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Berlins erster Oberförster

Weg in Wannsee erinnert an Walter Grasso

Erschienen in Wannsee Journal Juni/Juli 2022
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Berlins erster Oberförster Walter Grasso.
Berlins erster Oberförster Walter Grasso.

Die Geschichte der stadteigenen Berliner Wälder ist eng mit der Berliner Kanalisation verbunden. Anfang des 20. Jahrhunderts war die Bevölkerung stark gestiegen. Um die Hinterlassenschaften der Bewohner aus dem Stadtgebiet zu entfernen, waren erste Rieselfeldflächen gekauft worden. Zu denen gehörten auch Wälder. Durch die Zukäufe vergrößerte sich der Forstbesitz auf 3.000 Hektar, die an den Rändern des Stadtgebiets lagen. 1909 wurde die erste eigene Forstverwaltung unter Leitung von Stadtforstdirektor Walter Grasso gegründet.

Im Dauerwaldkaufvertrag zwischen dem Königlich-Preußischen Staat und dem Verband Groß-Berlin wurde auch das Bestehen der Wälder in Gemeinden gesichert, die ab 1920 zu Berlin gehören würden. Damit war der Waldbestand langfristig gesichert und bot den Stadtbewohnern Raum zur Erholung. Der große Forstbestand und seine Verwaltung unterstanden allerdings nach wie vor den Kanalisationswerken und den Gütern, die für die Rieselfelder zuständig waren. Das änderte sich erst mit der Gründung einer eigenen „Forstdeputation“ im Jahr 1925. Damals betrug die Waldfläche bereits 21.000 Hektar, heute sind es ca. 28.500 Hektar.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde 1934 das Reichsforstamt Berlin gegründet. Die Zielsetzung änderte sich. Der Dauerwald sollte erhalten bleiben, aber das Hauptaugenmerk lag nun auf der Holzproduktion. Die Kriegsvorbereitungen erforderten einen erhöhten Holzbedarf und so plante man, mehr Bäume zu fällen, als nachwachsen konnten. Walter Grasso stand der neuen Politik ablehnend gegenüber und wurde 1936 in den vorgezogenen Ruhestand versetzt. Ab 1937 holzte man Waldflächen im großen Stil ab, legte neue Siedlungen an und schuf Platz für die Eisenbahn. Mittel für Wiederaufforstungen fehlten. Dafür wurden über 2.000 Hektar neuer Wald erworben.

Nach der Kapitulation holte man Walter Grasso aus dem Ruhestand. Er war mittlerweile 74 Jahre alt. Das hinderte ihn aber nicht daran, erneut mit Elan die Organisation der Forstbehörde neu aufzubauen. Um Waldbrände zu verhindern, ließ er loses Holz aus den Wäldern schaffen und versuchte auch sonst, die Wunden, die der Krieg dem Wald geschlagen hatte, zu lindern. Es blieb ihm allerdings nur wenig Zeit. Am 21. Dezember 1946 verstarb er bei einem Unfall. Beim Überqueren der Straße erfasste ihn ein Lastwagen und Walter Grasso war sofort tot. Seit dem 12. Oktober 1957 erinnert der Grassoweg in Wannsee an Berlins ersten Oberförster.

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