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Geschichtsparcours an der Papestraße

Gebiet war überwiegend militärisch geprägt

August 1914: Die Männer auf dem Foto ziehen in den Krieg.  An der General-Pape-Straße wurden sie einberufen und gemustert, denn hier hatten seit 1898 Landeswehrinspektion und Bezirkskommandos ihren Sitz.
August 1914: Die Männer auf dem Foto ziehen in den Krieg. An der General-Pape-Straße wurden sie einberufen und gemustert, denn hier hatten seit 1898 Landeswehrinspektion und Bezirkskommandos ihren Sitz.
Erschienen in Gazette Schöneberg & Friedenau Juli 2019
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Orte mit anderen Augen sehen und Geschichte im Alltag entdecken – diese Möglichkeit bietet der Geschichtsparcours, der 2008 an der Schöneberger General-Pape-Straße, im Volksmund Papestraße genannt, verwirklicht wurde. Mit 14 informativen Tafeln führt er die Besucher zurück in die Historie des Ortes, die mit einem großen Feld zwischen Tempelhof und Schöneberg begann. Das Gebiet gehörte Schöneberger Bauern. Auf den Feldern wuchsen Getreide und Kartoffeln.

Das Militär kaufte den Bauern die Ackerflächen ab und nutzte sie als Pferderennbahn. Diese wich nur wenige Jahre später den Schienen für die Anhalter Bahn, die von Berlin nach Köthen führte. Das Militär ließ rund um die Bahnschienen Kasernen, Übungsplätze und einen Militärbahnhof für die preußischen Eisenbahntruppen errichten. Als der südliche Bereich des früheren Ackers noch unbebaut war, ging es hier in die Lüfte. Mit Luftschiffen und Fesselballons unternahm man hier Flugversuche. Ab 1885 war die Luftschifferabteilung hier für 16 Jahre beheimatet. Auch die wissenschaftliche Forschung fand hier statt, das Preußische Meteorologische Institut stellte mit einem Versuchsballon den bis heute nicht übertroffenen Höhenrekord von 10.800 Metern auf.

Auch an der General-Pape-Straße standen nun Gebäude, in denen die Soldaten untergebracht waren. Von hier aus wurden die Eisenbahnertruppen bis in die afrikanischen Kolonien geschickt. Auch Militärbehörden waren in den Gebäuden untergebracht. Unter anderem die Musterungsbehörde, bei der sich zu Beginn des Ersten Weltkriegs zahlreiche Männer melden mussten. Sie bekamen Uniformen und schickten ihre Zivilkleidung in Paketen zurück nach Hause. In dieser Zeit bekam die Straße im Volksmund den Beinamen „General-Pappkarton-Straße“, da die Kleidung in Pappkartons verschickt wurde.

Auf brachliegenden Ländereien zwischen den militärischen Gebäuden entstanden während der Hungerjahre Kleingärten. Diese durften Militärangehörige zur Selbstversorgung nutzen. Das waren die Anfänge der Kleingartenkolonie an der Papestraße.

In der Zeit des „Dritten Reichs“ war Umbau angesagt. Hier sollte der Triumphbogen für die Hauptstadt Germania stehen. Allerdings wollte die Regierung auf Nummer sicher gehen und vorher sicherstellen, dass ihr triumphales Bauwerk nicht im märkischen Sand versank. Deshalb wurde zu Testzwecken der Schwerbelastungskörper gebaut. Der Schwerbelastungskörper hat ein Gewicht von 12650 Tonnen. In seinen Kammern befanden sich Messgeräte. Doch ideal war der märkische Boden nicht – für einen Triumphbogen hätte er verdichtet werden müssen. Der Schwerbelastungskörper sank um 19,3 cm ein.

Die furchtbaren Seiten des Naziregimes waren an der Papestraße früh spürbar. Schon im Närz 1933 richtete die SA in einem Kasernengebäude ein Konzentrationslager ein, in dem Juden, politische Gegner und Mitglieder verfolgter Gruppen in Haft saßen, verhört und gefoltert wurden. Dieser Ort des Schreckens bestand bis Dezember 1933. Heute ist hier ein Gedenkort, an dem an die Opfer erinnert wird.

Nach der Blockade gab es an der Papestraße eine Lagerhalle für die Senatsreserve, die die Berliner Bevölkerung im Falle einer erneuten Blockade versorgen sollte. Die Senatsreserve wurde erst nach dem Fall der Mauer aufgelöst.

Auch die Wilhelm-Foerster-Sternwarte hatte nach dem Zweiten Weltkrieg ein vorübergehendes Domizil an der General-Pape-Straße.

Der Geschichtsparcours mit seinen 14 historischen Orten kann auch mit Unterstützung einer Broschüre im Taschenformat entdeckt werden. Sie ist kostenlos über die Bürgerbüros von Tempelhof-Schöneberg zu beziehen.

Generaloberst Alexander von Pape

Der Namensgeber der Straße war geborener Berliner. 1813 geboren trat er bereits mit 17 Jahren in das 2. Garde-Regiment zu Fuß ein. Das Militär bestimmte sein gesamtes Leben: Die Karriere brachte ihm bis zum Generalfeldmarschall. 1894 zog er sich in den Ruhestand zurück, ein Jahr später verstarb er. Laut Kaiser Wilhelm II. war Alexander von Pape das Vorbild eines altpreußischen Soldaten.

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