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Steglitz-Zehlendorf

150 Jahre Adventisten in Deutschland

Freikirche ist Träger des Krankenhauses Waldfriede

Das Krankenhaus Waldfriede wird von der Adventisten-Gemeinde betrieben.
Das Krankenhaus Waldfriede wird von der Adventisten-Gemeinde betrieben.

03.07.2026: Das Krankenhaus Waldfriede ist eine feste Institution in Zehlendorf. Gegründet im Jahr 1920, teilt sich die Einrichtung nahe dem Grunewald eine seltene Besonderheit mit der Berliner Charité: Keine andere Klinik in der Hauptstadt ist seit über 100 Jahren am selben Standort und unter derselben Trägerschaft aktiv. Träger des Hauses ist die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, die in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen in Deutschland feiert. Ursprünglich wurde die Gemeinschaft am 21. Mai 1863 in Battle Creek (Michigan) gegründet. 1898 kam der deutsch-amerikanische Arzt Dr. A. J. Hoenes aus den USA nach Deutschland, um ein adventistisches Gesundheitswesen aufzubauen. Im April 1900 meldete die Freikirche beim Königlichen Amtsgericht Loburg die Institution „Deutscher Verein für Gesundheitspflege e.V. zu Friedensau, Kreis Jerichow 1“ (DVG) an.

Bau nach dem Ersten Weltkrieg

Die Ursprünge des Krankenhauses Waldfriede reichen in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg zurück. Da ein bestehendes Sanatorium der Freikirche in Sachsen-Anhalt verkehrstechnisch ungünstig lag, suchte man nach einem neuen Standort nahe der Großstadt Berlin. Im Jahr 1919 erwarb der Arzt Dr. Louis E. Conradi im Auftrag der Freikirche das Gelände eines ehemaligen Lungensanatoriums am Schlachtensee. Am 15. April 1920 öffnete das „Sanatorium und Klinik Waldfriede“ mit anfangs 39 Betten seine Türen. Das Konzept basierte von Beginn an auf einem ganzheitlichen Behandlungs- und Präventionsansatz.

Unruhige Zeiten

1922 erhielt das Krankenhaus die staatliche Anerkennung, im selben Jahr ging die Krankenpflegeschule an den Start, die heute als Akademie im benachbarten Teltow fortgeführt wird. Trotz der Krisen der folgenden unruhigen Zeiten – darunter die Inflation der 1920er-Jahre und der Zweite Weltkrieg, von dessen Zerstörungen das Gebäude verschont blieb – wuchs das Waldfriede kontinuierlich.

Krankenhaus Waldfriede

Angstfreies Krankenhaus

Zur Stärkung der internationalen Beziehungen schloss Waldfriede 2008 eine Kooperationsvereinbarung mit der Florida-Hospital-Kette in Orlando/USA ab. Sie beinhaltet die Zusammenarbeit auf dem medizinischen, pflegerischen und administrativen Sektor. Zudem wurde Waldfriede mit seinem „Interdisziplinären Darm- und Beckenbodenzentrum“ Europäische Ausbildungsstätte für Operationstechniken, an der Ärzte aus dem In- und Ausland teilnehmen. 2008 übernahm das Krankenhaus vom Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf das Schwimmbad am Teltower Damm, um dort sämtliche Schwimmkurse und medizinische Wasseranwendungen im Rahmen des präventiven Kursprogramms durchzuführen.

Beim Projekt „Angstfreies Krankenhaus“ handelt es sich seit 2011 um ein besonderes Angebot, das den Leidensdruck von Erkrankten verringern möchte und so deren rasche Heilung begünstigt. Am 11. September 2013 öffnete das „Dessert Flower Center Waldfriede“ seine Pforten. In dem weltweit ersten Zentrum seiner Art werden Frauen und Mädchen behandelt, deren äußere Genitalien verstümmelt wurden. Dabei werden verstümmelte Genitalien operativ wieder hergestellt und die betroffenen Frauen psychologisch betreut und bestmöglich rehabilitiert.

Privatklinik und Tagesklinik

Mit der „Privatklinik Nikolassee“ gibt es seit 2012 ein zweites adventistisches Akutkrankenhaus in Berlin. Die Klinik mit 16 Behandlungsplätzen für Innere Medizin, Psychosomatik und Psychiatrie liegt nur drei Kilometer vom Krankenhaus Waldfriede entfernt. Während sich die Privatklinik mit einem stationären Angebot an Menschen mit psychiatrisch-psychosomatischen Erkrankungen wendet, bietet die 2017 eröffnete „Psychiatrisch-Psychosomatische Tagesklinik Waldfriede“ eine ambulante Behandlung an.

Ein Roboter für Waldfriede

Zu Beginn des Jahres 2021 wurde mit der Anschaffung des Chirurgiesystems „DaVinci“ die neue Abteilung „Zentrum Onkologische Oberbauchchirurgie und Robotik“ in Betrieb genommen. Mit der Zertifizierung drei weiterer Krebszentren, dem Analkarzinom-, dem Pankreaskarzinom- und dem Viszeralonkologischen Krebszentrum, vergrößerte und erweiterte 2022 das Krankenhaus seine Kompetenzen im Bereich des onkologischen Schwerpunkts.

Das Krankenhaus Waldfriede erhielt 2025 zum fünften Mal in Folge von der US-amerikanischen Zeitschrift „Newsweek“ die Auszeichnung als eines der besten Krankenhäuser weltweit (siehe APD-Meldung vom 3. März 2025).

Bereits 1996 wurde Waldfriede „Akademisches Lehrkrankenhaus der Charité – Universitätsmedizin Berlin“. Seit 2025 darf das Krankenhaus einen weiteren Titel führen: „Akademisches Lehrkrankenhaus der HMU Health and Medical University Potsdam“.

Romane über das Waldfriede

Heute hat sich das Netzwerk Waldfriede zu einem wichtigen Versorger im Berliner Südwesten entwickelt. Rund 950 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betreuen jährlich etwa 15.000 stationäre sowie 120.000 ambulante Patientinnen und Patienten. Die bewegte Geschichte des Hauses inspirierte auch die Bestseller-Autorin Corina Bomann zu ihrer vierteiligen Romanreihe „Die Schwestern vom Waldfriede“, die auf den historischen Chroniken der Klinik basiert.

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