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Die Treidellokomotive am Teltowkanal

Lastschiffe wurden von Lokomotiven gezogen

Auf diesem alten Foto sind noch die Gleise der Treidelbahn zu sehen.
Auf diesem alten Foto sind noch die Gleise der Treidelbahn zu sehen.
Erschienen in Lichterfelde West Journal Juni/Juli 2017
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Gleisreste gibt es kaum noch – nur am Brückenkopf nahe der ehemaligen Teltowwerft in Zehlendorf sind letzte Spuren der Gleise zu finden, auf denen die Treidellok den Teltowkanal entlangfuhr.

Treideln war über Jahrhunderte eine Möglichkeit, Lastschiffe flussaufwärts zu bewegen. Bereits die Römer treidelten ihre Lastschiffe auf Rhein und Lippe. Mit aufkommender Motorkraft wurde das Treideln zwar auf vielen Flüssen oder Kanälen nicht mehr notwendig, aber es gab Ausnahmen. Der Teltowkanal war schon bei seinem Bau als Wasserstraße unterdimensioniert. Zur Schonung der Ufer wurden deshalb Treidelloks eingesetzt, die die Schiffe zu ihrem Bestimmungsort zogen. Hersteller der Treidelloks war die Firma Siemens. Die Züge verkehrten zwischen Kleinglienicke und Grünau. Sie wurden elektrisch betrieben. Eigens für diesen Zweck entstand ein Kraftwerk am Werkshafen in Schönow. Die Züge benötigten eine Gleichspannung von 500 Volt, die in Schönow erzeugt wurden. Umliegende Industriebetriebe konnten ebenfalls vom Kraftwerk versorgt werden. Diese moderne Form des Treidelns wurde weltweit erstmals am Teltowkanal angewandt. Später wurde sie selbst am Panamakanal übernommen.

Im Zweiten Weltkrieg wurden die Treidelanlagen zerstört und nach Kriegsende von den Siegermächten zum Teil demontiert. Da auch der Schiffsverkehr unterbrochen war, kam ein Wiederaufbau nicht infrage. Die Zeit des Treidelns am Kanal endete damit. Von den ursprünglich 20 Lokomotiven sind nur noch zwei übrig. Sie wurden sorgfältig restauriert und können besichtigt werden. Eine Lokomotive steht im Technikmuseum in Berlin und die andere befindet sich unter Glas an der Emil-Schulz-Brücke, nahe Hindenburgdamm/Ecke Königsberger Straße, ganz nah an ihrem früheren Einsatzgebiet, dem Teltowkanal.