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ACHIM FREYER und seine Stiftung

Zur Förderung zeitgenössischer Künste und Künstler

Achim Freyer, Kunstversteher, Künstler und Philosoph durch und durch.
Achim Freyer, Kunstversteher, Künstler und Philosoph durch und durch.
Erschienen in Lankwitz Journal Oktober/November 2019
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Naturheil-Praxis

Dem Bild hilft nicht das Wort. Natur schafft sich selbst aus dem Sein der Welt.

Kunst ist Schaffen, um durch Erkenntnis am Entstandenen das Dasein im Sein erlebbarer werden zu lassen, um ein Etwas zum Klingen und Leuchten zu bringen mit den Geheimnissen des Geschaffenen

sagt Achim Freyer, Professor, Maler, Grafiker, Bühnenbildner; Film- und Theatermacher und dabei auch stets liebenswerter Philosoph und Stifter. Auch nach 85 Lebensjahren sucht der junggebliebene Künstler immer noch neue Herausforderungen und stellt sich ihnen mit seiner Arbeit; neugierig auf das, was das Ergebnis ihm sagen und woraus er neue Kraft schöpfen wird.

Das von ihm geschaffene KUNSTHAUS im Lichterfelder Kadettenweg 53 birgt auf drei Stockwerken einen Großteil seiner außergewöhnlichen Sammlung internationaler Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts, aber auch Arbeiten namhafter deutscher und ausländischer Maler in bunter Nachbarschaft zu Fundstücken von Trödel- und anderen Märkten. Ohne Namen sind die Bilder gehängt, vielmehr hat Freyer ihre Aussage in den Mittelpunkt gestellt.

Dabei verliert er nie den Künstler-Nachwuchs aus den Augen. Aus seiner Schule sind weltweit viele namhafte Künstler hervorgegangen, darunter Malerin Kerstin Drechsel, Bühnenbildnerin Etienne Pluss und Klangkünstler und Kurator Georg Weckwerth.

Wilde Kunst, die erdet

Als ganz besonderer Kunstort unterschiedlichster Weltsichten lädt die Fachwerk-Villa aus dem Jahr 1893 mit ihren Schatzkammern und ihrer unverwechselbaren Art brut, Street Art und Outsider Kunst zu Begegnungen und Toleranz. So schafft es die eher „wilde“ Kunst hier immer wieder, ihre Betrachter in die einzigartige Atmosphäre dieses Hauses und die Aussagen ihrer Exponate und Bilder einzubeziehen und auf ganz persönliche Art zu erden. Dabei ist Achim Freyer der wohltuende, doch vor Schaffenskraft sprühende Ruhepol. Ohne ihn atmet dieser Kunstort zwar, seine Lebendigkeit jedoch erhält er vom Künstler mit jedem Werk mehr übertragen.

Wie gemacht für die Kunst sind die Räume der gleichzeitig als Kunst- und Privathaus genutzten Villa, deren Fenster zum Schutz der Gemälde verhängt sind, und in denen Achim Freyer gerade zusätzliche Wände für weitere 200 Werke hat einfügen lassen.

Die gemeinnützige Stiftung rief Achim Freyer ins Leben, um damit als langjähriger Förderer zeitgenössischer Kunst und Künstler ein Zeichen zu setzen. Inzwischen weiß er rund 80 Gleichgesinnte und acht Angestellte an seiner Seite. Die Mitglieder des im 2016 gegründeten FREUNDESKREIS DER ACHIM-FREYER-STIFTUNG unterstützen – vom Künstler bis zum Rechtsanwalt – seine wichtige Förderarbeit, profitieren aber auch selbst davon: Freien Eintritt in die Sammlung sowie zu den weltweit anerkannten Ausstellungen und Veranstaltungen erhalten sie, Zugang zu den exklusiven Führungen, Festen und Exkursionen des Künstlers sowie zu Sonderkonditionen die für ihre hohe Qualität bekannten Publikationen des Hauses. Übergeordnetes Ziel der Stiftung bleibt es, über die Förderung jungen zeitgenössischen Künstlern und der Kunst eine Zukunft zu geben und Freyers Sammlung und seine inzwischen rund 50.000 Arbeiten allen Interessierten zugängig werden und bleiben zu lassen.

Außerdem unterstützt die Stiftung die Kampagne „Erklärung der Vielen“ und tritt damit für eine offene und tolerante Gesellschaft ein, für Gleichberechtigung aller Menschen, Hautfarben und Geschlechtervariationen, sexuelle Orientierungen, Religion, Bedürfnisse und Fähigkeiten.

Wo kommt Kunst her, was ist sie, wo geht sie hin?

Diese Frage stellt sich Achim Freyer immer wieder und will diese Fragen auch anhand seiner Bilder beantwortbar für den Betrachter machen.

Betritt man durch das grüne schmiedeeiserne Tor den Garten des Künstlers, aus dessen Mitte sich das KUNSTHAUS verwunschen erhebt, taucht man in seine Welt der Kunst, Bilder und Skulpturen ein.

„Ich hatte von Jugend an die Begeisterung und Kampflust, für gute zeitgemäße Kunst zu arbeiten“, erklärt er, der bereits während seines Lebens in der DDR für das Sammeln wertvoller Werke und Erstellen einer illegalen Sammlung viel riskierte und bei seinem Weggang nach dem Westen unter weniger attraktiven Gemälden versteckt bedeutsame Bilder schmuggelte. Schon damals hatte er kunstliebende Mitstreiter in Prenzlauer Berg, die weitere ihm wichtige Werke bis zum Mauerfall für ihn verwahrten. Da gab es Arbeiten von Freyer, die seine in der DDR gebliebene Frau zerreißen sollte, um sie nicht in falsche Hände geraten zu lassen. Doch sie brachte es nicht übers Herz, die Arbeiten ihres Mannes zu vernichten, riss sie lediglich ein. „So habe ich heute einige angerissene Werke, die an diese Zeit erinnern“, erzählt Achim Freyer.

Mit dem Strom zu schwimmen, war noch nie seine Art. Während 30 Jahre Mauerfall aktuell allerorts thematisiert wird, hat er sich dem Thema u. a. bereits mit „Mauer Fall“ im Jahr 2013 gestellt. Gerade war das KUNSTHAUS erstmalig beim „Offenen Denkmal“ vertreten, was Freyer wörtlich für seine Werke verstanden sehen möchte (Denk mal!). Im vom Bezirk initiierten KULTURKORSO, der 13 Museen im Grünen umfasst, fehlt die Villa noch. Unverständlich, denn gerade dieser Kunstort in Lichterfelde präsentiert sich nahezu vollkommen mit moderner Kunst, Natur, Zeit- und Kulturgeschichte. – Ein Versäumnis, das von den Kunstzuständigen im Bezirk nachzuholen ist. Ein Kleinod, das vom Bezirk zukünftig mehr Aufmerksamkeit erhalten sollte als bisher.

Die Schaffensphase geht weiter

Die Kunst hat Achim Freyer auch weiter fest im Griff. So arbeitet er häufig in der Toskana, woher er im Lastwagen die Einzelteile für eine seiner jüngsten Skulpturen nach Berlin transportiert hat: Vom Feuer imprägnierte Äste und Teile einer verendeten Kastanie, die nun ineinander verschlungen als Skulptur vor dem Kunsthaus von Hand des Künstlers eine Zukunft erhalten haben. – Keine leichte Arbeit, die Achim Freyer trotz seines Alters nicht scheut. So schafft der einstige Brecht-Meisterschüler noch immer faszinierende Bühnenbilder vom Modell bis zur Vollendung, entwirft Accessoires für die Fashion Week, inszeniert Opern oder lässt in Workshops mit Kinderhänden malen.

Mit Kinderaugen sehen – diese Gabe hat sich Achim Freyer erhalten und lässt sie in seine Werke einfließen, die damit noch einmal eine ganz besondere Energie erhalten. Sie überträgt sich dann unweigerlich auf den Sehenden, sei es über Farbe, Gestaltung oder Hängung. Denn seine Bilder sind für ihn nie ganz beendet. „Ich nähere mich mehr und mehr dem Bild an“, verrät er. Dazu arrangiert er Bilder neu, verbindet mehrere Werke zu einem oder trennt sie; weiter neugierig, wissbegierig und mit wachem Geist, was ihm die Werke zu sagen, mitzuteilen oder gar zu fragen haben. Wie auch in seiner aktuellen, bis 19. Januar 2020 laufenden Ausstellung „BILDER“ im KUNSTHAUS, wo der Altmeister u. a. George Enescus Oper „Œdipe“ zu Wort kommen lässt, die er für die Salzburger Festspiele neuinszeniert hat.

Und so gilt auch für diese präsentierten Werke, die der Betrachter mit eigenem Blick erleben kann: Denn da wo das Wort aufhört, fängt das Bild an.

Jacqueline Lorenz

KUNSTHAUS / Sammlung und Galerie / Stiftung

Kadettenweg 53
12205 Berlin-Lichterfelde

Tel. 030-833 93 14

E-Mail team@achimfreyer.com

www.achimfreyer.com

Öffnungszeiten:
Di., Do., So. 15-18 Uhr und nach tel. Vereinbarung, auch Führungen

Rahmenveranstaltungen zur Ausstellung „BILDER“:

  • 27. Oktober 2019 um 17 Uhr Film „MET AMOR PH OSEN“ von Achim Freyer
  • 17. November 2019 um 17 Uhr Künstlergespräch Achim Freyer und Gast
  • 8. Dezember 2019 um 17 Uhr Film „Reise ins Blaue“ von Achim Freyer
  • 19. Januar 2020 um 17 Uhr Finissage mit Achim Freyer
Titelbild

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