Gazette Verbrauchermagazin

Der Bunker in der Pallasstraße

Wohnhaus auf Stelzen über Hochbunker

Ungewöhnlich wohnen – der Bunker wurde mit einem Wohnhaus überbaut.
Ungewöhnlich wohnen – der Bunker wurde mit einem Wohnhaus überbaut.
Erschienen in Gazette Schöneberg & Friedenau März 2026

Ein ungewöhnlicher Anblick – ein großes Mehrfamilienhaus auf Stelzen überbrückt einen alten Bunker. Dieser wurde von 1943 bis 1945 gebaut und ist nicht über den Rohbau hinausgekommen. Eigentlich sollte er als Fernmeldebunker genutzt werden, aber durch das Kriegsende 1945 kam es nie dazu. Auf dem Bau wurden sowjetische Zwangsarbeiter eingesetzt, darunter auch Menschen aus der heutigen Ukraine. Nach Kriegsende versuchten US-amerikanische Soldaten, den Bunker zu sprengen. Das Vorhaben misslang – auch deshalb, weil aus Rücksicht auf die noch intakten Bauten der Umgebung keine größeren Sprengungen möglich waren.

Eine Tafel erinnert an die Geschichte des Bunkers, der heute ein „Ort der Erinnerung“ ist.
Eine Tafel erinnert an die Geschichte des Bunkers, der heute ein „Ort der Erinnerung“ ist.

In den 1970er-Jahren wurde der benachbarte Sportpalast abgerissen und das Gelände mit der Wohnanlage „Wohnen am Kleistpark“ – mittlerweile „Pallasseum“ bebaut. Da der Bunker nicht beseitigt werden konnte, bauten die Architekten das eingangs erwähnte Wohnhaus auf Stelzen über dem Bunker. Auf Betreiben der westlichen Alliierten wurde der Bunker Ende der 1980er-Jahre ausgebaut, sodass er mit fast 5000 Plätzen die größte Zivilschutzanlage Berlins war. Im Jahr 2002 bekam er eine neue Aufgabe – auf Initiative von Schülern der Sophie-Scholl-Schule wurde er zu einem „Ort der Erinnerung“. In der Schule – damals noch Augusta-Schule – waren die Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter untergebracht, die den Bunker errichten mussten. Die Sophie-Scholl-Schule knüpfte 1994 Kontakte zu den Kindern und Jugendlichen, die damals nach Deutschland deportiert wurden. Der Bunker wurde 2010 entwidmet und steht unter Denkmalschutz. Außen am Bunker hängen Gedenktafeln, die an die Menschen erinnern, die ihn in Zwangsarbeit errichten mussten.

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