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Schoeler-Schlösschen wird saniert

Innenräume sollen nach dem Ausbau kultureller Treffpunkt werden

Schoeler-Schlösschen
Schoeler-Schlösschen
Erschienen in Gazette Wilmersdorf Oktober 2021
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Alles neu – macht der Herbst. Zumindest, soweit es das Schoeler-Schlösschen betrifft. Die denkmalgerechte Sanierung der Fassade des ältesten erhaltenen Hauses in Wilmersdorf erfolgte bereits im Jahr 2012. Finanziert wurde sie von der Stiftung Denkmalschutz Berlin. Die Sanierung des Innenbereichs konnte jedoch damals nicht durchgeführt werden, da die Mittel dazu nicht reichten. Sie soll ab Herbst dieses Jahres nachgeholt werden.

Fotos der Baufortschritte

Die Kosten für die Sanierung sollen 3,5 Millionen Euro betragen. Davon kommen 1,6 Millionen aus dem Sanierungsprogramm kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur. Denn das Schlösschen soll künftig ein Treffpunkt mit kulturellem Angebot werden. Bereits seit 2019 wurde das Erdgeschoss als temporärer Ausstellungsraum genutzt. Aufgrund der Bauvorbereitungen ist es mittlerweile jedoch geschlossen. Der Innenausbau soll bis zum Herbst 2023 fertiggestellt sein. Dann können sich die Besucher über weitere kulturelle Projekte freuen, die durch ein Café und einen Nachbarschaftsgarten ergänzt werden. Damit die Anrainer den Sanierungsprozess verfolgen können, sollen Fotos von dem Fortschritt der Arbeiten am Bauzaun aufgehängt werden.

Seidenraupen und Berliner Professor

Das Schoeler-Schlösschen hat eine lange Geschichte. Seine Anfänge reichen ins 18. Jahrhundert zurück, als der Wilmersdorfer Pfarrer Samuel Gottlieb Fuhrmann im Ort ein eingeschossiges Büdnerhaus errichtete. Der Hof, auf dem er das Haus baute, war bereits im 30-jährigen Krieg wüst gefallen. Der Pfarrer nutzte sein neues Domizil zur damals verbreiteten Seidenraupenzucht, für die er Maulbeerbäume anpflanzte. Auf ihn folgte sein Schwager, der Königlich Preußische Kriegsrat Meinhardt Christian Reincke. Nach Reinckes Tod erwarb der Kaufmann Cornelius Adrian Hesse das Haus. Er ließ den Grundriss vermutlich erweitern, das Obergeschoss errichten und das Haus mit einem Mansarddach decken. Das frühere Büdnerhaus wurde so zum ausladenden Landhaus mit barocker Fassade. Nach einigen weiteren Besitzwechseln trat 1893 – es waren die Gründerjahre rund um die Stadt Berlin – der heutige Namensgeber des Hauses auf den Plan. Der prominente Berliner Augenarzt Professor Dr. Heinrich Schoeler kaufte das Anwesen im damaligen aufstrebenden Ort Wilmersdorf, das außer dem Schlösschen und einem Nebengebäude auch einen großen, parkähnlichen Garten zum Wilmersdorfer See umfasste. Schoeler wurde 1896 zum Geheimen Medizinrat ernannt. In seinen Publikationen befanden sich Beiträge zur Pathologie der Sehnerven und der Netzhaut. Der Augenarzt lebte bis zu seinem Tod am 24. November 1918 in dem Wilmersdorfer Haus.

Rettung durch den Bezirk

1921 kaufte der New Yorker Henry J. Erny das Anwesen. Er verkaufte es 1927 an die Heimstätten-Siedlung Berlin Wilmersdorf AG. In der Folge wurde das Schoeler-Schlösschen von Miethäusern eingerahmt. Das Haus selbst ging 1929 in das Eigentum des Bezirks Wilmersdorf über. Ein Grundstückstausch mit der Heimstätten AG hatte es vor dem Abriss bewahrt. Ab 1930 war das Schoeler-Schlösschen dem Jugendamt unterstellt. Nach der Nutzung als Heimatstube und Bibliothek kam ein Stockwerk für die Wohnung des Leiters vom Heimatmuseum hinzu. 1936 zog die Hitlerjugend in das Haus. Ab 1946 nutzte eine Kindertagesstätte die Räume. Bis zu einem Brand im Jahr 2003 lachten und spielten Wilmersdorfer Kinder im Schlösschen, dann stand das Gebäude leer.

Rekonstruktion und Sanierung

2007 wurde das obere Stockwerk aus den 1930er-Jahren abgerissen und das Mansarddach rekonstruiert, so dass das Haus wieder dem Anblick wie im 18. Jahrhundert entspricht. In den Folgejahren gab es viele Ideen zur Nutzung des Gebäudes. Die Bibliothek des früheren Bundespräsidenten Johannes Rau war genauso im Gespräch wie ein Trauraum und Seniorenarbeit. Eine 2015 gegründete Bürgerinitiative plante ein soziokulturelles Zentrum für die Bewohner des umliegenden Kiezes. Zeitweise befanden sich Ausstellungen und ein Baustellen-Café in dem Haus. Nach Abschluss der nun beginnenden Arbeiten kann das Schoeler-Schlösschen – dann auch dank eines Fahrstuhls barrierefrei – für Kultur und Nachbarschaft geöffnet werden.

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