Zehlendorf
„FRISIERKUNST“ – der besondere Begegnungsort im Quartier
Raum der Möglichkeiten der kliQ-Genossenschaft lädt ein

17.03.2026: Wer kennt es nicht, das Flachgebäude an der Riemeisterstraße / Ecke Wilskistraße, auffallend durch seine eindrucksvollen Lettern „FRISIERKUNST“, die darunter unweigerlich einen Friseurladen vermuten lassen. – Das war der denkmalgeschützte Sonderbau auch lange Jahre, gleich nach Kriegsende als Barbershop vielbesucht von den stationierten Amerikanern, später dann ab den 60ern als Friseursalon betrieben. Um 2013 dann befand sich ein Architekurbüro in den Räumen. Doch nun ist die kliQ-Genossenschaft hier eingemietet und hat als Betreiberin der Begegnungsstätte im Dezember 2024 mit einem vielfältigen Programm die einstige Ladentür weit für Nachbarn und Gäste im Quartier geöffnet. „kliQ“ steht für „klimafreundliches Quartier“ zwischen den U-Bahnhöfen Oskar Helene-Heim, Onkel Toms Hütte und Krumme Lanke. Durch intensives bürgerschaftliches Engagement soll dieses Gebiet möglichst schnell klimaneutral gemacht werden. 2021 als Projekt vom Verein Papageiensiedlung initiiert, gründete sich daraus im April 2024 die kliQ-Berlin eG als Genossenschaft für ein klimafreundliches Quartier in Berlin, mit Thomas Gehring und Christian Küttner an der Vorstandsspitze. Als ein Geschäftsbereich der KliQ trägt sich der FEIN-Mittel geförderte Kieztreff „FRISIERKUNST“ wirtschaftlich selbst. Als Leiterin und einzige Angestellte agiert Conny Polzin, die als Bürokauffrau und aus dem Einzelhandel wertvolle Erfahrung für diesen vielseitigen Begegnungsort mitbringt. Unterstützt wird sie vom kliQ-Aufsichtsratvorsitzenden und Diplom-Politologen Michael Gaedicke, der weiß: „Erfolgreiches Ehrenamt braucht Hauptamt.“

Viel mehr als Eintopf
Aktuell verstärkt im Gespräch mit Probebohrungen und Machbarkeitsstudien ist die kliQ-Berlin eG mit dem Aufbau ihrer kalten Nahwärmenetze für eine klimafreundliche Wärmeversorgung im Quartier, beginnend in den Teilgebieten Sprungschanzensiedlung und Weserberglandsiedlung. Nach dem Stromausfall in Zehlendorf im Januar Thema mehr denn je. Gerade die Begegnungsstätte FRISIERKUNST ist da als Diskussionsort unerlässlich, das Quartier noch sozialer, ökologischer und klimafreundlicher werden zu lassen. „Wir wollen es uns hier dabei aber auch schön machen und Freude haben“, ergänzt Michael Gaedicke. Zusammenkommen, miteinander reden und essen im selbsternannten kleinen Treff-Bistro, ein Angebot, das sich im Kieztreff zunehmender Beliebtheit erfreut: Jeden Mittwoch beim Nachbarschaftstreff ab 13 Uhr können Nachbarn sich zur Suppe zusammenfinden, danach gibt’s Kaffee, Kuchen und Austausch bis 18 Uhr.
Darüber hinaus serviert das Bistro-Team immer freitags von 12 bis 16 Uhr einen leckeren heißen Kiez-Eintopf, der auch das Gemüt wärmt. Der ehemalige Friseurladen ist dank des großartigen Einsatzes von Genossenschaftsmitgliedern und Ehrenamtlichen bei der denkmalgerechten und erhaltenden Renovierung und Einrichtung des neuen Kieztreffs mit vom Lebensmittelamt abgenommenem Kochbereich vor eineinhalb Jahren zu einem wahren Wohlfühlort geworden. Freundlich blinzelt die Frühlingssonne durch die hochgelegenen Fenster, der akurat von der kliQ verlegte Boden hat sogar schon Tanznachmittage erlebt, und in den typischen Bruno-Taut-Farben Rostrot/Gelb gehalten, fügt sich der Raum optimal in die für seine frischen Farben weitbekannte Siedlungsumgebung ein. Bei Bedarf eine Rollstuhlrampe am Eingang ermöglicht Rolli-Fahrern den Zugang, auch wenn die im Untergeschoss gelegenen sanitären Anlagen nicht barrierefrei zu erreichen sind. Bei schönem Wetter stehen vor dem Treff Tische und Stühle zum Relaxen zur Verfügung, direkt daneben wartet unter der Schutzplane ein Lastenfahrrad der fLotte Berlin darauf, kostenfrei ausgeliehen zu werden.

Ort des Teilens
Umweltverträglichkeit wird auch bei anderen Programmpunkten an diesem besonderen Ort des Teilens großgeschrieben. Da liefert auf Vorbestellung einmal wöchentlich Solawi „SpeiseGut“ aus Gatow Kisten mit regionalem knackfrischen Gemüse, die in der FRISIERKUNST abgeholt werden können. Die regelmäßige Energieberatung und Mini-Kiezkonferenzen sind im Treff obligatorisch, und jeden 2. Donnerstag im Monat von 17.30 bis 20.30 Uhr öffnet im Kieztreff das RepairCafé mit ehrenamtlich Reparierenden, um liebgewonnenen Haushaltsgeräten und -gegenständen ein verfrühtes Ende auf einem BSR-Betriebshof zu ersparen. Aber auch kulturelles Teilen ist angesagt: Da begeistert Kieznachbar und Schauspieler Thomas Zug kleine Leute ab 7 Jahren mit seinem „Impro-Theaterkurs“, bei dem Spontanität, Fantasie und Rollenspiel gefragt sind. Und Buchvorstellungen, Filmclub bis zur Sommerpause, Irische Musikabende, experimentelles Malen und Zeichnen sowie das Spaß bringende Kanonsingen sprechen Kulturfreunde nicht nur aus dem direkten Kiez an, sondern lassen sie nicht selten auch von weiter her kommen. Begeistert erzählt Kiezleiterin Conny Polzin von der beliebten Eltern-Kind-Disco, zu der Klein und Groß sich jeden ersten Freitag im Monat in der Zeit von 16 bis 19 Uhr anmelden können: „Gemeinsames Tanzen verbindet herrlich ungezwungen Familien und Generationen.“
Mit dabei, wenn’s etwas für Klima, Umwelt und Mensch zu tun gibt
Auch eine ganz besonderer Aktion hat den Weg in die FRISIERKUNST gefunden: „Häkeln für die Zukunft“ heißt es jeden Mittwoch in der Zeit von 16 bis 18 Uhr für Häkelanfänger ebenso wie für Fortgeschrittene. Der Kieztreff beteiligt sich damit an der Kunst-Aktion der Omas for Future für biologische Vielfalt und gegen den Ökozid. Statt still zuzusehen, wollen sie sichtbare Zeichen setzen, indem sie sich das Ziel gesetzt haben, gemeinsam 20.000 bunte Wollblüten zu häkeln, die dann am 9. Mai im Rahmen einer Aktion im Regierungsviertel präsentiert werden sollen. – Die ersten Blüten im Kieztreff sind gehäkelt.
Und so können es gar nicht genug Interessierte sein, die den Weg in die FRISIERKUNST und zu deren Angeboten finden, wenn sie sich mit dem Quartier und seinen Zielen identifizieren können. „Ehrenamtliche Hände, die bei unseren Veranstaltungen helfen, und die uns darin unterstützen, unsere Genossenschaftsziele im Quartier zu erreichen, sind stets willkommen“, sagt Cornelia Polzin. So sind immer helfende Hände bei den Veranstaltungen gefragt, sei es beim Aufbau, Abbau oder beim Getränkeverkauf.

Unverzichtbar für das Quartier sind auch die „Heinzelmenschen“, eine Gruppe von Ehrenamtlichen zwischen 40 und 80 Jahren, die wie liebevolle Hausgeister mit kleinen Hilfsdiensten wie Einkaufen, Vorlesen, Spazierbegleitung oder Krankenbesuch einspringen, wenn durch Krankheit oder Einschränkung Not am Mann ist. Jeden zweiten Dienstag im Monat um 19 Uhr treffen sich die Heinzelmenschen in der FRISIERKUNST und freuen sich über neue Gesichter, die sie darin unterstützen möchten, „Verbindungen und Vernetzungen von Mensch zu Mensch zu schaffen“. Und natürlich sind auch neue Genossenschaftsmitglieder für die kliQ-Berlin eG gefragt. Derzeit zählt sie rund 250 Mitglieder, Tendenz steigend. Jedes neue Mitglied zahlt bei Genossenschaftseintritt eine einmalige Einlage sowie 100 Euro Verwaltungskosten.
Conny Polzin und Michael Gaedicke freuen sich auf neue FRISIERKUNST- und kliQ-Begeisterte und sind sich einig: „Weitere Ehrenamtliche in unserem Kreis bedeuten auch eine Erweiterung des Angebotes, neue Formate und frische Ideen für das ganze Quartier.“
FRISIERKUNST Kieztreff Riemeisterstraße / Ecke Wilskistraße, 14169 Berlin, www.kliq-berlin.de
Jacqueline Lorenz



