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Charlottenburg-Wilmersdorf

250 Jahre Königin Luise von Preußen

Im schönsten Kleid zu Napoleon

Empfang beim Frieden von Tilsit 1807: Napoleon, Alexander I. von Russland, Luise und Friedrich Wilhelm III. Gemälde von Nicolas Gosse.
Empfang beim Frieden von Tilsit 1807: Napoleon, Alexander I. von Russland, Luise und Friedrich Wilhelm III. Gemälde von Nicolas Gosse.

23.02.2026: In der langen Geschichte der Hohenzollern gibt es viele Herrscher, die durch militärische Strenge oder staatstragende Reformen in Erinnerung blieben. Doch keine Gestalt des preußischen Königshauses wird bis heute so sehr mit Anmut, menschlicher Wärme und tragischem Schicksal verbunden wie Königin Luise. Als sie 1810 mit nur 34 Jahren starb, hinterließ sie ein ganzes Volk in Trauer. In Dahlem wurde eine der wichtigsten Straßen nach ihr benannt und die 1811 gegründeten Königin-Luise-Stiftung an der Podbielskiallee wird seit Generationen von Schülerinnen und Schülern besucht.

Unkonventionelle Jugend

Luise Auguste Wilhelmine Amalie wurde am 10. März 1776 in Hannover als Prinzessin von Mecklenburg-Strelitz geboren. Vater Herzog Karl zu Mecklenburg-Strelitz verwaltete in Hannover das Kurfürstentum für den britischen König Georg III.. Ihre Mutter starb im Kindbett, als Luise erst sechs Jahre alt war. So wuchs Luise, zusammen mit ihren beiden Schwestern – die Brüder blieben beim Vater – größtenteils bei ihrer Großmutter in Darmstadt auf. Das war ein Glücksfall für ihre persönliche Entwicklung, denn sie genoss dort eine für damalige Verhältnisse liberale und naturnahe Erziehung.

Anfang März 1793 wurden sie und ihre Schwester Friederike in Frankfurt am Main dem preußischen König Friedrich Wilhelm II. vorgestellt. Er war beeindruckt und arrangierte ein Treffen mit seinen Söhnen. Die 17-jährige Luise und der 22-jährige Kronprinz Friedrich Wilhelm verliebten sich ineinander. Die Verlobung folgte rasch, und am Weihnachtsabend 1793 heiratete das Paar in Berlin. Ihre Schwester Friederike heiratete Prinz Louis, den jüngeren Bruder von Friedrich Wilhelm. Diese Ehe war allerdings nicht glücklich.

Königin Luise auf einem Ölgemälde von Josef Mathias Grassi, 1802.
Königin Luise auf einem Ölgemälde von Josef Mathias Grassi, 1802.

Fast bürgerliche Ehe

Luise besaß eine natürliche Herzlichkeit, die Menschen aller Stände in ihren Bann zog. Goethe, der sie traf, schwärmte von ihrer Erscheinung. Als Kronprinzessin und ab 1797 als Königin an der Seite Friedrich Wilhelms III. brach Luise mit den Konventionen. Das Paar führte eine fast bürgerliche Ehe, sprachen sich mit „Du“, statt des höfischen „Sie“ an. Luise und ihr Mann spazierten durch den Tiergarten, besuchten den Weihnachtsmarkt und andere „bürgerliche“ Vergnügen – für die Traditionalisten ein Skandal, aber das Volk liebte das Paar und seine Nahbarkeit. Luise brachte zehn Kinder zur Welt, sieben erreichten das Erwachsenenalter – darunter der spätere deutsche Kaiser Wilhelm I. und die Zarin Alexandra Fjodorowna.

Napoleon in Preußen

Das königliche Glück war nur von kurzer Dauer. Europa befand sich im Würgegriff Napoleons. Friedrich Wilhelm III. versuchte lange, Preußen aus den Konflikten herauszuhalten. Luise hingegen sah Preußen durch Frankreichs Agieren bedroht.

Das Jahr 1806 war katastrophal. In der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt wurde die einstmals stolze preußische Armee von Napoleons Truppen vernichtend geschlagen. Die königliche Familie musste fliehen. Sie zogen sich zurück bis nach Memel, heute Klaipeda, in den äußersten Osten des Reichs. Der König machte die Stadt von Januar 1807 bis zum Januar 1808 zu seiner vorübergehenden Residenz.

Begegnung in Tilsit

Der wohl berühmteste Moment in Luises Leben ereignete sich im Juli 1807 in Tilsit. Preußen lag am Boden, Napoleon diktierte den Frieden. In einem verzweifelten Versuch, die harten Bedingungen für ihr Land abzumildern, bat Friedrich Wilhelm seine Frau, mit dem französischen Kaiser zu sprechen. Es war eine beispiellose Demütigung und zugleich ein Akt höchsten Mutes: Die Königin trat dem Eroberer Europas entgegen.

Luise trug ein silberdurchwirktes Kleid und setzte all ihren Charme und ihre Intelligenz ein. Sie bat Napoleon um Milde, um den Erhalt von Magdeburg und westelbischen Gebieten. Napoleon war beeindruckt von ihrer Schönheit und ihrem Geist – er nannte sie später „den einzigen Mann in Preußen“ – doch politisch blieb er hart. Preußen verlor die Hälfte seines Territoriums.

Obwohl Luises Mission politisch scheiterte, war sie ein moralischer Triumph. Dass eine Frau und Mutter sich dem Tyrannen entgegenstellte, um ihr Volk zu retten, machte sie endgültig zur Ikone. Sie war nun nicht mehr nur die schöne Königin, sie war die schmerzhafte Seele Preußens.

Früher Tod und „Luisenkult“

Die Jahre nach Tilsit waren geprägt von finanziellen Nöten und dem Versuch, den Staat durch Reformen zu modernisieren, was Luise unterstützte. Doch ihre Gesundheit hatte durch die physischen und psychischen Belastungen der Fluchtjahre irreparablen Schaden genommen.

Im Sommer 1810 besuchte sie ihren Vater in Strelitz. Dort erkrankte sie schwer an einer Lungenentzündung (vermutlich in Kombination mit einem Herzleiden). Am 19. Juli 1810 starb Königin Luise im Schloss Hohenzieritz im Beisein ihres Mannes und ihrer engsten Vertrauten. Sie war gerade einmal 34 Jahre alt.

Die Nachricht von ihrem Tod löste eine Welle der Bestürzung aus. „Sie ist an gebrochenem Herzen gestorben“, hieß es im Volk – gestorben am Schicksal ihres Landes.

Idealisierung und Luisenkult

Durch ihren frühen Tod blieb sie in der Erinnerung jung und schön – der „Luisenkult“ nahm seinen Anfang. König Friedrich Wilhelm III. stiftete am 10. März 1813, am Geburtstag seiner verstorbenen Frau, das Eiserne Kreuz. Dichter wie Novalis und Kleist verklärten sie; Denkmäler wurden errichtet.

Im 19. Jahrhundert wurde Luise zur Idealgestalt der deutschen Frau und Mutter stilisiert: aufopferungsvoll, patriotisch, familiär. Als ihr zweitgeborener Sohn Wilhelm 1871 im Spiegelsaal von Versailles zum Deutschen Kaiser proklamiert wurde, sah man dies als späte Rache für die Tränen seiner Mutter in Tilsit. Ihr Sarkophag im Mausoleum des Schlossparks Charlottenburg ist bis heute ein Ort der Erinnerung an die populäre Königin.

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