Gazette Verbrauchermagazin
Zehlendorf Mitte

Vom Dorf zum Großstadtbezirk

Zehlendorf Mitte im Wandel

02.08.2026: Kleine, gedrungene Häuser, deren Dächer aus Reet bestehen. Sandwege, die je nach Witterung stauben oder die Passanten durch Schlamm waten lassen. Dazu ein Teich, an dem das Vieh getränkt wird, das auf den Weiden rund um das Dorf gehalten - und nachts als Schutz vor Raubwild aufgestallt wird. Aber auch der Pflug hinterließ schon seine Spuren auf den Böden, die hier als Ackerland genutzt wurden.

So könnte es in Zehlendorf im 13. Jahrhundert ausgesehen haben - eine Zeit, in der das Dorf im Besitz der Zisterziensermönche war. Diese nutzten ihren Besitz auch, um bei ihren Reisen zwischen Cölln, Lützow und den weiteren Besitzungen des Klosters, in Zehlendorf auszuruhen. Zu diesem Zweck sollen sie für den Bau des Erbbaukrugs gesorgt haben, der Ende der 1920-er Jahre abgerissen wurde. Einen Eindruck des Dorfes um das Jahr 1820 liefert das Modell, das – frisch von der Modellbauwerkstatt Rüdiger Hammerschmidt saniert - im Heimatmuseum zu sehen ist.

Zehlendorf 1888
Zehlendorf im Jahr 1888.

Wichtigste Straße

Die Mönche durchquerten Zehlendorf entlang der Hauptstraße – heute Clayallee und Teltower Damm. Für lange Zeit war das die wichtigste Straße im Ort. An ihr befanden sich die Hofstellen und die beiden Teiche. Keiner der Teiche konnte bis in die heutige Zeit gerettet werden – der kleine Dorfteich an der heutigen Clayallee fiel dem Straßenbau zum Opfer, der große Teich am Teltower Damm wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zugeschüttet. Im 18. Jahrhundert bekam eine andere Straße, die durch Zehlendorf führte, eine überregionale Bedeutung: Potsdam war bereits 1660 zweite Residenzstadt neben Berlin geworden. Diese wurde immer weiter ausgebaut und mit dem Bau einer neuen Holzbrücke über die Havel – der Glienicker Brücke - wurde der alte Königsweg überflüssig. So wurden die heutigen Berliner Straße/Potsdamer Straße um 1790 als eine der ersten Straßen Brandenburgs zur steinernen Chaussee ausgebaut.

Bahnhof Zehlendorf
Bahnhof Zehlendorf

Neue Zeiten

Die Wandlung des Dorfes zur Vorstadt begann ab 1838 – mit der Eröffnung des Bahnhofs, übrigens dem ältesten Bahnhof Berlins. Nun hielt die Stammbahn in dem Ort. Mit ihr kamen nicht nur Sommerfrischler, sondern auch viele neue Bewohnerinnen und Bewohner, die ihr Domizil in der Großstadt gegen ein – oft hochherrschaftliches – Haus im Grünen tauschen wollten. Die Bauernhäuser wurden immer weniger, dafür entstanden mehr und mehr Villen. 1872 erfolgte die Anerkennung Zehlendorfs als Landgemeinde. Aus dem südlichen Teil der einstigen Hauptstraße wurde nach und nach der Teltower Damm, die verbliebene Hauptstraße in Richtung Norden wurde zunächst zur Kronprinzenallee, später zur heutigen Clayallee. Aus Teltower Damm und Clayallee wurde Zehlendorf Mitte – Einkaufsstraße und Treffpunkt. Mit Heimatmuseum, Kirchen, Rathaus, Kino, Restaurants und zahlreichen Geschäften sowie Dienstleistern sind Teltower Damm, Clayallee und ihre unmittelbare Umgebung die Anlaufstelle Nummer eins in Zehlendorf, egal, ob es um Erledigungen im Bürgeramt, Shoppen oder Kultur geht.

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