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Der katholische Mittelpunkt von Zehlendorf

Herz-Jesu-Kirche wurde 1908 geweiht

Erschienen in Zehlendorf Mitte Journal Dezember/Januar 2020
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Die Reformation kam schnell nach Brandenburg – bereits 1539 wurde Zehlendorf evangelisch. Es sollte fast 360 Jahre dauern, bis wieder eine katholische Messe in dem Ort gelesen wurde. Mit dem Wandel vom Bauerndorf zum beliebten Wohnort wuchs auch die katholische Gemeinde in Zehlendorf. Doch zunächst war der Weg zur Kirche weit: Die Gläubigen mussten den weiten Weg nach Steglitz auf sich nehmen, um dort in der Rosenkranz-Basilika an der Heiligen Messe teilzunehmen. Auf Dauer war das kein akzeptabler Zustand. Als Anfang des 20. Jahrhunderts etwa 1000 Katholiken in Zehlendorf lebten, wurde ein Kirchenbauverein gegründet. Die Terraingesellschaft Zehlendorf-Grunewald, die die Ländereien in Zehlendorf gekauft hatte und nach und nach erschloss, zeigte sich dem Wunsch nach einer katholischen Kirche gegenüber aufgeschlossen. Sie schenkte dem Kirchenbauverein im Jahr 1904 ein Grundstück an der heutigen Riemeisterstraße/Ecke Clayallee. Die Schenkung erfolgte mit der Auflage, dass dort innerhalb von zwei Jahren eine Kirche gebaut werden sollte. Der Bau verzögerte sich jedoch, aber nicht lange. Anfang des Jahres 1907 begann man mit den Arbeiten, die schnell voranschritten. Bereits am 25. September 1908 wurde die Herz-Jesu-Kirche eingeweiht. Ihren Namen bekam sie auf Wunsch einer großzügigen Spenderin, die 50.000 Mark zu dem Kirchenbau beigesteuert hatte.

Innenausstattung und Kapellen

Gebaut wurde das Gotteshaus nach Plänen von Professor Christoph Hehl. Geboren 1847 in Kassel, absolvierte er an einer Gewerbeschule die Basisausbildung im Bauwesen. 1894 war er Professor für mittelalterliche Baukunst an der Technischen Hochschule in Charlottenburg. Hehl war einer der bedeutendsten Kirchenbaumeister Deutschlands. Er entwarf die Kirchen überwiegend in einem leicht abgeänderten neuromanischen Stil. Die Herz-Jesu-Kirche gehört zu einem der letzten Werke des 1911 verstorbenen Hehl. Sie wurde mit Ziegeln im märkischen Klosterformat verblendet, die vermutlich aus der Ziegelei Matthes und Sohn aus Rathenow stammen. Das Kreuzrippengewölbe ist weiß mit Ziegelsteinen als Rippen. Im nördlichen Seitenschiff befindet sich die Marienkapelle, deren Fenster Szenen aus dem Leben der Mutter von Jesus zeigen. Im südlichen Seitenschiff ist die Josefkapelle, deren Fenster Szenen aus dem Leben des Josef zeigen. Im Hauptchor steht der Hochaltar. Es handelt sich um einen Flügelaltar, der anlässlich von Marienfesten und in der Adventszeit zugeklappt wird. Dann zeigt er ein Gemälde von Friedrich Stummel. Dargestellt ist Maria Verkündigung.

Zehlendorfer Madonna

Am Mittelpfeiler sind hohe Bronzefiguren angebracht, sie stellen Maria mit dem Jesuskind – auch als „Zehlendorfer Madonna“ bezeichnet, Josef und zwei Engel dar. Alle Figuren stammen von dem Bildhauer Josef Limburg. Die Darstellung der sogenannten Zehlendorfer Madonna war ein Gegensatz zu der damals bei den Protestanten beliebten vaterländischen „preußischen Madonna“, einer Darstellung von Königin Luise mit einem ihrer kleinen Söhne, dem späteren Kaiser Wilhelm I. auf dem Arm. Dieses wurde von vielen Katholiken als Gotteslästerung empfunden und sie stellten sich – weit über Zehlendorf hinaus – eine kleinere Replik der Zehlendorfer Madonna ins Haus.

Ein Original dieser etwa 50 cm hohen Mini-Madonna wird zurzeit vom Heimatverein Zehlendorf gesucht. Sie soll für eine Spendenaktion der Kirchengemeinde Herz-Jesu nachgebildet werden. Falls sich in Ihrem Haushalt noch eine kleine Zehlendorfer Madonna befindet oder Sie einen Hinweis über den Verbleib einer derartigen Figur haben, wenden Sie sich gerne unter Tel. 030-802 24 41 an den Heimatverein.

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