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Lichterfelde

Deutsche Sprache lernen ohne Druck

Im Sprachcafé Gutshaus Lichterfelde ist jeder willkommen

Gemeinsam Spaß haben und Deutsch lernen: (v.l.n.r.) Sevda, Dauda, Joshua, Elena, Jessica, Mohsen und Tingting. Foto: J. Lorenz
Gemeinsam Spaß haben und Deutsch lernen: (v.l.n.r.) Sevda, Dauda, Joshua, Elena, Jessica, Mohsen und Tingting. Foto: J. Lorenz

10.04.2026: Deutsch lernen – das kann so viel mehr sein als trockenes Vokabelbüffeln. Dies wissen die Organisatoren des Sprachcafé im Gutshaus Lichterfelde nur zu gut. Und da es nicht viele Möglichkeiten zum Sprachtraining für Ausländer gibt, bieten Joshua Hernández und Maike Loerzer vom Stadtteilzentrum Steglitz e. V.gemeinsam mit Sprachlehrerin Jessica und ganz viel Herzlichkeit seit vergangenem Herbst eine Möglichkeit mehr mit diesem besonderen Sprachtreff. – Ohne Druck und dafür mit viel Spaß hin zu mehr Sicherheit in der deutschen Sprache. Zu diesem kostenlosen und ohne Anmeldung nutzbaren Angebot im Gutshaus Lichterfelde, das jeden Donnerstag in der Zeit von 17-18.30 Uhr stattfindet, sind Menschen jeden Sprachniveaus, jeder Altersgruppe und aller Kulturen willkommen. Kinder können mitgebracht werden, in der Spielecke des Cafés finden sie u. a. Stifte und Papier. Deutsche Muttersprachler können gern dazukommen, hier Interessantes erfahren und spannenden Einblick im Austausch mit anderen Kulturen erhalten. Das Sprachcafé ist als zeitlich unbegrenztes Projekt angelegt, in der Überzeugung, „dass wir die Welt verändern können“.

Verschiedene Kulturen an einem Tisch. Foto: Stadtteilzentrum Steglitz e.V. Sprachcafé
Verschiedene Kulturen an einem Tisch. Foto: Stadtteilzentrum Steglitz e.V. Sprachcafé

Offen für alle...

Auch an diesem Donnerstagnachmittag ist der Tisch im Gutshaus-Café dicht besetzt. Sonne fällt durch die Fenster. Auf der Terrasse mit Blick auf den Schlosspark Lichterfelde ist es noch zu kühl, um draußen zu sitzen. Das bleibt warmen Sommertagen vorbehalten. Fröhlich geht es unter den Sprachschülerinnen und -schülern zu, die ein buntes Mult-Kulti-Bild liefern: Da ist die strahlende Tingting aus China, Dauda aus Guinea, der sich so gut auszudrücken weiß, und da sind der zurückhaltende Mohsen aus dem Iran, Elena aus Russland, der man eine 15-jährige Tochter kaum glauben mag, sowie Sevda aus der Türkei, die für nur eine Stunde Sprachübungen den Weg von ihrem Tempelhofer Arbeitsplatz hierher nach Steglitz auf sich genommen hat. Tingting fand zum Sprachcafé über einen Flyer. Dauda wohnt in der Nähe und erfuhr so von dem Angebot. Und Mohsen machte ein Verwandter darauf aufmerksam. Sevda besuchte einen Kochkurs im Gutshaus und hörte so vom Sprachcafé. Sie alle werden von Joshua mit mexikanischem Temperament und viel Herzlichkeit in gemütlicher Wohnzimmer-Atmosphäre des Gutshaus-Cafés begleitet. „Einem sehr deutschen Ort“, findet er. Die Aufgabe teilt er sich wöchentlich mit Maike Loerzer vom Stadtteilzentrum Steglitz.

Joshua Hernández und Maike Loerzer, Organisatoren des Sprachcafé. Foto: Stadtteilzentrum Steglitz e.V. Sprachcafé
Joshua Hernández und Maike Loerzer, Organisatoren des Sprachcafé. Foto: Stadtteilzentrum Steglitz e.V. Sprachcafé

...und alles

Die Sprachthematik dieses Nachmittags gibt die fröhliche Jessica – gebürtige Deutsche, die eigentlich in der Personalentwicklung arbeitet – in ihrer Kursfunktion als ehrenamtliche Deutschlehrerin vor. Sie erklärt, fragt nach, korrigiert hier und da behutsam. Fehler sind erlaubt, daraus lernt man. Gesprächsrunden, Spiele und Übungen wechseln sich in den Kursnachmittagen ab. An diesem Tag hat sie das Spiel „Tabu“ mitgebracht. Auf jeder Textkarte steht ein Schlüsselwort, das ein Spieler seinen Mitspielern beschreiben muss, ohne es direkt beim Namen zu nennen. Außerdem sind zu jedem Begriff drei weitere Tabu-Worte aufgeführt, die ebenfalls bei der Erklärung nicht verwendet werden dürfen. Wer den richtigen Begriff als Erster erkannt und benannt hat, erhält die jeweilige Karte. Gewinner ist schließlich, wer am meisten Karten bzw. Begriffe erraten hat. An diesem Nachmittag sind u. a. Begriffe wie Reise, Zukunft, aber auch Verkehr und Erinnerung zu erraten. Erstaunlich gut meistern die Sprachlernenden dies, finden geschickt Umschreibungen, die manchmal auch fröhliches Lachen auslösen, immer aber riesig Spaß machen. Locker finden alle darüber ins Gespräch, das dann auch noch den Begriff „Guthaus“ aufgreift. Was das Wort bedeutet? Tingting vermutet: „Weil hier Gutes geschieht.“ – Sie hat nicht Unrecht: Das Wort „Gut“ leitet sich aus dem althochdeutschen Wort „guot“ ab, das ursprünglich „etwas, was gut ist“, aber auch „Besitz“ und „Eigentum“ bedeutete. Und so kommt man über die Geschichte des um 1780 errichteten Gutshaus Lichterfelde – auch als Carstenn-Schlösschen bekannt – an diesem Nachmittag unweigerlich auf das Thema Denkmalschutz zu sprechen: Man erfährt, dass es in Guinea keine Denkmalschutzbehörde gibt, jeder aber das Erbaute seiner Väter achtet und zu erhalten bemüht ist. Man lernt außerdem, dass es im Iran Denkmalschutz gibt, um das reiche kulturelle Erbe des Landes staatlich zu schützen, in den Bauten dabei häufig neueste Technik zu finden ist. Und, ja, auch in China gibt es geschützte Denkmäler, doch stehen nicht selten wirtschaftliche Interessen darüber und lassen umfassende Umbauprojekte zu. Und das Wichtigste: Viele neue Vokabeln finden so beinahe zufällig ihren Weg in die Köpfe. Am Ende sind Joshua und Tinting Tabu-Könige. Kulturübergreifend läßt man sich noch den von der ehrenamtlichen Hobbykonditorin des Gutshaus-Cafés bereitgestellten exzellenten Mohn-Zitronenkuchen schmecken, genießt einen letzten Tee, dann geht’s heim: Mit neuem Sprachschatz, mehr Wissen über andere Kulturen und voller Vorfreude auf einen weiteren Nachmittag im Sprachcafé der nächsten Woche und auf vielleicht auch weitere Gästen, die Spannendes aus ihrem Herkunftsland zu erzählen wissen.

Ansprechpartner für das Sprachcafé unter E-Mail loerzer@stadtteilzentrum-steglitz.org und E-Mail Hernandez@stadtteilzentrum-steglitz.org

Sprachcafé im Gutshaus Lichterfelde Hindenburgdamm 28, 12203 Berlin

Jacqueline Lorenz

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