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Sieben Jahre Schul- und Stadtteilmuseum Friedenau

Die Friedrich-Bergius-Schule schreibt Museumsgeschichte

Schule mit Geschichte: Die Friedrich-Bergius-Schule, einstiges Gymnasium am Maybachplatz. Fotos: FBS
Schule mit Geschichte: Die Friedrich-Bergius-Schule, einstiges Gymnasium am Maybachplatz. Fotos: FBS
Erschienen in Gazette Schöneberg & Friedenau Februar 2017
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Das stattliche Erscheinungsbild des aus der Gründerzeit stammenden Schulgebäudes am Perelsplatz verspricht nicht zu viel: Neben Schülerinnen und Schülern beherbergt die Friedrich-Bergius-Schule hinter ihren geschichtsträchtigen Mauern ein ganz besonderes Friedenauer Kleinod, das „Schul- und Stadtteilmuseum Friedenau“. Es dürfte Deutschlands einziges Museum sein, dessen Träger eine Schule ist.

In den vergangenen sieben Jahren ist das Museum zu einem besonderen Anziehungspunkt für Stadtteil-Bewohner und Bezirksbesucher geworden, denen es darum geht, tiefer in die Friedenauer Geschichte einzutauchen. Die positive Entwicklung und der Neuaufbau der Ausstellungsstätte nahmen seit 2005 unter der Schulleitung des gebürtigen Friedenauers Michael Rudolph einen rasanten Anstieg, so dass mit dem Schul- und Stadtteilmuseum Friedenau nun ein weiterer Mosaikstein in der Berliner Museumslandschaft funkelt, der sogar im Museumsverzeichnis gelistet ist.

Die GAZETTE wird zukünftig Exponate daraus ihren Lesern vorstellen.

Das Museum

Den nötigen Vorgeschmack auf das kleine, aber feine Stadtteilmuseum erhält der Besucher bereits im Büro von Schulleiter Rudolph, das man als „Museums-Vorraum“ bezeichnen könnte: Der schwere Eichenschreibtisch, Konferenztisch und Bücherschrank moderten einst im Schulkeller vor sich hin, bis das geschichtsgeschulte Auge sie entdeckte. Aufgearbeitet, sind sie nun die Prunkstücke des Büros und werden nur von der hinter Glas präsentierten WMF-Silberplatte aus dem Besitz derer Finck von Finckensteins überstrahlt, welche die Schule erwarb: Sie erinnert an die ersten Jahre des 1896 erbauten Gebäudes in seiner Funktion als Knabengymnasium und war einstiges Abschiedsgeschenk dankbarer Abiturienten an ihren „Herrn Oberlehrer“, datiert mit 1910.

Bücherregale bis zur Decke, alte Stiche und Plakate vervollkommnen den geschichtssprühenden Ort, von dem aus der Schulleiter über seine Schäflein wacht.

So eingestimmt, betritt man den eigentlichen Ausstellungsraum, der Geschichte nicht nur Schülern, sondern auch Besuchern (nach telefonischer Vereinbarung) in Führungen anschaulich näherbringt.

Was anlässlich der 750-Jahr-Feier von Schöneberg vor sieben Jahren mit einer Gesamtschau der Bestände begann, ist weitergewachsen, zeigt sich gut beleuchtet und gesichert in restaurierten Vitrinen. Mit Schwerpunkt der Bereiche historische Bildpostkarten, Dokumente, Friedenauer Firmenprodukte und Literatur stieg der Postkarten-Bestand von 0 auf inzwischen 2007 Stück. Derzeit sind die wegen der Aula-Sanierung staubbedingt ausgelagert. Den Namen der einst in der Schöneberger Haupt- und Rheinstraße ansässigen Optischen Werke C.P.Goerz liest der Besucher immer wieder: 60 Ferngläser, Fotoapparate und sonstige optische Geräte sowie Dokumente, Werbeträger und Fotos gehören zur Sammlung, die bereits als Sonderausstellung in der Kulisse der imposanten Säulenhalle des Schulhauses faszinierte. Alte Platten aus der Firma Joh. Schriefer und von den im Jahr 1927 in der Stubenrauchstraße 47 gegründeten „Comedian Harmonists“ begeistern im Ausstellungsraum ebenso wie der goldene Briefbeschwerer, der an die Henschel & Sohn A.G. als Hersteller der für damalige Zeiten fortschrittlichen Lokomotiven für die Deutsche Reichsbahn erinnert.

Besonderes Augenmerk sollte der Besucher auf die „Ausgrabungs-Exponate“ von Schülern richten. In einer spannenden Projektarbeit am „Schöneicher Plan“ suchten und fanden sie neben Geschichtswissen viele interessante Gegenstände, die nun eine ganze Vitrine füllen.

Die Macher

An den einst kahlen Schulwänden wird heute Geschichte lebendig und findet im Museumsraum spannende Fortsetzung.

Der mit viel Herzblut engagierte Geschichtslehrer und -freund Michael Rudolph weiß dabei den Fachkollegen Alexander Bauwe als Museumsleiter an seiner Seite und erklärt: „ Geschichte wurde viel zu lange vernachlässigt. Man kann hier keine Schule betreiben, ohne die Geschichte zu berücksichtigen. Sie muss spannend präsentiert werden, denn man weiß nur, was man sieht. Der Aufbau unseres Museum mit dem Ziel, Schülern Geschichte verständlicher zu machen, wurde von verschiedenster Seite gefördert und unterstützt.“ So ist er besonders dem Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg für die Erlaubnis dankbar, das Schulgebäude für das Museum mit nutzen zu dürfen. Sein Dank gilt aber auch dem Förderverein der Integrierten Sekundarschule für die Hilfe beim Aufbau der Sammlung und der mit regelmäßigen Zuwendungen unterstützenden PSD-Bank Berlin Brandenburg.

„Unser Museum würde es nicht geben, wären da nicht unsere rund 20 ehrenamtlichen Helfer, die sich in Recherche, Ankauf, Archiv und Schülerprojekte einbringen“, betont Schulleiter Rudolph. Sie sind es, die am „Tag des offenen Denkmals“ – an dem übrigens nur wenige Schulen teilnehmen – mithelfen und die Sammlungs- und Besucherbetreuung mit verantworten. Daneben leistet das 50-köpfigen Kollegium wertvolle Unterstützung; auch wenn es darum geht, für den Erhalt des Schulmuseum zu sammeln.

Ein zentrales Anliegen der Schule ist es dabei stets, die Schüler am Museumsprojekt zu beteiligen. So wirkten sie in freiwilligen AGs bereits an zahlreichen Projekten mit, die sich der Erforschung Friedenauer Architektur, Straßennamen, Industriebetriebe und Bewohner widmeten, und veröffentlichen die Ergebnisse vierteljährlich im „MuseumsJournal“. Damit werden immer neue Schüler erreicht und für die Museumsarbeit interessiert – ein gelungenes Pädagogenstück. Über Sonderausstellungen finden Geschichtsinteressierte zueinander. Derzeit ist das Ergebnis ihrer Arbeit in der bereits vierten Ausstellung unter dem Titel „Sport in Friedenau“ in der Säulenhalle der Schule zu besichtigen. Eine weitere ist in Planung und wird sich mit der mit dem Schulmuseum kooperierenden „Bildgießerei Hermann Noack GmbH & Co KG“ befassen.

So bleibt das Museum für Alt und Jung weiterhin einen Besuch wert, – nach seinem Theodor Fontane („Der Stechlin“) entliehenen Leitbild:

Alles Alte, soweit es Anspruch darauf hat, sollen wir lieben, aber für das Neue sollen wir recht eigentlich leben.

Weitere Informationen unter www.friedrich-bergius-schule.de, Museums-Anmeldung unter Telefon 90277-7910.

Jacqueline Lorenz