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„The Knast“ im Soeht 7 – statt Knackis Kultur im Kuppelsaal

Die Investoren haben Großes vor

Lichthof mit Zellentrakt. Foto: Claudia Warneke
Lichthof mit Zellentrakt. Foto: Claudia Warneke
Erschienen in Lankwitz Journal Dezember/Januar 2019
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Naturheil-Praxis

Wo einst böse Mädchen auf harten Gefängnispritschen über Schuld und Sühne grübelten, soll in Lichterfelde bis Ende 2020 hinter sanierten Gefängnismauern eine außergewöhnliche Location entstehen.

Die beiden Visionäre Dr. Joachim Köhrich, Unternehmer und Geschäftsführer der Places Prime GmbH, und seine Partnerin Janina Atmadi, Location Concierge und Geschäftsführerin der „The Knast“ Gmbh & Co. KG, sind mitten in der Umsetzung ihrer großen Pläne: Wo derzeit noch Baulärm dröhnt, Dachdecker in schwindelerregender Höhe Dachschindel für Dachschindel platzieren, und wo in Säcken original Bernburger Pflastersteine auf das Verlegen von fachkundiger Hand warten, soll ein gehobener Treffpunkt für Kunst und Kultur, ein Wohlfühlort für Leib und Seele entstehen. Im verträumten Lichterfelder Villenviertel wird sich dann die Gefängnistür weit für Fine Dining-Angebote, ein edles Boutique-Hotel mit 10 Zimmern und – nach Abstimmung mit Denkmalschutz und Bauaufsicht – für weitere vier Suiten öffnen.

Visionäre und Macher

Dr. Köhrich und seine Partnerin, die seit Juli 2017 Eigentümer der reizvollen Immobilie sind, stehen fest auf dem Boden der Tatsachen. Der Diplom-Ingenieur der Verfahrenstechnik mit Schwerpunkt Umwelttechnik blickt bereits heute auf eine steile Unternehmerkarriere zurück. Als Investor unterwegs im Eventbereich hat er wertvolle Erfahrungen gesammelt, die er nun in die Verwirklichung von „The Knast“ einfließen lässt. Während Köhrich lieber hinter den Kulissen agiert, zeigt ebenso charmante wie engagierte Partnerin Janina Atmadi mit ihren gemeinsamen Projekten nach außen Präsenz: Für Öffentlichkeitsarbeit, Presse, Marketing, Vertrieb und Kundenpflege ist sie zuständig. Als Location Concierge bringt sie zusätzlich getreu ihrem Motto „ich kenne was, was Du nicht kennst“ Kunst, Künstler, Event-Location und Location-Suchende zusammen.

Dass beide Visionäre in der Realität durchaus fest im Sattel sitzen, zeigt die erfolgreiche Wiederbelebung der Heckmann-Höfe als Kreativquartier in Berlin-Mitte unter ihrer Regie. Als zweite außergewöhnliche Berliner Event-Location soll nun „The Knast“ in Lichterfelde folgen. – Eine Herzensangelegenheit für beide Eigentümer, die sich wünschen, dass jeder, der „The Knast“ einmal betreten hat, sich dort Zuhause fühlen und gerne wieder „einsitzen“ wird.

„The Knast“ entsteht

Das Gefängnis wurde als mehrflügeliger Gebäudekomplex in historisierenden Neorenaissance-Stilformen von 1902 bis 1906 auf rund 3.500 Quadratmeter großem Gelände in direkter Nachbarschaft zum Amtsgericht Lichterfelde erbaut. Wo anfangs Männer und Frauen in unterschiedlichen Gebäudeteilen Haftstrafen verbüßten, zog nach dem Zweiten Weltkrieg das amerikanische Militärgericht ein. Nach kurzzeitiger Stilllegung im Jahr 1954 dienten die Räume als Nebenanstalt des Frauengefängnisses Tiergarten. 1985 erweiterte man die Justizvollzugsanstalt Düppel durch die Räume an der Söhtstraße. Das Gefängnis wurde damit zur Justizvollzugsanstalt des Offenen Vollzuges mit Freigang. – Bis zum Jahr 2010, dann dienten Gebäude und Zellen überwiegend als Kulisse für Filmaufnahmen und Kreative. U.a. wurde hier „Babylon Berlin“ gedreht, namhafte Schauspieler wie George Clooney und Moritz Bleibtreu schritten nun lässig durch die nicht mehr ganz so streng bewachte Gefängnispforte. Seit April 2016 lagen die denkmalgeschützte Anlage und das beeindruckende Gefängnisschlüsselbund in der Hand von Jochen Hahn. Unter dem Namen „Soeht 7“ entstand ein spannender Ort für Lesungen und Ausstellungen, an den „The Knast“ mit seinen neuen Besitzern nun anknüpfen will –deutlich außergewöhnlicher und exklusiver, mit Bar, großzügigem Gastro-, Hotel- und Konferenzbereich, alles nach ausgewogenem Farbkonzept gestaltet.

Mit der „Umnutzung des ehemaligen Frauengefängnisses zum Atelierhaus“ wird nun noch mehr mietbarer Platz für Kunst & Kultur, für Events und kreative Veranstaltungen geschaffen, ohne dabei die wichtigen denkmalschützerischen Aspekte außer Acht zu lassen. Besitzer und Bauleiter Dr. Köhrich steht dabei in ständigem Austausch mit der Denkmalpflege. Selbst engagiert im Umweltschutz, will er seine Projekte behutsam und nachhaltig, aber auch vorausschauend sanieren. Janina Atmadi betont: „Er kauft, um das Vorhandene nach seinen Visionen weiter zu entwickeln. Dabei erhält er so viel wie möglich.“ Doch das ist nicht immer leicht: So sind allein an der Gebäudeaußenwand des in den 50er-Jahren zuletzt sanierten Gefängnisses derzeit neun in Körnung und Farbe unterschiedliche Putzproben aufgetragen, um daraus gemeinsam mit der Denkmalpflege die dem Original am nächsten kommende Putzart bestimmen zu können.

Vorhandenes mit Neuem nachhaltig weiterentwickeln

Um „The Knast“ barrierefrei zu entwickeln, wird ein Fahrstuhl eingebaut, und im ersten Stock entsteht ein behindertengerechtes WC. Dabei wird als Herzstück der Gefängnisanlage der seinem Namen gerecht werdende Lichthof mit einem Teil der vorhandenen Zellen authentisch erhalten und erhält durch zuschaltbare Lichttechnik eine noch bessere Sichtbarkeit.

Längst sind die Kellerräume entkernt, in neuen Kabelschächten hält sichere Technik Einzug, Brandmelder sind installiert, Rundbögen neu gestaltet, und die zuvor mit dem Amtsgericht gemeinschaftlich genutzte Heizung ist modernster eigenständiger Heiztechnik gewichen. Fußbodenheizung soll den Wohlfühlfaktor im Haus erhöhen, in dem einst kalte Füße in schlecht geheizten Zellen an der Tagesordnung gewesen sein dürften.

Wie geschmackvoll es einmal im „The Knast“ zugehen wird, lassen schon heute Einblicke in die Sanitären Anlagen erkennen: Kupferglänzende Wischtechnik für die Wände, Waschtische in Walnussholz, Granit-Handwaschbecken.

Im ganzen Haus werden alte Wandbemalungen freigelegt und charmante Überbleibsel aus dem einstigen Gefängnisalltag geschickt in Szene gesetzt. – Eine „Böse-Mädchen-Zelle“ gehört ebenso dazu wie das JVA-Hinweisschild am Eingang.

Janina Atmadi strahlt, als sie den Kuppelsaal präsentiert, der ihr und ihrem Partner ganz besonders am Herzen zu liegen scheint: Bei den Stemmarbeiten für den Fahrstuhl entdeckte man eine alte Tür, die einmal das besondere Prunkstück des Kuppelsaales werden soll. Seinen Boden decken ehemalige Opernhausdielen. Darunter hat, unsichtbar für den Besucher, moderne Veranstaltungstechnik ihren Platz gefunden. Mystik strahlt der Saal aus, welche Janina Atmadi und ihr Partner für die Gäste bewahren wollen.

Dass Sicherheit für die neuen Besitzer einen hohen Stellenwert hat, erkennt man vielerorts im Haus: Beispielsweise wird, um sichere Fluchtwege garantieren zu können und dem Brandschutz gerecht zu werden, der Dachboden neu ausgebaut und eine zusätzliche Treppe geschaffen. Geschäftsführerin Janina Atmadi merkt man die Begeisterung an, wenn sie erklärt: „Ich habe während des Umbaus schon so viel Neues und Spannendes zu Bauthemen gelernt.“

Ebenso spannend wie im Haus wird es dann im großzügigen, ebenfalls denkmalgeschützten Gartenbereich und der noch vermieteten Kapelle weitergehen, für die beide Visionäre schon heute viele gute Ideen haben, um sie in die Nutzung behutsam mit einzubeziehen. Doch davon später mehr.

Übrigens: Auch während der Bauphase finden regelmäßig Events und Veranstaltungen statt, vom exklusiven Dinner auf dem Gefängnisflur bis zum anspruchsvollen Konzert. Die Zellen stehen für Dreharbeiten und Filmproduktionen ebenfalls weiterhin zur Verfügung.

Jacqueline Lorenz

Soeht 7 / The Knast

Söhtstraße 7
12203 Berlin

www.theknast.de

Titelbild

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