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Steglitz

Schlosspark Theater: „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“

Champagner statt Schaumwein

Foto DERDEHMEL/Urbschat
Foto DERDEHMEL/Urbschat

16.03.2026: Der Vater von Romanheld Felix Krull ist Fabrikant fuselnden Schaumweins. Das nach Thomas Mann von Regisseur Frank-Lorenz Engel auf die Bühne des Steglitzer Traditionshauses gebrachte Stück „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ aber ist eher einer Magnum-Flasche Champagner würdig. Anlässlich des 150. Geburtstages und 70. Todestages des großen Schriftstellers im vergangenen Jahr ist es eine gelungene Hommage an ihn, die Alt und Jung begeistert und einen ebenso amüsanten wie geistreichen Abend verspricht. – Und vielleicht darüber hinaus dem ein oder anderen Lust darauf macht, Mann´s Schelmenroman und Memoiren erster Teil wieder einmal aus dem Bücherregal zu nehmen – als seinen letzten Roman, der einen zweiten Teil bis heute vermissen lässt, und an dem der Schriftsteller bis zur Fertigstellung im Jahr 1954 über 40 Jahre geschrieben hatte.

Ensemble
Ensemble: Ludwig Michael, Oliver Nitsche, Gerhard Mohr, Alexa Maria Surholt, Adrian Djokić und Marie Schröder. Foto DERDEHMEL/Urbschat

Kurzweilige Handlungscollage

Da ist der ebenso pfiffige wie durchtriebene Felix Krull, Sohn eines Schaumweinfabrikanten, liebenswerter und hübsch anzusehender Leichtfuß, der von frühester Jugend an die (nicht nur weibliche) Welt auf seine Seite zu bringen weiß und dabei stets auf die Füße fällt, sei es als Maler-Modell, bei der Musterung, als Liftboy oder als Kellner. Charmant und durchtrieben gelingt es ihm immer wieder, seine Mitmenschen um den diebischen Finger zu wickeln. Frank-Lorenz Engel – in der Schlosspark Theater-Regie kein Unbekannter – hat seinen Lieblingsroman aus Jugendtagen in eigener Fassung mit viel Feingefühl auf die Bühne gebracht. Kein leichtes Unterfangen angesichts von 29 Rollen, verschiedenen Handlungsorten und dem langsätzigen Textreichtum Mann´s. Da erstehen Szenen auf drehendem Bühnen-Rechteck in dunklem Rahmen, Collagen wie aus einem Fotoalbum der Kaiserzeit. Kein überflüssiges Mobiliar, ein bloßes Laken zeigt, wie unterschiedlich es zu agieren vermag: U.a. als Paravent, hinter dem sich einfallsreich umgezogen wird, als griechisches Gewand oder als Tischdecke in hochherrschaftlichem Esszimmer. Projektionen im Bühnenhintergrund und ortstypische Musik versetzen an die jeweiligen Handlungsorte. Zeitgemäße prächtige Kostüme – von Viola Matthies und Jasper Krafft in Szene gesetzt – schaffen Farbakzente und lassen das Stück unverfälscht wirken. Über ans Publikum gerichtete Erzählungen wird der Zuschauer ins Stück hineingezogen, das dann in ausgewählten Szenen das Leben und die Hochstapeleien Krull´s näher wiedergibt. Geschickt zusammengeschnitten, wird die Handlung gegen Ende stark verdichtet, sodass manch Zuschauer Mühe bekommt, Schritt zu halten.

Gemeinsam zum Bühnenerfolg: Alexa Maria Surholt und Adrian Djokić
Gemeinsam zum Bühnenerfolg: Alexa Maria Surholt und Adrian Djokić

Bühnenerfahrung und Nachwuchstalent Hand in Hand

Regisseur Engel hat sich dennoch erfolgreich geschlagen, einen so vielschichtigen Roman in kurzweiliger Fassung originalgetreu auf die Bühne zu bringen. Er weiß ein geniales Schauspieler-Team aus Bühnenerfahrenen und Nachwuchskräften hinter sich, dem er während er detailierten Proben die Sicherheit gegeben hat, ihre Rollen und sich behutsam mitzuentwickeln. Dabei Alexa Maria Surholt in gleich vier Rollen und Adrian Djokić als Felix Krull, dem der Schelm auf den Leib geschneidert scheint. Die beiden Schauspieler, die erstmals am Schlosspark Theater spielen, könnten passender füreinander nicht ausgewählt sein. Das machte ein Gespräch mit den Beiden während der Probearbeit im März bereits deutlich: Hier die gestandene Bühnen-, Film- und Fernsehschauspielerin, die in Steglitz bei der großen Maria Körber die Schauspielkunst von der Pike auf gelernt hat und Berlin und dem Bezirk noch immer tief verbunden ist, und da der junge Schauspieler aus Niederösterreich, der in Leipzig Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ studiert hat. Alexa Maria Surholt zeigt sich begeistert von ihrem jungen Bühnenpartner, „der als perfekte Besetzung voller Leichtigkeit und Humor seine Rolle mit so großer Ernsthaftigkeit hinterfragt und dabei mit großer Liebe zur Bühne spielt, frei von jeder Eitelkeit.“ Dabei sei er ein feiner Mensch, wie man ihn nicht oft findet. Adrian Djokić seinerseits sparte auch nicht mit Anerkennung für die bühnenerfahrene Kollegin, die er für ihre fortwährende Begeisterung und Freude am Spiel noch nach so vielen Jahren auf der Bühne bewundert. Er erklärt: „Ich kann mich voll und ganz auf sie verlassen.“ Für ihn sei wichtig, darauf zu achten, dass sein Gegenüber auf der Bühne sich wohl fühle. Egal ob in Kampf- oder Liebesszene beflügele ein gewisser Rahmen und das Einhalten von Grenzen letztendlich die Freiheit des Spiels, betont der junge Schauspieler, der Regisseur Engel von den Brüder Grimm Festspielen in Hanau her kennt und dort für seine Rolle als „gestiefelter Kater“ ausgezeichnet wurde. Madame Houpflé und Felix Krull kommen schauspielerisch in der Liebesszene richtig in Fahrt und sich ganz nah, ohne dass dabei einer den anderen an die Wand bzw. unter die Bettdecke spielt. Alexa Maria Surholt beweist in drei weiteren Rollen ihre Vielseitigkeit mit viel Witz und Schwung. Die Schauspielerin genießt neben ihrer Fernseharbeit immer wieder auch die Arbeit auf der Bühne, weil es stärker expressives und körperliches Spiel als vor der Kamera erlaubt.

Foto DERDEHMEL/Urbschat
Foto DERDEHMEL/Urbschat

Chapeau!

In gleich neun Rollen schlüpft Oliver Nitsche humorvoll und überzeugend, inzwischen kaum noch von der Schlosspark-Theaterbühne wegzudenken. Auch Jakob Wenig, aktuell sogar singend und in sechs Rollen auf der Bühne, bringt Hauserfahrung und eigenen Spielwitz mit. Daneben in vier ganz unterschiedlichen Rollen überzeugt Gerhard Mohr nicht weniger mit facettenreicher Mimik. Bereits beim Vorsprechen begeisterte die junge Marie Schröder das Theaterteam: Frisch von der Schauspielschule, schlüpft sie in gleich sechs Rollen. Sie wechselt darin zwischen Hosenrolle, temperamentvoll, artig und verliebt-hysterisch und kann so die beeindruckende Bandbreite ihres schauspielerischen Könnens in ein und demselben Stück zeigen.

Eigentlicher Held des Abends aber bleibt Adrian Djokić. Regisseur Engel, der mit seinem Stück die Sprache Thomas Mann´s eins zu eins übernimmt und dadurch würdigt, verlangt dem Schauspieler einen Textmarathon ab, den dieser ebenso souverän wie textsicher meistert. Neckisch-charmant spielt er sich in aller Herzen, begeistert in Matrosenanzug ebenso wie in Schiesser-Feinripp und Livree. Schelmenhaft wechselt er leichtfüßig zwischen Erzählung und Szene, ohne jegliche Ermüdungserscheinung.

Das Publikum im Schlosspark Theater honoriert mit viel Applaus diesen gelungenen Thomas-Mann-Abend, der deutsche Literatur unverkrampft und verbraucherfreundlich präsentiert und ihnen einen kurzweiligen Theaterbesuch beschert hat.

Jacqueline Lorenz

„Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ steht noch bis zum 26. April 2026 auf dem Spielplan.

Weitere Informationen unter www.schlossparktheater.de

Telefon Theaterkasse: 030 789 56 67-100

Titelbild

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