Lichterfelde
Als Hollywood nach Lichterfelde kam
Die Coca-Cola-Story an der Hildburghauser Straße

31.03.2026: Hackenschlagen, flotte Melodien und Bauchweh vor Lachen – ältere Filmfans erinnern sich an Billy Wilders Komödie „Eins, Zwei, Drei“, die zum großen Teil in der Coca-Cola-Abfüllfabrik an der Hildburghauser Straße 224 – 232 gedreht wurde. Der Film, der die Ost-West-Spannungen auf humorvolle Weise thematisierte, nutzte das Verwaltungsgebäude als authentische Kulisse für die Berliner Coca-Cola-Zentrale, die dadurch internationale Berühmtheit erlangte. Auch Jahre später diente das Gebäude nochmals als Drehort: 2003 entstanden hier Szenen für den erfolgreichen deutschen Film „Good Bye, Lenin!“. Das markante Gebäude im Stil der Nachkriegsmoderne ist mit seiner Fassade aus vertikalen Betonstreben und Glasmosaiksteinen ein echter Hingucker.
Cola zu Olympia
Die Berliner Zentrale der Coca-Cola Company hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Diese begann bereits 1936, als in einem ehemaligen Brauereigebäude die erste Abfüllanlage der Stadt in Betrieb genommen wurde. Pünktlich zu den Olympischen Spielen startete von hier aus die Auslieferung. Nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs rettete die Erfindung der Fanta die Produktion – Rohstoffe für Coca-Cola gab es in jener Zeit nicht. Nach kriegsbedingten Zerstörungen und dem anschließenden Wiederaufbau wurde die Produktion 1948 wieder aufgenommen, anfangs hauptsächlich zur Versorgung der US-Streitkräfte in der geteilten Stadt.

Geschmack der Freiheit
In den 1950er-Jahren, zur Zeit des Wirtschaftswunders, stieg die Nachfrage nach dem amerikanischen Erfrischungsgetränk rasant an. Coca-Cola war mehr als nur eine Limonade, es war ein Symbol für einen modernen und freiheitlichen Lebensstil. Um der wachsenden Beliebtheit gerecht zu werden, wurde 1957 mit dem Bau eines neuen Verwaltungs- und Produktionsgebäudes nach Plänen des Architekten Hans Simon begonnen.
Gläserne Produktion
Bei der Produktion von Coca-Cola konnten Neugierige durch große Glasfenster zusehen – es war eine „gläserne Produktion“, bei der sich jeder selbst davon überzeugen konnte, dass hier hygienisch und nach modernen Standards produziert wurde. Besonders Lichterfelder Kinder drückten sich damals die Nasen platt und freuten sich auf die regelmäßig stattfindenden Tage der offenen Tür, bei denen es Cola zu trinken und jede Menge Werbegeschenke zu ergattern gab.
Leerstand in Lichterfelde
Bis 1992 blieb Lichterfelde die Zentrale von Coca-Cola in Berlin. Danach zog das Unternehmen schrittweise in eine neue, größere Anlage im Bezirk Hohenschönhausen um. In den darauffolgenden Jahren war das Gebäude in Lichterfelde dem Verfall preisgegeben, bis es schließlich unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Autos und Reihenhäuser
Nach einer aufwendigen Renovierung im Jahr 2012 zog eine Kraftfahrzeug-Werkstatt in das denkmalgeschützte Hauptgebäude ein. Das einst etwa 18 Hektar große Gelände wurde geteilt. Auf dem brachliegenden Teil des ehemaligen Coca-Cola-Areals ist aktuell die Errichtung von 51 neuen Reihen- und Doppelhäusern geplant. Während also in einem Teil der einstigen Getränke-Hochburg heute an Autos geschraubt wird und nebenan neuer Wohnraum entstehen soll, ist auch der letzte Berliner Coca-Cola-Standort in Hohenschönhausen mittlerweile Geschichte. So endete die Ära der Coca-Cola-Produktion in Berlin, doch das architektonische und filmhistorische Erbe in Lichterfelde bleibt bestehen.




