Grunewald
Friedhof der Namenlosen
Historischer Rundgang am 22. Oktober über den Friedhof Grunewald Forst

01.10.2026: Versteckt zwischen Kiefern unweit der Havel liegt ein Begräbnisort mit einer ungewöhnlichen Entstehungsgeschichte: der Friedhof Grunewald Forst, der im Berliner Volksmund lange Zeit als „Selbstmörderfriedhof“ bekannt war. Am Donnerstag, 22. Oktober 2026, beleuchtet eine Führung die wechselvolle Geschichte dieser Ruhestätte im Grunewald.
Das abgelegene Areal entstand Ende des 19. Jahrhunderts aus einer Notwendigkeit heraus. Menschen, die „ins Wasser gegangen“ und in der Havel ertrunken waren, wurden durch die Strömung oft am Schildhorn angespült. Andere wurden tot im Wald gefunden. Da kirchliche Friedhöfe damals Menschen, die durch Suizid aus dem Leben geschieden waren, eine reguläre Bestattung verweigerten, schuf die Forstverwaltung mitten im Wald eine Begräbnisfläche. Der erste dokumentierte Eintrag stammt vom 22. Januar 1900 und betrifft einen 22-jährigen Schlossergesellen. Im Zuge der Gründung von Groß-Berlin im Jahr 1920 ging der Friedhof in städtische Hand über.
Im Laufe der Jahrzehnte wandelte sich der Charakter des Ortes. Heute zieht der Waldfriedhof vor allem Interessierte an, die das Grab von Christa Päffgen aufsuchen: Die unter dem Künstlernamen „Nico“ bekannte Sängerin, Schauspielerin und Velvet-Underground-Ikone wählte die Ruhestätte an der Seite ihrer Mutter bereits zu Lebzeiten aus. Zudem liegt hier der renommierte Berliner Gräberforscher Willi Wohlberedt. Das Gelände umfasst etwa 62 Einzelgräber sowie eine Sammelgrabstätte für Opfer der beiden Weltkriege, darunter fünf kriegsgefangene Soldaten des zaristischen Russlands aus dem Ersten Weltkrieg.
Geleitet wird der Rundgang von den Sepulkralexperten Stephan Hadraschek und Helmut Krauß. Die Führung beginnt um 14 Uhr und dauert bis 16 Uhr. Treffpunkt ist der Haupteingang an der Havelchaussee 92 B. Die Anreise ist unter anderem mit dem Bus 218 (Haltestelle Havelweg, plus rund 400 Meter Fußweg) möglich; Parkmöglichkeiten befinden sich direkt vor Ort.
Die Teilnahme ist kostenfrei, Spenden sind willkommen. Die Führung ist auf 20 Personen begrenzt. Daher bittet der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge um eine verbindliche Anmeldung unter Angabe der Kontaktdaten – per E-Mail an berlin@volksbund.de oder telefonisch unter 030-2546 4134. Festes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung werden empfohlen.



