Gazette Verbrauchermagazin

120. Geburtstag von Dietrich Bonhoeffer

Theologe im Widerstand

Erschienen in Dahlem & Grunewald Journal Februar/März 2026

Als evangelischer Theologe profilierte sich Dietrich Bonhoeffer (4. Februar 1906 – 8. April 1945) vor allem durch seine Konsequenz: Er lebte, was er lehrte. Sein Weg führte ihn von der akademischen Kanzel in den politischen Widerstand gegen Adolf Hitler, vom sicheren Ausland zurück in das zerbombte Deutschland und schließlich in den Tod.

Bürgerliches Fundament

Dietrich Bonhoeffer wurde am 4. Februar 1906 in Breslau geboren, wuchs aber in Berlin auf. Er stammte aus einer großbürgerlichen, intellektuellen Familie. Sein Vater, Karl Bonhoeffer, war ein renommierter Psychiater und Neurologe; seine Mutter Paula entstammte einer Familie von Theologen und war selbst Lehrerin

Im Hause Bonhoeffer herrschte ein Geist der Wissenschaft und Kultur, aber weniger der frommen Kirchlichkeit. Umso überraschender war es für die Familie, als Dietrich, der bereits im Alter von 17 Jahren das Abitur ablegte, beschloss, Theologie zu studieren. Ein entscheidender Wendepunkt war sein Auslandsjahr 1930/31 in New York am Union Theological Seminary. Dort lernte er nicht nur die soziale Arbeit in den Slums von Harlem kennen, sondern begegnete auch dem lebendigen afroamerikanischen Christentum.

Gedenktafel am Bonhoefferhaus an der Marienburger Allee 43 in Westend.
Gedenktafel am Bonhoefferhaus an der Marienburger Allee 43 in Westend.

Früher Widerstand

Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 die Macht übernahmen, erkannte Bonhoeffer früher als die meisten anderen die Gefahr. Nur zwei Tage später hielt er eine Rundfunkansprache zum Thema „Wandlungen des Führerbegriffs“, in der er warnte: „Wenn der Führer sich nicht dem göttlichen Gebot unterordnet, wird er zum ‚Verführer‘“. Die Übertragung wurde vorzeitig abgebrochen.

Bonhoeffers Scharfsinn zeigte sich auch in der sich abzeichnenden Ausgrenzung und Verfolgung von Juden. Während die offizielle Kirche schwieg oder gar sympathisierte, verfasste er im April 1933 den Aufsatz „Die Kirche vor der Judenfrage“, in dem er Möglichkeiten kirchlichen Handelns gegenüber dem Staat formulierte, darunter „Dem Rad in die Speichen greifen.“ So legte er bereits 1933 das theologische Fundament für seinen späteren politischen Widerstand.

Kirchenkampf und Untergrund

Bonhoeffer gehörte der „Bekennenden Kirche“ an, die sich gegen die von den Nazis gleichgeschalteten „Deutschen Christen“ stellte. Nach einer Zeit als Auslandspfarrer in London (1933–1935), übernahm er in Deutschland die Ausbildung junger Pfarrer der Bekennenden Kirche. In Finkenwalde/Pommern leitete er ein Predigerseminar. 1937 schloss die Gestapo das Seminar. Bonhoeffer arbeitete im Untergrund weiter, doch sein Spielraum wurde immer enger. Er erhielt Rede- und Schreibverbot.

1939 bot sich Bonhoeffer ein Ausweg: Er reiste zu Vorträgen in die USA. Seine Freunde drängten ihn, dort zu bleiben, um dem Krieg und der Verfolgung zu entgehen. Doch nach wenigen Wochen kehrte er bewusst nach Deutschland zurück.

Zurück in Deutschland vollzog Bonhoeffer den Schritt vom theologischen Protest zur aktiven Konspiration. Über seinen Schwager Hans von Dohnányi erhielt er Zugang zum Amt Ausland/Abwehr unter Admiral Wilhelm Canaris. Die „Abwehr“ war das Zentrum des militärischen Widerstands gegen Hitler.

Dietrich Bonhoeffer wurde in der Grunewaldkirche konfirmiert.
Dietrich Bonhoeffer wurde in der Grunewaldkirche konfirmiert.

Haft in Tegel

Am 5. April 1943 wurden Dietrich Bonhoeffer, Hans von Dohnányi und dessen Frau Christine verhaftet. Bonhoeffer kam in das Militärgefängnis in Berlin-Tegel. Er sollte die Freiheit nie wiedersehen. In den fast zwei Jahren in Tegel entstand eine Sammlung von Briefen, Gedichten und theologischen Notizen, die aus der Zelle geschmuggelt wurden – viele davon an seinen Freund Eberhard Bethge. Sein Gedicht „Von guten Mächten treu und still umgeben“, das er seiner Verlobten und Familie zum Jahreswechsel 1944/45 aus dem Kellergefängnis schickte, ist heute eines der bekanntesten geistlichen Lieder im deutschsprachigen Raum.

Tod in Flossenbürg

Nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 fand die Gestapo Akten, die Bonhoeffers tiefe Verstrickung in den Widerstand bewiesen. Er wurde in das Gestapo-Gefängnis in der Prinz-Albrecht-Straße verlegt, dann im Februar 1945 in das KZ Buchenwald.

Anfang April 1945, als die alliierte Front und die Kanonen der Amerikaner bereits zu hören waren, befahl Hitler persönlich die Hinrichtung der Verschwörer der Abwehr. Bonhoeffer wurde in das KZ Flossenbürg in Bayern transportiert.

Am Sonntag, den 8. April 1945, hielt er für seine Mitgefangenen eine letzte Andacht. Kurz danach wurde er abgeführt. Seine letzten überlieferten Worte an einen britischen Mitgefangenen waren: „Das ist das Ende. Für mich der Beginn des Lebens.“ Am Morgen des 9. April 1945, nur wenige Wochen vor Kriegsende, wurde Dietrich Bonhoeffer im Alter von 39 Jahren gehängt.

Titelbild

© Gazette Verbrauchermagazin GmbH 2026