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Dahlem

AlliiertenMuseum bleibt in Zehlendorf

Umzug nach Tempelhof überraschend geplatzt

Umzug abgesagt - das AlliiertenMuseum bleibt Zehlendorf erhalten.
Umzug abgesagt - das AlliiertenMuseum bleibt Zehlendorf erhalten.

11.03.2026: Jahrelang schien es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis das AlliiertenMuseum Zehlendorf den Rücken kehrt. Die Koffer waren im Geiste längst gepackt, Pläne geschrieben und Ausstellungen zum geplanten Ortswechsel präsentiert. Doch nun die überraschende Wende: Wie die „Berliner Morgenpost“ berichtete, bleibt das Museum an der Clayallee. Der Bund hat das Umzugsprojekt zum ehemaligen Flughafen Tempelhof gestoppt.

Bereits gegen Ende der 1990er-Jahre schien der Wechsel in den Hangar 7 beschlossene Sache. Man versprach sich eine zentralere Lage und mehr Laufkundschaft. Noch im Mai des vergangenen Jahres schien der Weg frei, nachdem die marode Decke des Hangars für sieben Millionen Euro saniert worden war. Doch die Realität der Baukosten hat die langjährigen Pläne anscheinend eingeholt. Die im Jahr 2015 vom Bund zugesagten 27 Millionen Euro reichen heute bei Weitem nicht mehr aus, um den Umzug samt Großobjekten wie Flugzeugen und Helikoptern zu stemmen. Auf Bundesebene wurde das Projekt daher stillschweigend beerdigt – eine Entscheidung der früheren Kulturstaatsministerin Claudia Roth, der sich auch ihr Nachfolger Wolfram Weimer anschloss.

Für Zehlendorf bedeutet das: Ein wichtiges Stück Zeitgeschichte bleibt dem Bezirk erhalten. Die bekannten Wahrzeichen, vom britischen Rosinenbomber bis hin zum Spionagetunnel, werden ihren angestammten Platz vorerst nicht verlassen.

Gleichzeitig beginnt mit dem Verbleib eine immense Herausforderung. Die Gebäude an der Clayallee, allen voran das 1953 erbaute ehemalige US-Truppenkino „Outpost“ und die Nicholson-Gedenkbibliothek, werden seit 30 Jahren intensiv genutzt und müssen dringend auf den neuesten Stand gebracht werden.

Anstatt eines Umzugs steht eine aufwendige Sanierung am alten Standort an. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben hat bereits eine Machbarkeitsstudie für das „Outpost“-Gebäude auf den Weg gebracht. Bis zum 10. April sucht der Bund nach Fachleuten, die nicht nur etwas von Bau und Denkmalschutz verstehen, sondern auch moderne Ausstellungsräume konzipieren können. Wie viel Geld diese Runderneuerung in Zehlendorf verschlingen wird, ist derzeit noch völlig unklar. Die Machbarkeitsstudie soll hierzu erste konkrete Zahlen liefern.

Museumsdirektor Jürgen Lillteicher bestätigte das Aus für die Tempelhof-Pläne mit Bedauern. Es sei enorm viel Energie und Engagement in die Entwicklung des dortigen Ausstellungsbereichs geflossen. Nun muss diese Energie in die Erneuerung am historischen Originalschauplatz fließen. Es zeigt sich einmal mehr: Bei großen öffentlichen Bauvorhaben ist viel Geduld gefragt – und manchmal kommt am Ende alles ganz anders als gedacht.

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