen weiten Pool an Ehrenamtlichen und Nachbarschaftshelfenden verfügt. Die Kontaktstelle PflegeEngagement wird gefördert von der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege Berlin, den Landesverbänden der Pflegekassen in Berlin und dem Verband der Privaten Krankenversicherung e. V. Sie besitzt Verbandszugehörigkeit im SELKO (Verein zur Förderung von Selbsthilfe-Kontaktstellen e. V.).

Selbsthilfe, Beratung, Besuchsdienst

Auf drei Säulen steht die Kontaktstelle PflegeEngagament Mittelhof: Pflegende Angehörige können sich in Selbsthilfegruppen zu Themen wie Alzheimer, Demenz, stationäre Pflege, seelische Erkrankungen austauschen und bei einem vielfältigen Angebot vom stressigen Pflegealltag relaxen. Ältere Menschen und Nachbarn können über die Kontaktstelle auch im Herta-Müller-Haus am Klöntisch Platz nehmen. Hier wird über alltägliches, besondere Erlebnisse und alle Themen, die interessieren, gesprochen. Manchmal entsteht daraus sogar gegenseitige Unterstützung. Aber auch das Beratungs- und Vermittlungsangebot ist groß, richtet sich sowohl an Pflegende als auch an ältere Menschen und Menschen mit Pflegegrad. Erstberatung findet während der Sprechzeiten telefonisch oder vor Ort in der Villa Mittelhof, im Nebengebäude Kate statt. Für eine ausführliche Beratung wird um Terminvereinbarung gebeten.

Kontaktstelle PflegeEngagement
Stephanie Hensche und Susanne Baschinski – Wegweisende beim KPE Mittelhof in Steglitz-Zehlendorf. Foto: KPE Mittelhof

Stephanie Hensche und Sozialwissenschaftlerin Susanne Baschinski sind motivierte Ansprechpartnerinnen der Kontaktstelle PflegeEngagement.

Stephanie Hensche bringt jahrelange Erfahrung aus dem Pflegebereich und der Pflege ihrer Mutter mit. Bei Hausbesuchen durch den Besuchsdienst erlebt sie selbst, wie viel Hilfebedarf oftmals in den vier Wänden besteht. Sozusagen als rechtzeitiges „Frühwarnsystem“ agieren da nicht selten die Ehrenamtlichen vom Besuchsdienst, für den weitere Mitglieder stets willkommen sind.

Zukunftsmusik: Kiezangebote besser bündeln

Stephanie Hensche gibt zu bedenken: „Mit dem Pflegeneuordnungsgesetz ist zu befürchten, dass der Staat sich weiter zurückzieht.“ Dadurch könnten Pflegebedürftige und ältere Menschen sowie Pflegende stärker privat auf sich gestellt werden und in prekäre Lage geraten. Gut, wenn es dann exakt koordinierte Vernetzungs- und Kontaktstellen gibt, die sich in Unterstützung und Beratung im Bereich Pflege ergänzen, austauschen und aufeinander aufbauen. Derzeit gibt es zwar zahlreiche Angebote, aber die Vernetzung untereinander ist mehr als ausbaufähig, was zügig geschehen sollte. Runde Tische, Foren und Kiez-Kooperationen im eigenen Bezirk können da erste wichtige Schritte sein. Die Kontaktstelle setzt beispielsweise auf einen Austausch mit dem Nachbarschaftsladen in der Steglitzer Berlinickestraße 9. „Dadurch haben wir einen erweiterten Pool an ehrenamtlichen und nachbarschaftlichen Helfenden vorzuweisen“, betont Stephanie Hensche. Partner sind Pflegestützpunkt, Freiwilligenagentur sowie Selbsthilfekontaktstelle, Arbeitskreise und Gremien im Verbund der Altenhilfe im Bezirk. Stephanie Hensche wünscht sich besser geknüpfte Besuchsdienstnetzwerke, Kooperationen mit Wohnungsbaugenossenschaften und Institutionen wie der Hilfswerksiedlung, und dass unterschiedliche Träger zukünftig verstärkt an Runden Tischen Platz nehmen nach dem Motto Gemeinsam mehr erreichen – zugunsten von Pflegenden und Pflegebedürftigen und leichterer Koordinierbarkeit.

Dabei setzt sie für Vermittelnde und Nutzende auf bessere Überschaubarkeit unterschiedlicher Angebote, die sich ergänzen könnten, ohne in Konkurrenz miteinander zu treten. Darauf arbeiten sie und ihre Kollegin hin, stehen dazu im Bezirk u. a. im Austausch mit dem Projekt GiG (Getragen in Gemeinschaft) mit Nicole Herlitz, das sich den Herausforderungen des demographischen Wandels stellt. Stephanie Hensche verweist auf den am 26. November 2026 in der Villa Mittelhof von 16 bis 17.30 Uhr stattfindenden Vortrag mit der Kulturgeragogin Dr. Bettina Held zum Thema „(Vor)sorgende Gemeinschaft“, der sich dem Thema Carrie Community (sorgende Gemeinschaft) widmet und viel Gesprächsstoff in Sachen Pflegezukunft liefern dürfte.

Kontaktstelle PflegeEngagement / Mittelhof e. V. Königstraße 42 – 43, 14163 Berlin, E-Mail kpe@mittelhof.org, Telefon 030 / 80 19 75 – 38, www.mittelhof.org

Jacqueline Lorenz

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