Gazette Verbrauchermagazin
Zehlendorf

Ausstellung „Wo ich wohne“

Haus am Waldsee blickt zum 80. Jubiläum auf seine wechselvolle Geschichte

23.04.2026: „Ich wohne seit gestern einen Stock tiefer. Ich will es nicht laut sagen, aber ich wohne tiefer.“ – Ilse Aichinger, Wo ich wohne, 1963.

Was passiert, wenn die eigene Wohnung langsam im Boden versinkt, während die Nachbarn so tun, als sei alles völlig normal? Mit diesem surrealen Bild der Autorin Ilse Aichinger befasst sich die neue Sommerausstellung im Haus am Waldsee. Unter dem Titel „Wo ich wohne“ reflektiert die Institution ab Juni ihr 80-jähriges Bestehen und die Geschichte ihres Hauses.

Kulisse und Material zugleich

Die Schau, die am Samstag, den 13. Juni 2026 um 17 Uhr eröffnet wird, rückt die Architektur der Villa an der Argentinischen Allee in den Mittelpunkt. Das 1922 für den jüdischen Textilfabrikanten Hermann Knobloch errichtete Gebäude dient dabei nicht nur als bloße Kulisse, sondern als Material für die künstlerische Auseinandersetzung. Die Ausstellung zeigt auf, wie eng gesellschaftliche Verhältnisse und gebaute Umgebung miteinander verknüpft sind. Dabei werden auch die dunklen Kapitel nicht ausgespart: In der Villa lebten über die Jahrzehnte sowohl Opfer als auch Täter des Nationalsozialismus, bevor dort kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs der Ausstellungsbetrieb begann.

Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart

Im Zentrum der internationalen Gruppenausstellung steht eine raumgreifende Installation des Künstlers Richard Venlet. Um diese herum gruppieren sich Werke von Kunstschaffenden wie Renée Sintenis, Nigin Beck oder Ian Waelder. Die Ausstellung schlägt eine Brücke von den Anfängen des Hauses bis in die Gegenwart, indem historische Exponate in einen Dialog mit neuen Interpretationen treten. Zitate aus der Zeit, als das Haus noch als privater Wohnsitz genutzt wurde, beschwören die Atmosphäre vergangener Tage herauf.

Kunst im Garten und Café

Auch der Außenbereich wird in das Jubiläumsprogramm einbezogen. Im Garten feiert die Arbeit „Fischmond am Waldsee“ Premiere. Dabei handelt es sich um ein als Hörspiel konzipierten Soundwalk von Ayumi Paul, , der auf Forschungen zu geologischen Prozessen, Migrationswegen von Pflanzen und Tieren sowie historischen und persönlich-biografischen Erinnerungen des Hauses selbst beruht. Parallel dazu wird im Bereich des Cafés – der ehemaligen Garage – die Ausstellungsreihe „Seit...“ eine von der georgischen Kuratorin und Archivarin Nina Akhvlediani entworfenen Display-Architektur fortgesetzt. Unter dem Titel Green Sanctuary (C.O.T.B) entwickelt Veit Laurent Kurz das zweite Kapitel der Ausstellungsreihe, das sich mit dem Englischen Landschaftsgarten des Hauses auseinandersetzt. Interessierte können die Ausstellung vom 14. Juni bis zum 27. September 2026 besuchen.

Titelbild

© Gazette Verbrauchermagazin GmbH 2026