Berlin
DIE INSEL – Ankerpunkt für junge Menschen
Beratungsstelle für chronisch kranke Kinder, Jugendliche und ihre Familien

27.03.2026: Rund ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland ist laut DAK Kinder- und Jugendreport aus dem Jahr 2018 chronisch krank, Tendenz steigend. Diabetes, Neurodermitis, Asthma, Mukoviszidose, Allergien, Stoffwechsel-, Nieren-, Herz- und Erberkrankungen sowie Long Covid stehen auf ihrer Krankheitsliste. Dass diese körperlichen Einschränkungen tägliches Planen, Handeln und die Gefühle der betroffenen Kinder, Jugendlichen und ihrer Familien auf eine harte und belastende Probe stellen, daran besteht kein Zweifel. Während unser sowieso schon überlastetes Gesundheitssystem die chronischen Erkrankungen focussiert, fehlen meist Zeit und Personal, um sich zusätzlich der daraus resultierenden psychischen Probleme von Kindern und jungen Menschen intensiver zu widmen. Gut, wenn es da Beratungsstellen wie DIE INSEL in Wilmersdorf gibt, deren interdisziplinäres Team an Fachkräften sich von Geburt an dieser Kinder, Jugendlichen und Familien mit einem umfangreichen und kostenlosen Beratungs- und Informationsprogramm annimmt. Seit fast 40 Jahren steht diese Institution – zu Beginn nur Anlaufstelle für an Diabetes mellitus Typ I erkrankte junge Menschen und inzwischen unter der gemeinnützigen Jugendhilfeträgerschaft des Kompaxx e. V. arbeitend – für das Erreichen besserer Lebensqualität und seelischer Leistungsfähigkeit von chronisch kranken jungen Menschen in der Region. Dabei wird aktuell das breite Spektrum chronischer Erkrankungen ebenso berücksichtigt wie die daraus resultierenden psychosozialen Störungen. Gefördert durch die Senatsverwaltung für Gesundheit steht in geschütztem Beratungsraum in der Fechnerstraße 18 den Unterstützungssuchenden auf Augenhöhe ein engagiertes Dreierteam bereit, das sich ihrer Probleme ebenso fachkundig wie einfühlsam annimmt.
Beratungsteam – gewusst wo und wie
Isabelle Weberling, Klinische Psychologin und Gruppen- und Paartherapeutin sowie der Diplom-Sozialarbeiter und Systemische Familien-Sozialtherapeut Tino Baier und seit Kurzem auch Dennis Schneider, Physiotherapeut und Erzieher, sind Beratungspartner in Gruppen- und Einzelgesprächen mit Familien, Kindern und Jugendlichen (bis 27 Jahren), teilen sich in der Beratungseinrichtung DIE INSEL dabei schwerpunktmäßig und gleichberechtigt eine Stelle: Während Isabelle Weberling überwiegend im Psychosozialen Beratungsbereich arbeitet, zu dem Krankheitsbewältigungs- und Konfliktberatung zählen, ist Tino Baier Fachmann in der Sozialrechtlichen Beratung der INSEL, weiß, welche Stelle wofür zuständig ist und an wen man sich hinzuwenden hat. Dennis Schneider ist verstärkt im Case Management und auswärts im Einsatz, d.h. er sucht Unterkünfte für geflüchtete Familien sowie Hilfesuchende auf und bringt ihnen das INSEL-Beratungsangebot und Hilfsmöglichkeiten näher. Daneben ist das Team auch vielbeschäftigt in der Fachkräfteberatung, in Fachforen aktiv und mit Kooperationspartnern wie den DRK Kliniken Westend in stetem Austausch. „Wir bekommen häufig telefonische Anfragen von Eltern chronisch kranker Kinder, vereinbaren daraufhin einen Gesprächstermin.“ Denn das Beratungssystem von Krankenkassen etc. ist überwiegend auf klassische Behinderungen ausgelegt, und Familien stehen mit psychosozialer Problematik als Folge einer chronischen Erkrankung häufig alleine da.
Chronische Erkrankung und ihre Folgen
Nicht selten schließt sich der hartnäckigen Erkrankung in der Kindheit die lebenslange Versorgung dieses Menschen an – auch wenn das Gesetz davon ausgeht, dass der Betroffene sich ab einem Alter von 12 Jahren selbst versorgen kann. Die ersten größeren Probleme treten aber meist bereits bei frühen Lebensstationen wie Kitaeintritt, Einschulung, aber auch mit Einsetzen der Pubertät auf und bringen dann Beratungsbedarf für Eltern und Kind. Jugendliche suchen DIE INSEL dabei zögerlich auf. „Es liegt im Trend, in diesem Alter Probleme erst einmal mit sich selbst ausmachen zu wollen und zuerst die KI zu befragen“, erklärt Isabelle Weberling. Dies sei als Einstieg auch gar nicht so schlecht, später sei aber durchaus eine fundierte Beratung beispielsweise im Einzelgespräch anzuraten und erfolgversprechender. Grundsätzlich aber sei es wichtig, bereits in frühem Kindesalter mit Beratung gegenzusteuern, wenn Kinder durch ihre chronische Erkrankung bedingt eine psychische Störung zu entwickeln drohen, sei es durch Mobbing, Empfinden des „Andersseins“ oder den durch die Krankheit veränderten oder unruhigen Alltagsablauf: Das kann das Neurodermitis-Kind mit Juckreiz-durchlittenen Nächten ebenso betreffen wie das Diabetes-Kind, das in der Schule auf regelmäßige Mahlzeiten achten muss, ohne dabei in die dauernde Abhängigkeit elterlicher Kontrolle zu geraten oder sich von den Mitschülern zum Naschen verführen zu lassen. Autonomie zu erlernen, ist da oft nicht leicht und manche Essstörung vorprogrammiert. Erwartet man bei diesen Problematiken Unterstützung von Schulseite her, sind Lehrkräfte schnell überfordert, ist schließlich ja in der Regel auch nur ein Erzieher für alle behinderten Kinder verschiedener Klassen zuständig. Bestehende Hilfs-Anlaufstellen schieben sich die Zuständigkeiten gegenseitig zu. Gerade hier kann Tino Baier wertvolle Sozialrechtliche Beratung liefern. Denn die Vernetzung der verschiedenen Stellen und Einrichtungen ist in Berlin durchaus verbesserungswürdig, sodass Betroffene da schon mal erst zur falschen Stelle geschickt werden. Dazu erlaubt der straffe Klinikalltag keine längeren Beratungsgespräche und empathisches Hinhören, das über die chronische Erkrankung hinausgeht und die kleinen Seelen betrifft. Auch deshalb hat DIE INSEL sich zur Aufgabe gemacht, über digitale Vernetzungstreffen und die Kooperation mit zuständigen Stellen die Vernetzung und Kooperation auf struktureller Ebene im Hilfssystem zu verbessern, zugunsten der reibungslosen Vermittlung betroffener Familien und Kinder an die passenden Zuständigkeiten im Unterstützungsangebot.
Angekommen auf der INSEL
Die Beratungsgespräche der INSEL finden in angemieteter Altbauwohnung in Wilmersdorf in angenehmer Atmosphäre statt – mit gemütlicher Sitzecke für die Älteren und spannender Spielecke für die Jüngsten. Eine weitere wichtige Aufgabe erfüllt Dennis Schneider, wenn er die Unterkünfte mit geflüchteten Menschen aufsucht und über Sprachbarrieren und kulturelle Hürden hinweg den Weg Richtung Beratungsangebot INSEL und Hilfe ebnet. – Doch nicht jedem erblindeten Kind aus Syrien können Deutschlands Ärzte heilen, wie es den hoffnungsvollen Eltern in der Heimat einmal versichert wurde. Da ist dann viel psychologisches Verständnis und Einfühlungsvermögen gefragt, wenn die verzweifelten Eltern hier in fremdem Land sich dieser Hoffnung beraubt sehen. – Ein vielschichtiges Beratungsangebot also, welches das INSEL-Team tagtäglich mit viel Verständnis, Wissen und Liebe zu kleinen und großen Menschen zu bewältigen hat. Und da finanzielle Fördermittel in diesen Zeiten immer geringer werden, sind Beratungseinrichtungen wie DIE INSEL verstärkt auch auf Spenden angewiesen.
Wer Beratungsbedarf hat, kann sich zu einem persönlichen kostenlosen Termin in der INSEL anmelden unter Telefon 030 – 862 12 13. Sprechzeiten Dienstag und Mittwoch von 10 – 13 Uhr und Donnerstag von 15 – 18 Uhr. Nach Vereinbarung können auch externe Sprachvermittler hinzugezogen werden.
Mobile Beratung vor Ort nach Vereinbarung. Telefonische Sprechstunde Mittwoch 10 – 13 Uhr unter 030 – 862 12 13.
Weitere Informationen www.kompaxx.de/gesundheit/die-insel
DIE INSEL Fechnerstraße 18, 10717 Berlin
Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft, IBAN: DE45 3702 0500 0003 3724 00, BIC: BFSWDE33XXX, Verwendungszweck: DIE INSEL
Jacqueline Lorenz


