Gazette Verbrauchermagazin

Gedenken an den Widerstand

Neue Stele in der Wrangelstraße ehrt Erich Fellgiebel und Verfolgte

Erschienen in Lichterfelde West Journal Februar/März 2026

Am 18. Dezember ist vor dem Haus Wrangelstraße 10 eine regionalhistorische Informationsstele der Öffentlichkeit übergeben worden. Sie ist dem General und Widerstandskämpfer Erich Fellgiebel sowie der Geschichte des Widerstands gegen den Nationalsozialismus im Bezirk Steglitz-Zehlendorf gewidmet. In ihrer Rede zur Einweihung der Stele mahnte die Enkelin des Wehrmachts-Generals, Barbara Fellgiebel, die Erinnerung wachzuhalten: „Wir müssen dafür sorgen, dass die Akteure des Widerstands nicht vergessen werden. Sie lehren uns, was Zivilcourage und Mut bedeutet. Möge die Stele dazu beitragen, denn Geschichte wiederholt sich“, so die 1950 geborene Fellgiebel.

v.l.n.r. Barbara Fellgiebel (Enkelin Erich Fellgiebel),Staatssekretärin für Kultur, Cerstin Richter-Kotowski und die Bezirksstadträtin für Bildung, Kultur und Sport, Malgorzata Sijbrandij. Foto BA SZ
v.l.n.r. Barbara Fellgiebel (Enkelin Erich Fellgiebel),Staatssekretärin für Kultur, Cerstin Richter-Kotowski und die Bezirksstadträtin für Bildung, Kultur und Sport, Malgorzata Sijbrandij. Foto BA SZ

Der Ort der Aufstellung ist historisch begründet: Generalleutnant Erich Fellgiebel (1886 – 1944) bewohnte das Haus in der Wrangelstraße von 1938 bis 1942. Als General der Nachrichtentruppe der Wehrmacht nahm er eine Schlüsselrolle beim Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 ein. Seine Aufgabe war es, die Kommunikation der NS-Führung im Hauptquartier Wolfschanze zu unterbrechen, um den Staatsstreich zu ermöglichen. Nach dem Scheitern des Attentats wurde Fellgiebel festgenommen, zum Tode verurteilt und am 4. September 1944 in Plötzensee hingerichtet.

Die nach einem Entwurf von Karin Rosenberg gefertigte Stele beleuchtet neben Fellgiebels Biografie auch das breitere Spektrum des Widerstands im Südwesten Berlins. Obwohl die NSDAP in Steglitz und Zehlendorf bei Wahlen hohe Zustimmungswerte erzielte, ging eine Minderheit in den Widerstand. Dazu gehörten Mitglieder der Arbeiterbewegung, christliche Gruppen um die Dahlemer Bekenntnisgemeinde sowie Intellektuelle und Künstler, etwa aus dem Umfeld der „Roten Kapelle“ oder der Gruppe „Onkel Emil“. Aber auch Adlige, wie Claus Graf Schenk von Stauffenberg und Peter Graf Yorck von Wartenburg.

Zur Einweihung waren Nachfahren Erich Fellgiebels, darunter Enkel und Urenkel anwesend.

Titelbild

© Gazette Verbrauchermagazin GmbH 2026