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Schulentwicklungsplan im Bezirk

Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Steglitz-Zehlendorf diskutiert

Die letzten drei Schulentwicklungspläne sind unter www.berlin.de/-ii84376 abrufbar.
Die letzten drei Schulentwicklungspläne sind unter www.berlin.de/-ii84376 abrufbar.
Erschienen in Gazette Steglitz und Zehlendorf Mai 2026

Der Bezirk stellt im Rahmen der Schulentwicklungsplanung für Berlin seinen bezirklichen Schulentwicklungsplan auf. Ziel des Planes ist die Ausarbeitung eines realistischen Entwicklungsbedarfes des Schulnetzes basierend auf Prognosen der Schülerzahlen und Kapazitäten für den Bezirk. Dieser Plan ist die Hauptgrundlage für die aktuelle und künftige Bedarfsplanung. Er gibt den Prognoserahmen der Schülerzahlenentwicklungen wieder und liefert Daten für Handlungsbedarfe. Die Prognose muss aber in kürzeren Abständen regelmäßig mit der realen Entwicklung abgeglichen werden.

René Rögner-Francke, Bezirksverordnetenvorsteher

CDU-Fraktion

Am 3. März 2026 hat der Bezirk seinen Schulentwicklungsplan vorgestellt.

Im Schuljahr 2024/25 wurden 15.000 Grundschulkinder und über 11.200 Schülerinnen und Schüler in weiterführenden Schulen unterrichtet, Tendenz steigend. Einige Grundschulen sind allerdings schon jetzt bei 130 Prozent Auslastung. Im gymnasialen Bereich fehlen rund 580 Schulplätze.

Die Modellrechnungen zeigen: Die Zahlen steigen bis 2028/29 weiter. Wer heute baut, ist in drei Jahren fertig. Deshalb begrüßen wir die durch unsere Stadträtin Sijbrandij eingeleiteten Maßnahmen ausdrücklich: den Neubau einer Integrierten Sekundarschule am Ostpreußendamm, die Erweiterung des Dreilinden-Gymnasiums und den Neubau einer Grundschule in Lichterfelde Süd.

Schulinfrastruktur ist keine optionale Investition. Unsere Stadträtin steht im engen Austausch mit unseren Senatoren, um die Finanzierung voranzubringen.

Wir wollen die Leistungsfähigkeit jedes unserer Kinder nach dessen Voraussetzungen optimal fördern. Dazu gehört für uns ein leistungsfähiges nach den Fähigkeiten der Schüler gegliedertes Schulsystem, in dem die Eltern und Schüler die Schulform wählen können.

Ute Hahnfeld

B‘90/Grünen-Fraktion

Die CDU trägt seit Jahren die Verantwortung für die Schulplanung in Steglitz-Zehlendorf und hat notwendige Entscheidungen viel zu lange verschleppt. Statt frühzeitig für Klarheit und verlässliche Perspektiven zu sorgen, wurde immer wieder verschleppt, obwohl der Handlungsbedarf längst bekannt war. Umso wichtiger ist es, dass der neue Schulentwicklungsplan mit fünf Jahren Verzögerung endlich fertiggestellt werden wird. Nur mit ehrlicher Bestandsaufnahme und konsequentem Handeln können wir die Schulplätze sichern, die unser Bezirk braucht. Die neuen Bevölkerungsprognosen zeigen im Grundschulbereich Entlastung, aber an den weiterführenden Schulen wächst der Druck weiter. Die ISS’en sind jetzt schon extrem belastet durch den vom CDU-Senat verengten Zugang zum Gymnasium. Auch im Bereich der inklusiven Beschulung und der Förderschulen sind zusätzliche Plätze bedarfsgerecht zu entwickeln. Steglitz-Zehlendorf braucht eine flexible, bedarfsgerechte und langfristig gesicherte Schulplanung, die regionale Unterschiede bestmöglich berücksichtigt und bauliche Maßnahmen priorisiert.

Ulrike Kipf

SPD-Fraktion

Ein Schulentwicklungsplan (SEP) ist ein zentrales Instrument, um Bildungschancen gerecht, zukunftsorientiert und regional abgestimmt zu gestalten. Er soll sicherstellen, dass Schulen personell, räumlich und pädagogisch so aufgestellt sind, dass sie allen Kindern faire Lernbedingungen bieten.

Bildung ist kommunale Daseinsvorsorge und bedarf langfristiger Planung. Der Schulentwicklungsplan schafft Überblick über Schülerzahlen und demografische Entwicklungen, räumliche und personelle Kapazitäten, Bedarf an Schulneubauten sowie Sanierungen und Inklusionsmaßnahmen.

Ziel ist, dass jeder/e Schüler/in wohnortnah und unter guten Bedingungen lernen kann – unabhängig von Einkommen oder Herkunft. Es ist nicht nur Statistik, sondern ein strukturelles und politisches Steuerungsinstrument, um Investitionen gezielt dorthin zu lenken, wo sie am dringendsten gebraucht werden. Der SEP soll Grundlage für offene Diskussionen zwischen Politik, Schulen, Eltern und Verwaltung sein – also Bildung gemeinsam gestalten, nicht verordnen. Er verbindet Planung, Gerechtigkeit und Qualität – damit Schule kein Zufallsprodukt lokaler Bedingungen ist.

Norbert Buchta

FDP-Fraktion

Überfüllte Klassen, Frust bei der Schulplatzvergabe – immer wieder scheitert ein gutes Bildungsangebot in Berlin an ideologischen Konzepten und fehlgeleiteter Planung. Eine bedarfsgerechte Schulentwicklungsplanung durch den Bezirk ist daher für eine intakte Bildungslandschaft essenziell. Als Freie Demokraten (FDP) setzen wir uns für eine effiziente und pragmatische Schulorganisation ein. Das Vergabeverfahren von Oberschulplätzen muss digitaler und transparenter gemacht werden, damit auf die Grundschule Bildungsglück statt Frustration folgt. Neubau- und Sanierungsmaßnahmen müssen ohne Verzögerung umgesetzt und freie Kapazitäten genutzt werden, damit keine Schulform überlastet wird. Dass in Charlottenburg-Wilmersdorf ein funktionierendes Gymnasium wegen völlig verfehlter Planung in eine Integrierte Sekundarschule umgewandelt werden soll, ist ein Szenario, welches in Steglitz-Zehlendorf nicht Realität werden darf. Wir wollen keinen Kampf gegen einzelne Schulformen, sondern streiten für Wahlfreiheit und eine vielfältige Schullandschaft, in der jeder Schüler und jede Schülerin nach ihren individuellen Fähigkeiten gefördert wird.

Søren Grawert

AfD 

Wer erinnert sich noch an die BOS – die Berliner Schulbauoffensive 2023? Nichts davon ist übriggeblieben, die Kritiker wurden bestätigt: Kaum Fortschritte, Kosten explodieren. Und der Schulentwicklungsplan? Seit Jahren das Gleiche: Prognosen liegen vor, Bedarfe sind bekannt, Verantwortlichkeiten zwischen Senat und Bezirk sind zersplittert, Verfahren zu komplex, kein Personal. Das Ergebnis: überfüllte Schulen, Containerlösungen und wachsender Druck auf Schüler, Eltern und Lehrkräfte. Typisch Berlin also. Die SPD, seit 1989 in Regierungsverantwortung, hat bewiesen, dass sie es nicht kann. Ihr Motto: In stabiler Seitenlage liegt es sich ganz bequem. Die Folge: Berliner Schüler stets auf den Abstiegsplätzen im Bildungsmonitor und der Stadt laufen die Lehrer davon. Bitter für Berlin. Bitter für unseren Bezirk.

Die Lösung ist klar: zentrale Steuerung mit Priorität für Schulbau und Schulorganisation. TESLA-Geschwindigkeit statt BER-SPD-Zeitlupe. Konkret: Am Osteweg wird der Schulstandort endlich entwickelt. Richtungsweise ist die Wahl im September: „Berlin starkmachen“ ist unser Versprechen. Mit guten Gewissen – Ihre AfD.

Peer Döhnert

Die Linke 

Jahrelang gab es bei uns überhaupt keine Schulentwicklungsplanung. So war für alle Bürger*innen ersichtlich, dass der „zuständige“ CDU-Stadtrat keinen Plan für die bezirklichen Schulen hatte. Witzig war das nicht: Die fehlende Zielsetzung war insbesondere für die Schulen ein Problem, aber auch für Schüler*innen und Eltern. Ein guter Entwicklungsplan gibt nämlich auch Hinweise, wo verstärkte Schulsozialarbeit notwendig ist. Im Sinne der Chancengleichheit und des guten Lernens ist das wichtig. Mittlerweile gibt es wieder einen Plan.

Allerdings plant die CDU aus ideologischer Betonköpfigkeit bewusst an den Bedürfnissen von Kindern und Eltern vorbei: Seit Jahren ist die einzige Gemeinschaftsschule im Bezirk übermäßig nachgefragt. Jedes Schuljahr müssen viele Schüler*innen abgelehnt werden. Zudem sind Grund- und Oberschule auf zwei weit entfernte Standorte verteilt. Anstatt die Schule zusammenzuführen und mindestens eine zweite Gemeinschaftsschule einzurichten, fokussiert die CDU stoisch auf Gymnasien. Es wird Zeit, dass endlich eine Partei das Schulamt übernimmt, der bedarfsgerechte Planung und Chancengleichheit wichtig sind.

Dennis Egginger-Gonzalez

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