Wärmewende
Mittelfeld bei der Wärmewende
Berlin hinkt führenden Hauptstädten hinterher
06.10.2026: Auf dem Papier klingt der Berliner Plan ehrgeizig: Die Fernwärme ist zurück in Landeshand, Milliarden sollen in Großwärmepumpen fließen und die Kohle soll bald Geschichte sein. Doch der Blick über die Stadtgrenzen hinaus relativiert den Berliner Selbstanspruch deutlich. In einem aktuellen Vergleich von 15 europäischen Metropolen der Umweltorganisation Greenpeace landet die deutsche Hauptstadt lediglich auf Platz acht – eingereiht zwischen Brüssel, Prag und Warschau.
Während Vorreiter wie Stockholm, Paris und Wien ihre Gebäude konsequent von fossilen Brennstoffen abkoppeln, verharrt Berlin mit 61 von 100 Punkten im Durchschnitt. Die Bilanz der vergangenen Jahre fällt ernüchternd aus: Zwischen 2020 und 2024 sanken die wärmebedingten Emissionen in der Stadt um gerade einmal 1,3 Prozent. Rund 39 Prozent der Heizenergie stammen weiterhin aus fossilen Quellen.
Der Bericht deckt dabei einen großen Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit auf. Zwar verfügt Berlin über einen detaillierten kommunalen Wärmeplan und beabsichtigt, bis 2030 rund 3,5 Milliarden Euro in den Kohleausstieg, Power-to-Heat-Anlagen und Wärmepumpen zu investieren. Doch beim konkreten Umbau setzt der Senat vor allem auf einen Brennstoffwechsel von Kohle zu Erdgas. Mit neuen Gasturbinen an Standorten wie Moabit, Charlottenburg und Klingenberg droht sich die Stadt nach Einschätzung der Studienautoren für Jahrzehnte an fossile Strukturen zu binden.
Kritisiert wird auch die Strategie des landeseigenen Versorgers BEW, ab 2035 Erdgas schrittweise durch Wasserstoff zu ersetzen. Dessen künftige Verfügbarkeit und Bezahlbarkeit gelten in der Fachwelt als völlig offen. Zudem fehlt es Berlin bislang an einem verbindlichen Fahrplan für den schrittweisen Rückbau des weit verzweigten Gasnetzes.
Für die Berliner Politik liefert der europäische Vergleich einen deutlichen Dämpfer: Die Rekommunalisierung der Netze und wohlformulierte Pläne allein genügen nicht. Wenn Berlin den Anschluss an europäische Vorreiter nicht dauerhaft verlieren will, muss der tatsächliche Ausstieg aus fossilen Brennstoffen im Heizungskeller ankommen.