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Ungewöhnliche Künstlerin

Spätwerk von Carol Rama im Gutshaus Steglitz

Appassionata, 1998. Foto: Alexandra Wetzel, © Archivio Carol Rama, Turin; Courtesy Franco Masoero und Alexandra Wetzel, Turin; Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin.
Appassionata, 1998. Foto: Alexandra Wetzel, © Archivio Carol Rama, Turin; Courtesy Franco Masoero und Alexandra Wetzel, Turin; Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin.
Erschienen in Gazette Steglitz November 2021
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Carol Rama (Turin 1918–2015) zählt zu den ungewöhnlichsten Künstlerinnenpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Ihre Schaffensperiode umfasst mehr als 70 Jahre. Internationale Reputation erfuhr die in Italien zeitlebens in der Kunstwelt präsente Künstlerin erst im hohen Alter und posthum. So wurde sie 2003 für ihr Lebenswerk mit dem Goldenen Löwen der Biennale von Venedig ausgezeichnet und gerade in den letzten Jahren würdigten sie bedeutende Museen wie das Musée d´Art Moderne de la Ville de Paris oder das New Museum in New York mit umfangreichen Retrospektiven.

Im Gutshaus Steglitz mit seinen kleinen, privaten Räumen wird in einer ersten institutionellen Einzelausstellung in Berlin Ramas grafisches Spätwerk vorgestellt, das sich einem eindrucksvollen Vitalitätsschub der betagten Künstlerin verdankt. Ab den frühen 1990er-Jahren entsteht ein umfangreiches Konvolut an Radierungen. Die Ausstellung konzentriert sich auf eine Auswahl von Blättern aus den Zyklen Venticinque Aquaforti di Carol Rama, Keaton Idilli, Personaggi, Seduzioni, Cadeau, Malelingue, Feticci und Mucca Pazza. Motivisch und stilistisch sind die Arbeiten sehr unterschiedlich, von den märchenhaft anmutenden Werken der Mappe der Venticinque Aquaforti und teils jugendstilhaft zarten Seduzioni über die reduzierten, minimalistischen Cadeau-Radierungen bis hin zu den organischen Mucca Pazza-Collagen. Als eine Besonderheit ist zu erwähnen, dass sich unter den Auflagenwerken zahlreiche Unikate befinden.

In ihrem Schaffensdrang kolorierte Carol Rama einzelne Blätter in lebhaften Farben, meistens Aquarell, und setzte gelegentlich sogar ungewöhnliche Substanzen und Materialien wie Nagellack ein. Zur Ausstellung erscheint bei Hatje Cantz ein Katalog mit zahlreichen Abbildungen und Texten von Brigitte Reinhardt und Alexandra Wetzel.

Die Ausstellung wird bis zum 1. Mai 2022 gezeigt. Gutshaus Steglitz, Schloßstraße 48, Öffnungszeiten: Mo – So 10 bis 18 Uhr, jeden 1. Dienstag im Monat geschlossen.

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