Gazette Verbrauchermagazin

Initiative Lebenswerter Kranoldplatz will erhalten und gestalten

Im Einsatz für eine zukunftsweisende Umgestaltung

Die Illustrationen wurden von Oliver Marraffa entworfen als Beispiele, wie es werden könnte.  Ideen zur Weiterentwicklung der Vision erwünscht!
Die Illustrationen wurden von Oliver Marraffa entworfen als Beispiele, wie es werden könnte. Ideen zur Weiterentwicklung der Vision erwünscht!
Erschienen in Lichterfelde Ost Journal Oktober/November 2022
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Die Bürger in Lichterfelde Ost sind dafür bekannt, dass sie sich für ihren Kiez und ihr Wohnumfeld einsetzten und dafür stets einen großen Rucksack voller Ideen parat halten. So auch die parteiunabhängige Initiative Lebenswerter Kranoldplatz, die sich Anfang Juni 2022 neu gegründet hat. An ihrer Spitze steht der bereits von der Initiative Bürger*innenbeteiligung Lichterfelde Ost her bekannte und erfahrene Stephan Voß (die Gazette berichtete) sowie Andrea Kuner, Sabine Moser, Oliver Marraffa und Gabriele Lang, die sich für eine nachhaltige Entwicklung ihres Kiezes starkmachen bzw. sich für die Entwicklung eines integrierten Gesamtkonzeptes für die nachhaltige Umgestaltung des Kranoldplatzes und seiner Umgebung einsetzen – und das immer mit dem notwendigen Bewusstsein für Klima, Umwelt und Ökologie und mit Blick auf die Bedürfnisse aller Beteiligten.

Auf einer ersten von ihnen vorgeschlagenen und vom Standortmanagement umgesetzten Veranstaltung „Kranoldplatziertsichneu“ präsentierten sich Ende Juni die Initiatoren mit ihren Ideen für eine lebenswerte Zukunft des Platzes der Öffentlichkeit vor Ort und rannten damit offene Türen ein.

Markt, Mobilität und Machbares

So brennt nicht nur diesen engagierten Bürgern das Thema „Parkplatzsituation im Zentrum von Lichterfelde Ost“ unter den Nägeln, messen sie doch einer sinnvollen Umgestaltung besondere zentrale Bedeutung zu und wollen ihren beliebten Marktplatz vergrößert erhalten sehen. Soll es künftig auf dem Kranoldplatz überhaupt noch Parkplätze geben? Das fragt die Initiative den verantwortungsbewussten Bürger, hat im Vorfeld dazu wichtige Vorbereitungsarbeit geleistet und Fakten gesammelt: An allen Wochentagen, an Markt- und Nicht-Markt-Tagen zählten – sogar mehrmals – die Mitglieder der Initiative zu verschiedenen Uhrzeiten die freien Parkplätze in den umliegenden, bei längerer Nutzung kostenpflichtigen Parkhäusern am Ferdinandmarkt und LIO. Zu dem eindeutigen Ergebnis wurden Grafiken zur Parkplatzsituation erstellt, die zeigen, dass selbst an Markttagen, an denen etwa 85 Kfz-Plätze wegfallen, die Auslastung der Parkhäuser nur gering bis mäßig war. Stephan Voß erklärt, mit Blick auf die zurzeit kostenfreien, gut genutzten Parkplatze auf dem Kranoldplatz: „Wer öffentliches Gut nutzt, sollte diese Nutzung auch bezahlen.“ Dabei verlieren er und die Initiative keineswegs die Problematik aus den Augen, die für Menschen mit Mobilitätseinschränkung, Markthändler, Anlieger und Angestellte bei einer Abschaffung der Parkplätze auf dem Kranoldplatz entstehen könnte, öffnen die Parkhäuser doch erst später am Tag. Dass auch diesen Zielgruppen geeignete Parkmöglichkeiten zur Verfügung gestellt werden, ist ebenso Aufgabe des Bezirks wie die Entwicklung eines sinnvollen Parkraumkonzeptes überhaupt. Lösungsideen hat die Initiative einige, und durchaus Realisierbares vor: Da könnten Poller, die bei Bedarf mit einer Berechtigungskarte versenkt werden und ein „vor-der-Tür-Aussteigen“ ermöglichen, nach holländischem Vorbild installiert werden. In ihrer Mobilität eingeschränkten Menschen müssten in den Parkhäusern ausreichend darauf abgestimmte Parkplätze geboten werden. „Und ein spezielles Parkraumkonzept für Markttage müsste entwickelt werden, das diese Menschen und die Markthändler besonders berücksichtigt“, so Voß. – Dazu kommt die immer wieder (nicht nur) für Radfahrer und Fußgänger hochbrisante Straßenführung am Platz, die geändert werden müsste. Nur unter Berücksichtigung dieser Punkte kann eine zukunftsfähige Umgestaltung des Kranoldplatz gelingen. Überlegungen der neuen Initiative finden Leser auf deren Webseite, im Flyer bei den Visionen und in ihren Forderungen sowie ihrer Grafik „Was wir wollen“.

Gemeinsam für ein lebenswertes Zentrum

Um aber ein stimmiges Konzept entwickeln, die Einkaufs- und Aufenthaltsqualität nachhaltig verbessern und den Einzelhandel stärken zu können, müssen alle Beteiligten an einen Tisch geholt werden, weiß Stephan Voß. Dabei sind Bürgerinnen und Bürger ebenso hinzuzuziehen wie Investoren, Bezirksvertreter, Geschäftsleute und Nutzer der Infrastruktur. Von zahlreichen Interessierten sind bereits an die Initiative Lebenswerter Kranoldplatz viele gute Ideen herangetragen worden und weitere stets willkommen: Fantasieanregend dabei die von Oliver Marraffa wimmelbildartig für Erwachsene erstellten Bild-Visionen, wie es am Kranoldplatz zukünftig aussehen könnte. Dazu Stephan Voß: „Wir wissen, dass Veränderungen oft erst einmal abgelehnt werden bzw. abschrecken. Aber mit diesen Bildern wollten wir dazu anregen, sich Gedanken zu machen, was an Veränderungen für den Einzelnen positiv und wünschenswert scheint.“ Vorbereitete Bilder zum Fertigstellen durch die Besucher fanden bei der ersten großen Veranstaltung viel Anklang: Da konnten Interessierte „ihren“ Kranoldplatz selbst gestalten und den Ausdruck davon mit nach Hause nehmen oder ausstellen. Daneben warb die neue Initiative mit Schautafeln und Postern für den bestehenden so dringenden Handlungsbedarf. In einer Postkartenaktion gingen Anfang Juli die ersten 500 Postkarten bei Bezirksbürgermeisterin Maren Schellenberg und ihren Stadträten Urban Aykal und Michael Karnetzki ein. Die Karten unterstützen die Umgestaltungsideen der Initiative Lebenswerter Kranoldplatz, weitere folgen in diesen Tagen und Wochen. Außerdem fordert die Initiative Lebenswerter Kranoldplatz die Bezirksverordnetenversammlung Steglitz-Zehlendorf auf, diese Ideen zeitnah umzusetzen. Ein entsprechender Beschluss zur Umgestaltung des Platzes im Rahmen eines integrierten Gesamtkonzeptes soll noch in diesem Jahr gefasst werden. Dabei bezieht die Initiative sich auch darauf, dass die aus GRÜNEN, SPD und FDP bestehende Zählgemeinschaft in ihrer Zählgemeinschaftsvereinbarung eine Umgestaltung des Kranoldplatzes bereits vorgemerkt hat. In einem Antrag regt sie nun an, einen Runden Tisch Lichterfelde Ost ins Leben zu rufen, der die Interessengruppen zusammenbringen soll, die sich mit der Entwicklung des Zentrums von Lichterfelde Ost befassen: Dabeisein sollen Gewerbetreibende, Bürger, Politiker sowie Vertreter der Bezirks- und Senatsverwaltungen, die zur Umgestaltung des Kiezes rund um den Kranoldplatz aktiv werden.

Weitere Informationen und Kontakt zur Initiative Lebenswerter Kranoldplatz unter www.lebenswerterkranoldplatz.de

Jacqueline Lorenz

Titelbild

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