Wilmersdorf
Initiative Bundesplatz e. V. – viel mehr als bloße Visionen
Vom Straßenbegleitgrün zur grünen Oase

20.02.2026: Als sich Ende Januar 2010 die Initiative Bundesplatz auf Anregung von Gisela Nitschke mit zwölf Gründungsmitgliedern zur Vereinsgründung entschloss, waren die Vereinsziele zugunsten des Bundesplatzes – einst prächtiger „Kaiserplatz“ – klar formuliert: Um dem am 4. März 1967 im Rahmen damaliger „autogerechter Stadtplanung“ zerschnittenen, mit der Autotunnel-Eröffnung zum „Straßenbegleitgrün“ degradierten Bundesplatz wieder zu mehr Ansehen und Aufenthaltsqualität zu verhelfen, sprach man sich in den Vereinszielen für den Rückbau des Tunnels sowie für eine Neugestaltung des Bundesplatzes hin zu seinem ursprünglichen Gesamtbild und für die Steigerung der Attraktivität seines baulichen Umfeldes aus.

Der rund um die U- und S-Bahnstation Bundesplatz bereits erkennbaren Verwahrlosung wollte man damals gemeinsam zuleibe rücken. Unter seinem ersten Vorsitzenden Wolfgang Severin sprach sich der junge Verein außerdem für eine Parkraumbewirtschaftung rund um den Platz aus. Anwohnerfeste und Informationsveranstaltungen sollten dazu Gleichgesinnte mit ins Boot holen, die Erarbeitung der Geschichte des Platzes Verständnis für seine Entwicklung vermitteln. Bereits die zweite ordentliche Mitgliederversammlung konnte im Bistro der Caritas Tübinger Straße/Ecke Bundesplatz stattfinden, die bis heute der Bundesplatz-Initiative und ihren Gästen großzügig Raum für Versammlungen gewährt, so auch für das regelmäßig an jedem ersten Dienstag im Monat in der Zeit von 19 – 21 Uhr stattfindende Bundesplatz-Treffen (nächste Treffs am 3. März und 7. April, Gäste willkommen).
15-jähriges Vereinsbestehen im letzten Jahr gebührend zu feiern, gab es Grund genug: Wie viel von den damaligen Zielen bereits umgesetzt werden konnte oder auf bestem Wege dahin ist, sieht, wer aufmerksam den Bundesplatz und seine dank reizvollen Einzehandel- und Dienstleistungsangebotes spannende Umgebung offenen Auges besucht – und dann bestenfalls Lust bekommt, selbst Teil dieser aktiven Initiative zu werden.

Vom „Unort“ zum Schmuckplatz – kein leichter Weg
Zwar ist der Tunnel noch immer nicht verschwunden, doch jeder weiß, wie dicke Bretter es zu bohren gilt, um mit Unterstützung der Politik wenigstens kleine Veränderungen zum Besseren hin erreichen zu können. Auf gutem Weg dahin ist der aktuell rund 160 Mitglieder zählende Verein mit den Vorstandsmitgliedern Birgitta Berhorst, Bernhard Strohmayer und Ursula Pattberg in erster Reihe, die sich über die Jahre über Interesse der Lokalpolitik an ihren Projekten nicht beklagen konnten, sich aber noch größeren Einsatz und schnelleres Handeln von Seiten der Landespolitik wünschen. Denn auch das Ehrenamt stößt an Grenzen, will bereits Erreichtes abgesichert und langfristige Lösungen sehen.

Längst hat – ebenso fachkundig wie energiegeladen initiiert vom Bundesplatz-Verein – der Kiez rund um den Platz eine bemerkenswerte Aufwertung erfahren; nicht zuletzt durch gut angenommene monatliche Aktionstage, Treffen, Flohmärkte, Kiezrundgänge, Feste und kulturelle Angebote. Erreicht werden konnte durch das über 15 Jahre währende bürgerschaftliche Engagement mit Tausenden von Stunden ehrenamtlicher Arbeit der Initiative Bundesplatz immerhin einiges zur Umwandlung des Platzes von einer vermüllten Brache zur grüner Oase und zu einem entspannenden Ort der Begegnung: So konnte die Umsetzung der historischen Skulptur der „Winzerin“ aus dem Jahr 1910 verhindert werden, die heute in nördlicher Richtung Höhe Mainzer Straße steht, und die Figur mit passender Grüngestaltung zu neuem Ansehen gelangen.
Ehrenamtliche pflegen und bepflanzen regelmäßig den von ihnen vom „Straßenbegleitgrün“ zum blühenden Stadtplatz wiederbelebten Bundesplatz.100 Meter der einst den Platz umgebenden hohen Mauern wurden vor 14 Jahren abgerissen, um auch optisch mehr Luft zu geben und das Sicherheitsgefühl der Platzbesucher zu stärken. Trampelpfade wichen befestigten Wegen mit Gehwegvorstreckungen, Bänke für Erholungssuchende kamen hinzu.

Und auch die erfolgten Verkehrsverbesserungen sind auf den Einsatz der Initiative Bundesplatz zurückzuführen: So wurde an den Spangen und Straßen rund um den Platz Tempo 30 eingeführt. Dass der Bundesplatz bis jetzt kein vollkommener Ruheort wurde, ist Spätfolge des 60er-Jahre-Tunnelbaus: Die Tunneleinfahrt, die den Kiez zerschneidet, bringt bis heute starke Abgas- und Lärmbelästigung mit sich. Auch wenn eine Schließung des Tunnels mit Rückbau und Ausweitung der Grünflächen sowie einer ausschließlich oberirdisch verlaufenden Verkehrsführung aktuell noch nicht in greifbarer Nähe scheint, könnte laut Initiative eine intelligentere Verkehrsführung der angrenzenden Kreuzungsbereiche zeitnah Entlastung schaffen und das derzeitige Stauproblem zu Stoßzeiten wenigstens verringern.Verschiedene Studien, die Zusammenarbeit mit Universitäten und Planungsbüros sowie ein BVV-Beschluss zur Abkehr von der autogerechten Stadt insbesondere am Bundesplatz unterstreichen dies ebenso wie der kontinuierliche Dialog mit Politik und Verwaltung. Mit der Umsetzung eines stufenweisen flächengerechten Umbaus des Bundesplatzes befasst sich die Spath/Nagel-Studie von 2021. In einer darauf basierenden Grafik wird die Umbau-Variante „Hufeisen“ visioniert, die mit der Modernisierung des Kreuzungsbereichs am Bundesplatz beginnt und in die vollständige Neugestaltung des Platzes mündet.
Mit großen Zielen und Kampagne ins Frühjahr 2026
Für dieses Jahr hat sich die Initiative Bundesplatz große Ziele gesetzt. Der Vorstand erklärt dazu: „Wir wollen den politischen Druck wiederbeleben, auch mit Blick auf die Wahlen. Die Politik ist nun gefordert, über die Absicherung des ehrenamtlichen Engagements zu diskutieren und die stadtplanerische Weiterentwicklung aktiv voranzutreiben. Der Bundesplatz ist ein Hebel für eine bessere Bundesallee. Es ist Zeit für den politischen Mut, die Fehler aus der Vergangenheit zu korrigieren.“ Dabei wünschen sich die Beteiligten einen zeit-, energie- und kostensparenden Konsens in der Stadt, der über eine Legislaturperiode hinausreicht, anstatt nach jeder Wahl wieder neu verhandelt zu werden.

Für mehr Sichtbarkeit des facettenreichen Bundesplatzes, für Beteiligung und politischen Rückenwind startet die Initiative Bundesplatz e. V. im Frühjahr die Kampagne „Der Bundesplatz – Mehr als nur ein Straßenbegleitgrün“.
Damit soll auf die vielfältige Bedeutung dieses Platzes als Klima-, Begegnungs- und Stadtraum aufmerksam gemacht und politischen Forderungen nach einem menschengerechten Bundesplatz Nachdruck verliehen werden – nicht ohne die unzureichende Grünflächen-Klassifizierung „Straßenbegleitgrün“ zu hinterfragen. Brigitta Berhorst vom Vorstand betont: „ Ebenso wollen wir mit dem Kampagnenthema noch mehr Menschen aus der Nachbarschaft neugierig machen, ins Gespräch bringen und für die Zukunft dieses Ortes gewinnen.“ Dazu sind auch jüngere Menschen gefragt, die für eine ideenreiche Zukunft des Platzes in der Initiative mitarbeiten möchten. Den Auftakt der Kampagne bildet das Fokusthema „Ein Ort für gutes Mikroklima“, wozu die Initiative den Dialog mit Entscheidungsträgern aus Politik und Bezirksverwaltung sowie Anwohnern verstärken will. Um das Potenzial des Bundesplatzes als Erholungsort, Klimapuffer und Gegenpol zu Verkehr, Hitze und Versiegelung ausschöpfen zu können, setzt die Initiative auf die Umsetzung einer zukunftsfähigen Baumbepflanzung, auf die Stärkung der mikroklimatischen Funktion des Platzes hin zu einer kleinen grünen Insel inmitten dicht bebauten Stadtraumes mit weiter verbesserter Aufenthaltsqualität, insbesondere bei Hitzeperioden. Vorstandsmitglied der Initiative Bernhard Strohmayer erklärt dazu: „Am Bundesplatz könnte Berlin eine Vorreiterrolle in der Umsetzung des BäumePlus-Gesetzes einnehmen.“ Im Spätsommer dann sollen weitere Etappen der Kampagne folgen, die Themen wie „Ein Ort der Begegnung“, „Ein Ort mit Potenzial“ und „Ein Ort mit Geschichte(n)“ fokussieren, begleitet von Veranstaltungen und Mitmach-Aktionen für jedermann.
– Man darf also hoffnungsfroh in eine menschen-und klimagerechtere Zukunft des Bundesplatzes blicken, hinsichtlich der ungebrochenen Energie des inzwischen vielfach für seine Erfolge und sein bürgerschaftliches Engagement ausgezeichneten Initiative Bundesplatz e. V.

Übrigens: Anlässlich seines 15-jährigen Bestehens brachte die Initiative die ebenso interessante wie informative Broschüre „Ein Platz. Eine Community. Eine Version.“ heraus, die sowohl die Geschichte des Bundesplatzes und die ihres Umfeldes als auch die der Initiative kurzweilig behandelt.
Wer sich bei der Initiative Bundesplatz einbringen will, beim nächsten Aktionstag „Gärtnern im Kiez“ am 14. März in der Zeit von 10-14 Uhr mithelfen möchte oder/und Interesse an der Broschüre hat, Kontakt unter E‑Mail: info@initiative-bundesplatz.de oder Telefon: 0151 260 18 967
Weitere Informationen unter www.initiative-bundesplatz.de
Jacqueline Lorenz
