Schöneberg
Dunkle Firmengeschichte
Stele beleuchtet die Rolle der Firma Kori im NS-Regime

23.03.2026: Wer heute am Rande des Parks am Gleisdreieck spazieren geht, denkt meist an Erholung und Freizeit. Doch die Idylle nahe der Dennewitzstraße hat eine düstere Kehrseite, die lange Zeit im Verborgenen blieb. Am 20. März weihte Bezirksbürgermeister Jörn Oltmann dort eine Informationstafel ein, die an die Ofenbaufirma H. Kori GmbH erinnert – ein Unternehmen, das von der Dennewitzstraße 35 aus die Logistik des Massenmords im Nationalsozialismus unterstützte.
Die Firma war von 1905 bis in die 1970er-Jahre in Schöneberg ansässig. Ab 1939 entwickelte sie sich zu einem zentralen Akteur des Regimes: Zunächst lieferte Kori Spezialöfen für sechs Krankenmordstätten, in denen Menschen mit Behinderungen systematisch ermordet wurden. Später stattete das Unternehmen rund 20 Konzentrations- und Vernichtungslager mit Krematorien aus, um die Spuren des Genozids zu beseitigen.
Bürgermeister Oltmann betonte, wie wichtig der Blick auf die „Handlanger und Mitläufer“ der Geschichte sei. Es gehe darum, auch heute genau hinzusehen, um eine Wiederholung solcher Gräueltaten zu verhindern.
Besonders bedrückend ist die Geschichte der Firma nach 1945. Ohne größere Brüche integrierte sich Kori in die westdeutsche Wirtschaft und produzierte Heizungsanlagen. Obwohl die Mittäterschaft bereits 1962 in einer Publikation öffentlich gemacht wurde, blieb eine gesellschaftliche Debatte damals weitgehend folgenlos. In den 1970er Jahren zog das Unternehmen nach Neukölln um, meldete 1999 Insolvenz an und verschwand 2012 endgültig aus dem Handelsregister.
Der Lokalhistoriker Norbert Peters, der die Firmengeschichte ehrenamtlich erforscht hat, erläuterte den interessierten Gästen die Details dieser Schöneberger Industriegeschichte. Die Tafel, die auf Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg aufgestellt wurde, soll nun dauerhaft dafür sorgen, dass dieses Kapitel der Nachbarschaft nicht vergessen wird.



