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Schneller Zeichner mit spitzer Feder

Ausstellung im Heimatmuseum erinnert an „OSKAR“ Hans Bierbrauer

Privatbesitz Familie Fuls
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Erschienen in Nikolassee & Schlachtensee Journal Oktober/November 2022
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Sein zeichnerischer Humor war eine feste Größe in der Stadt. Die Kunst wurde Hans Bierbrauer, 1922 im Wedding geboren, allerdings nicht in die Wiege gelegt. Da seine Eltern das Schulgeld fürs Gymnasium nicht aufbringen konnten, besuchte er lediglich die Volksschule. Seinen Berufswunsch „Maler“ konnte Hans zunächst nicht verwirklichen, er wurde an einer Kreuzberger Druckerei zum Lithografen ausgebildet. Anschließend fing er doch noch an Malerei zu studieren, nachdem er die für das Studium geforderte Mittlere Reife nachgeholt hatte.

Große Liebe Fußball

Seine Leidenschaft gehörte neben dem Malen auch dem Fußball, sein Platz war im Tor. Er spielte in der ersten Mannschaft seines Vereins und in der Berliner Stadtauswahl. Selbst im Zweiten Weltkrieg, in dem er an der Westfront eingesetzt wurde, soll er Fußball gespielt haben. Die ganz große Karriere im Fußball blieb ihm verwehrt. Er nutzte zwar in den Nachkriegsjahren die Gelegenheit, an einem Probetraining unter den strengen Blicken des damaligen Bundestrainers Sepp Herberger teilzunehmen, aber dieser entschied sich für andere Bewerber. Als Hans Bierbrauer sich den rechten Zeigefinger brach, war seine Zeit im Fußball zu Ende. Die andere große Liebe gehörte Annemie. Das Paar wollte eigentlich im Mai 1944 vor den Altar treten. Ein Reiseverbot verhinderte die Hochzeit zum geplanten Termin jedoch. Erst im Februar 1945 konnte geheiratet werden – Tochter Angelika war bereits seit Weihnachten unterwegs und kam im August 1945 zur Welt.

Ein Wettbewerb für Karikaturisten

Er geriet in Kriegsgefangenschaft und konnte am Ende des Jahres 1945 zurück zu Frau und Kind. 1949 beteiligte sich Hans Bierbrauer an einem Karikaturisten-Wettbewerb, der im Tagesspiegel ausgeschrieben war. Seine Teilnahme führte zu einer Empfehlung an die Redaktion des Berliner Anzeigers. Die provozierenden politischen Karikaturen fanden großen Anklang bei den Leserinnen und Lesern. „Frech wie Oskar“ seien sie, so das Fazit. So kam Hans Bierbrauer zu seinem Künstlernamen „Oskar“ unter dem er fortan veröffentlichte. Selbst der Regierende Bürgermeister Ernst Reuter bedankte sich bei dem Künstler und schrieb, dass er nach Möglichkeit jeden Morgen den Berliner Anzeiger aufschlug um zu sehen, ob eine neue treffende Karikatur von Oskar abgedruckt war.

Prominent durch „Dalli-Dalli“

Eine ganz besondere Freundschaft verband ihn mit Hans Rosenthal. In der Show „Dalli-Dalli“ fertigte Bierbrauer blitzschnell Zeichnungen von prominenten Gästen an, die ihn deutschlandweit bekannt machten. Rosenthal und er wurden langjährige Weggefährten, die trotz der unterschiedlichen Lebenswege gegenseitige Wertschätzung und eine tiefe Freundschaft verband.

Doch er war weit mehr als ein Karikaturist – er zeichnete nach Zeugenaussagen 1950 ein Phantombild, mit dem der Mörder von Ella Herrlich nach einer Großfahndung vor Gericht gestellt werden konnte. Die Zeichnung sah dem Täter verblüffend ähnlich. Daraufhin lud das Fernsehen den Zeichner zu einem Test ein. Er sollte wiederum ein Porträt nach Zeugenaussagen zeichnen. Hans Bierbrauer löste die Aufgabe mit Bravour und fertigte ein Bild von Hannes Borckmann, des leitenden Redakteurs des NWDR, der von den „Zeugen“ beschrieben wurde.

Letzte Ruhestätte Waldfriedhof

Wie kommt es, dass der Heimatverein eine Ausstellung über „Oskar“ ins Leben ruft? Sein Lebensweg führte ihn von der Weddinger Plumpe über Tempelhof und Wilmersdorf nach Zehlendorf, wo er in der Niklasstraße wohnte. Auch seine letzte Ruhestätte hat er im Bezirk gefunden – auf dem Waldfriedhof Zehlendorf, nicht weit von Willy Brandt entfernt.

Die Idee zu der Ausstellung hatte Dietmar W. Mietzner, selbst Mitglied des Heimatvereins Zehlendorf, der Kontakt zu Angelika Fuls, der Tochter von Hans Bierbrauer hat. Er schlug dem Heimatverein das Ausstellungsthema vor und ist sicher, dass die Bilder und Karikaturen von „Oskar“ den Besuchern viel Freude bereiten werden.

Die Sonderausstellung wird durch Lesungen von Hans Bierbrauers Tochter Angelika Fuls ergänzt.

Die Ausstellung „Frech wie OSKAR“ – Hans Bierbrauer (1922-2006), ein bewegtes Leben als Karikaturist, Schnellzeichner, Kunstmaler und Menschenfreund ist von Sonntag, 16. Oktober bis Mittwoch, 1. Februar 2023 im Heimatmuseum Zehlendorf, Clayallee 355 zu sehen. Geöffnet ist Sonntag und Mittwoch von 11 bis 15 Uhr. Der Eintritt ist frei. Um Spenden wird gebeten.

Titelbild

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