Bebauung Tanklager Lankwitz
Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Steglitz-Zehlendorf diskutiert

Erschienen in Gazette Steglitz und Zehlendorf Juni 2026
Auf dem Gelände des ehemaligen Tanklagers Lankwitz laufen derzeit die Rückbauarbeiten, die voraussichtlich bis Ende 2026 abgeschlossen werden sollen. Über die künftige Nutzung des Geländes aber gibt es zwischen Senat und Bezirk noch keine Einigung. Während der Bezirk ein neues Wohnquartier planungsrechtlich ausweisen möchte, will der Senat zumindest Teile des Areals als Industrie- und Gewerbegebiet ausweisen. Zu diesem Thema nehmen nachstehend die Fraktionen und Gruppen in der Bezirksverordnetenversammlung Steglitz-Zehlendorf Stellung.
René Rögner-Francke, Bezirksverordnetenvorsteher
CDU-Fraktion
Wer sah sie nicht von der Kaiser-Wilhelm-Straße in Lankwitz, die weißen Tanks des Tanklagers am Teltowkanal. Nun sind sie weg und wir haben Platz für Neues! Und hier entfacht sich ein Streit, den keiner mehr versteht: Eine SPD geführte Senatsverwaltung (Wirtschaft) fordert hier lautes Gewerbe, das es weder aktuell, noch absehbar, in der wirtschaftlichen Realität der Stadt gibt. Eine andere SPD geführte Senatsverwaltung (Bau) sieht hier sinnvollerweise ein neues Wohnquartier. Die CDU meint: Dort muss Wohnraum entstehen. 500 bis 1000 Wohnungen können so in unserem Bezirk entstehen. In der Nachbarschaft von Wunsiedler Weg und Maulbronner Ufer können wir ein neues, sich in die Ortslage einfügendes, Wohnquartier schaffen. Wir wollen darüber hinaus einen für uns alle frei zugänglichen Uferstreifen, möglichst nicht störende Gastronomie am Ufer, sowie einen Nahversorgungsstandort. Jüngst wurde zwischen den SPD-Verwaltungen nun ein „Kompromiss“ gefunden. Nur 60 Prozent der Fläche sollen für Wohnungen zur Verfügung stehen. Das wollen wir nicht. Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass der Wohnungsanteil so hoch wie möglich wird
Torsten Hippe
B‘90/Grünen-Fraktion
Ein Jahr lang brauchten die Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung und Wirtschaft (beide SPD) um zu überlegen, was auf dem Gelände des ehemaligen Tanklagers in Berlin-Lankwitz entstehen könnte: Nun soll an dieser Stelle ein Gewerbeanteil von 40 Prozent erhalten bleiben. Wohlgemerkt an einem Ort, der keinen ausgeprägten Wirtschaftsverkehr erlaubt. Im Stadtentwicklungsausschuss des Bezirks haben wir stattdessen einen maximalen Gewerbeanteil von 30 Prozent beschlossen. Statt dringend benötigten Wohnraum zu schaffen, hängt Wirtschaftssenatorin Giffey an ihrer unsinnigen Idee, die mitten im Wohngebiet gelegene Tanklagerfläche für die Industrie zu bewahren. In Lankwitz würde damit eine Chance vertan: Wo früher Mineralöl gelagert wurde, könnte ein neues Quartier mit 500 bis 1000 Wohnungen entstehen und eine nachhaltige, zukunftsorientierte Stadtentwicklung vorangetrieben werden. Wir haben als Grüne in den vergangenen Jahren mehrfach auf die Möglichkeit hingewiesen, hier ein Wohngebiet mit einem Uferweg am Teltowkanal zu schaffen und vor allem die Anbindung durch einen neuen S-Bahnhof Kamenzer Damm zu ermöglichen.
Alexander Kräß
SPD-Fraktion
Chance für bezahlbaren Wohnraum jetzt konsequent weiterentwickeln: Mit der Entscheidung des Senats zur Zukunft des ehemaligen Tanklagers Lankwitz wurde endlich die Grundlage geschaffen, auf einer der letzten großen Entwicklungsflächen in Steglitz-Zehlendorf neuen Wohnraum zu ermöglichen. Angesichts des angespannten Wohnungsmarktes ist das ein wichtiges Signal für unseren Bezirk. Umso wichtiger ist nun eine kluge und ganzheitliche Planung der Fläche. Ziel muss es sein, das Wohnungsbaupotenzial des Areals bestmöglich auszuschöpfen. Aus Sicht der SPD-Fraktion sollte das Gelände insgesamt als Gewerbe-Mischgebiet mit klarem Schwerpunkt auf Wohnungsbau entwickelt werden. Neben bezahlbarem Wohnraum müssen auch Nahversorgung, Kleingewerbe sowie Kitas und Schulen mitgeplant werden. Da die degewo ihre bisherigen Planungen auf einen deutlich geringeren Wohnanteil ausgerichtet hatte, erwarten wir Nachverhandlungen, um die Zahl bezahlbarer Wohnungen und damit auch den sozialen Wohnungsbau auf dem Gelände weiter zu erhöhen. Andernfalls würde wertvolles Potenzial für bezahlbaren Wohnraum verschenkt.
Carolyn Macmillan
FDP-Fraktion
Berlin braucht Wohnraum. Angesichts dieser Tatsache ist das anhaltende Gezerre zwischen den sozialdemokratisch geführten Senatsverwaltungen Wirtschaft und Stadtplanung zur Zukunft des ehemaligen Tanklagers unverständlich. Die Fläche ist aktuell noch reines Gewerbegebiet, sollte aber aufgrund der verkehrsgünstigen Lage aus Sicht der Freien Demokraten (FDP) zu einem Großteil mit einer Wohnungsbebauung beplant werden. Ein Verhältnis von 80 Prozent Wohnen und 20 Prozent Gewerbe wäre wünschenswert. Menschen, die Eigentum erwerben wollen, soll dies ermöglicht werden. Wir setzen auf ein ausgewogenes Verhältnis von Mietwohnungen, Reihen- und Einfamilienhäusern. Diese sollten sich an die bereits bestehende Bebauung anlehnen. Eine Mischung aus verschiedenen Wohnformen erscheint uns auch in Lankwitz nötig, um eine Segregation von Wohnsiedlungen zu vermeiden. Der Gewerbeanteil ist zur Nahversorgung wichtig, aber auch für Handwerksbetriebe zur Versorgung der Anwohner ohne lange Anfahrtswege. Mit der Nutzung des Teltowkanals durch elektrische Wasser-Shuttles könnte zudem eine attraktive ÖPNV-Verbindung für Berlins Süden direkt vor Ort entstehen.
Mathia Specht-Habbel
AfD
In Lankwitz-Nord, auf dem ehem. Tanklager, werden dieselben Fehler gemacht wie in Lichterfelde-Süd (2.500 Wohneinheiten in 25 Jahren): endlose Planung, politische Wunschlisten und immer neue Auflagen. Dort zog sich Investor Groth nach über 10 Jahren Planung faktisch zurück. Zu viele Sonderwünsche, zu viel politische Einmischung, zu wenig Pragmatismus. Was nach Planung klingt, bedeutet vor allem eines: Verzögerungen. Statt schnell Wohnungen zu schaffen, werden sich Senat und Bezirk wieder in Quoten, Vorgaben und Detailsteuerung verlieren. Grüne, Linke und SPD wollen erneut der bessere Bauherr sein – ohne selbst Verantwortung für Kosten, Risiken und Verzögerungen zu tragen. Sie gefallen sich in ihrer Rolle: Wer investieren will, ist in ihren Augen Bittsteller und wird durch Auflagen, Gutachten und politische Ideologie zermürbt. Nebenbei: Niemand kann heute seriös sagen, wie ein neues Quartier dieser Größe künftig sicher und bezahlbar mit Energie versorgt werden soll. Also: Wer weiter steigende Preise, Wohnraummangel und Ideologie will, wählt Rot-Rot-Grün – wer gesunden Menschenverstand will, wählt AfD. Mit gutem Gewissen.
Peer Döhnert
Die Linke
Es kommt immer darauf an, WAS gebaut wird. Bis zu 1.500 Wohnungen wären in Geschossbauweise auf dem Gelände des Tanklagers Lankwitz möglich. Das hätte zwei große Vorteile: Geschossbau versiegelt vergleichsweise wenig Fläche für viel Wohnraum und sichert zudem 30 Prozent sozialgebundene Mietwohnungen. Für den Bau dieser Wohnungen steht die städtische Degewo bereit. So würden immerhin 30 Prozent der Wohnungen für mittlere/niedrige Einkommen gebaut (eigentlich müssten es mind. 50 Prozent sein!). An anderen Stellen im Bezirk (z. B. auf dem alten Coca-Cola-Gelände in LiSüd) sollen es nach Willen von CDU, FDP und AfD 0 Prozenbt sein! Jetzt muss in Lankwitz schnell geklärt werden, wie groß der Gewerbeanteil auf dem Gelände sein soll. Ein Anteil von 10-20 Prozent Kleingewerbe ist zu prüfen. Dafür muss der Flächennutzungsplan geändert werden und dann kann die Arbeit am Bebauungsplan beginnen. Hier muss das CDU-geführte Amt unbedingt Prioritäten setzen und nicht wie z. B. beim sozialen Bauprojekt der Degewo am Wiesenschlag blockieren. Der neue B-Plan muss u. a. den öffentlichen Zugang zum Wasser, den Schutz der Kleingärten sowie den Erhalt des vorhandenen Waldes sichern.
Dennis Egginger-Gonzalez











