Langer Lulatsch wird 100
Funkturm feiert Geburtstag

Erschienen in Gazette Charlottenburg Januar 2026
Man stelle sich vor, die Geburtstagstorte steht in luftiger Höhe bereit und der Berliner Wind pustet genüsslich die vielen Kerzen aus: Der Funkturm, von den Berlinern liebevoll „Langer Lulatsch“ getauft, feiert dieses Jahr seinen 100. Geburtstag. Seit seiner Inbetriebnahme am 3. September 1926 gehört der 146,7 Meter hohe Stahlfachwerkturm zu den Wahrzeichen der Stadt.
Ein Sendemast mit Extras
Eigentlich sollte er nur ein einfacher Sendeturm werden. Das Radio war in den 1920er-Jahren noch neu und aufregend, und in Witzleben sollte ein Mast die alten Sender ersetzen. Doch Berlin wäre nicht Berlin, wenn nicht ein paar findige Köpfe eine bessere Idee gehabt hätten. Der Messe-Direktor Alfred Schick und der Journalist Karl Vetter dachten größer und setzten sich für einen Aussichtsturm mit Restaurant ein – ein Ort für alle.
Gesagt, getan. Nach der ersten Großen Deutschen Funkausstellung begannen 1924 die Arbeiten nach den Plänen des Architekten Heinrich Straumer, über dessen Leben und Werk noch bis zum 5. April eine Ausstellung im Heimatmuseum Zehlendorf, www.heimatmuseum-zehlendorf.de, gezeigt wird.
Um Kosten zu sparen, verzichtete man auf Schnörkel, doch im Inneren des Restaurants durfte es glänzen: Der Künstler Victor Lurjé gestaltete einen edlen Raum mit Intarsien aus kaukasischem Nussholz und einer Decke aus Rippenstuck, der bis heute für ein besonderes Ambiente sorgt. Kurz vor der Eröffnung verhinderte die schnelle Reaktion von Bauarbeitern bei einem Schwelbrand eine Katastrophe – ein erstes Omen für die Widerstandsfähigkeit des Turms.
Eine wechselvolle Geschichte
Am 3. September 1926 wurde der Turm feierlich eröffnet und war sofort eine Attraktion. Bis 1928 strömte eine halbe Million Besucher hinauf, um die Aussicht zu genießen. Einmal schaffte es sogar ein Faltauto bis zur obersten Plattform. Während die Berliner den Turm liebten, war er als Mittelwellensender nur mäßig erfolgreich.
Doch die Geschichte des „Langen Lulatsch“ war nicht immer nur glanzvoll. Ein verheerender Brand im Jahr 1935, ausgelöst durch einen Kurzschluss in einer Messehalle, setzte auch dem Turm schwer zu und beschädigte das Restaurant. Im Zweiten Weltkrieg erlitt er weitere schwere Schäden. Nach dem Krieg stand sogar sein Abriss zur Debatte, doch wieder war es der engagierte Journalist Karl Vetter, der sich für den Erhalt seines „Turms mit Restaurant“ einsetzte und ihn rettete.
Ein Berliner Symbol
In der Nachkriegszeit bewies der Funkturm erneut seine Bedeutung. Während der Berliner Blockade diente seine Beleuchtung den Piloten der Rosinenbomber als wichtiger Orientierungspunkt. Er wuchs sogar um einige Meter, als er eine neue Spitze für UKW-Antennen erhielt. Seit 1961 steht der Turm unter Denkmalschutz und begrüßt bis heute alle, die über die AVUS in die Stadt kommen.
Zwar sind die Besucherzahlen in den letzten Jahren zurückgegangen, doch das anstehende Jubiläum könnte das ändern. Für die Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag im Jahr 2026 wurde das Wahrzeichen saniert, weshalb Restaurant und Aussichtsplattform vorübergehend geschlossen waren. Vielleicht ist das große Fest zum Geburtstag der perfekte Anlass für alle Berliner, ihrem „Langen Lulatsch“ mal wieder einen Besuch abzustatten und zu gratulieren.










