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Rathausbau mit Hindernissen

Nach vielen Querelen wurde das Rathaus 1929 fertig

Rathaus Zehlendorf am Dorfanger in den 1930er-Jahren. Foto: Archiv HVZ
Rathaus Zehlendorf am Dorfanger in den 1930er-Jahren. Foto: Archiv HVZ
Erschienen in Gazette Zehlendorf Juni 2021
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Nachdem Zehlendorf im Jahr 1920 mit Nikolassee und Wannsee als Bezirk nach Groß-Berlin eingemeindet wurde, gab es ein – nicht gerade kleines – Problem. Im Gegensatz zu den Ortsteilen, die beide ein Rathaus hatten, hatte Zehlendorf keins. Dabei wurde mit den ersten Planungen zum Bau des eigenen Verwaltungsgebäudes schon während des Ersten Weltkriegs begonnen. Doch erst der Weltkrieg, dann die Inflation… Durch die schwierigen Zeiten dauerte es lange, bis die Planungen konkreter wurden. 1923 war zumindest schon festgelegt, wo das künftige Rathaus seinen Platz haben sollte. An der Kirchstraße/Ecke Hauptstraße – dem heutigen Teltower Damm – sollte das Gebäude entstehen. Im Januar 1925 wurde ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben, die Entwürfe konnten bis Ende März eingereicht werden. Vier der eingereichten Entwürfe fanden Gnade vor den Augen der Jury. Sie wurden gekauft und im Rahmen einer Ausstellung präsentiert. In Absprache mit dem Berliner Magistrat wurde schließlich der Architekt Eduard Jobst Siedler damit beauftragt, seinen Entwurf „Am Anger“ zu verwirklichen.

Gesperrte Gelder

Aus der für das Jahr 1926 geplanten Fertigstellung wurde so schnell jedoch nichts. Dem Magistrat von Berlin war das Projekt zu teuer und so kam es zu langwierigen Verhandlungen, die den Zeitplan zunichtemachten. Im Oktober 1925 ging es sogar soweit, dass die bereits bewilligten Mittel gesperrt wurden. Das Geld wurde für den Bau des Hindenburg-Lazaretts benötigt. Es dauerte ein halbes Jahr, bis wieder Geld für die Bauarbeiten zur Verfügung stand. Dann konnte immerhin die bis dato vorhandene Bebauung – Resthöfe, deren Ländereien längst verkauft waren – abgerissen werden und die Ausschachtungsarbeiten für den Neubau begannen. Damit hatte es sich allerdings auch für längere Zeit. Für die Presse der damaligen Zeit war der „Nichtbau“ des Zehlendorfer Rathauses ein gefundenes Fressen, mit Spott wurde nicht gespart.

Funktioneller Verwaltungsbau

Erst im Mai 1927 ging es weiter. Der Bau – ohne Turm und auffälligen Fassadenschmuck – konnte schließlich am 20. April 1929 eingeweiht werden. Für die Finanzierung der Inneneinrichtung hatten die Zehlendorfer sogar Benefizkonzerte organisiert. Der Entwurf von Eduard Jobst Siedler sah ursprünglich einen von vier Seiten umbauten, geschlossenen Hof vor. Das wurde jedoch nicht verwirklicht. Der funktionale Verwaltungsbau gegenüber vom ehemaligen Dorfteich überstand den Zweiten Weltkrieg ohne große Schäden. Nach Kriegsende folgten Erweiterungsbauten für das Rathaus. Zunächst provisorische Baracken, die im Jahr 1946 bezogen wurden. 1954 ging es weiter. Ein viergeschossiger Stahlskelettbau, typischer Vertreter von Verwaltungsbauten in der Nachkriegszeit, bot Raum für Rathausmitarbeiter, aber auch Werkstätten für Tischler und Schlosser. Zusätzliche Erweiterungen folgten zwischen 1965 und 1971. Während das denkmalgeschützte Rathausgebäude von 1929 nicht zur Disposition steht, werden bei dem aktuellen städtebaulichen Wettbewerb Ideen gesammelt, wie das Areal, auf dem jetzt noch die Erweiterungsbauten stehen, künftig gestaltet wird.

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