Gazette Verbrauchermagazin

Woher kommt der Tempo-Rausch? Und wie stoppen wir ihn?

Sonderausstellung „Wahnsinn – Illegale Autorennen“ im Deutschen Technikmuseum

Der Jeep von Michael Warshitsky, der am 1. Februar 2016 als Opfer eines illegalen Autorennens starb. Foto: Tzscheuschner
Der Jeep von Michael Warshitsky, der am 1. Februar 2016 als Opfer eines illegalen Autorennens starb. Foto: Tzscheuschner
Erschienen in Gazette Schöneberg & Friedenau April 2022
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Woher kommt der Tempo-Rausch in unserer automobilen Gesellschaft? Wieso beteiligen sich Menschen an illegalen Autorennen? Welche Möglichkeiten gibt es, dem entgegenzuwirken? Das sind Fragen, mit denen sich die Sonderausstellung „Wahnsinn – Illegale Autorennen. Wie stoppen wir den Tempo-Rausch?“ im Deutschen Technikmuseum in Berlin auseinandersetzt. Sie ist bis 3. Juli 2022 im Bereich Ladestraße des Museums in der Möckernstgraße 26 zu sehen und in Kooperation mit der Polizei Berlin entstanden. Begleitend zur Ausstellung bietet die Verkehrsunfallprävention der Polizei Berlin im Museum Programme für Schulklassen und andere Interessierte an, die speziell auf die Gefahren des Rasens zugeschnitten sind.

Blick auf die historischen und gesellschaftlichen Wurzeln der Raserei

Illegale Autorennen gelten als der Gipfel rücksichtsloser Raserei im Straßenverkehr. Drastisch führte das 2016 der Tod eines Unbeteiligten in Berlin vor Augen, der als „Kudamm-Raser-Fall“ Schlagzeilen machte. Obwohl Gesetzgebung und Strafverfolgung verschärft wurden, steigen die Ermittlungsverfahren weiter an. Berlin verzeichnet im Schnitt 800 bis 900 Fälle im Jahr. Dabei ist das Phänomen des Rasens weder neu, noch beschränkt es sich auf illegale Rennen. Der Blick der Ausstellung reicht von den historischen und gesellschaftlichen Wurzeln der Raserei in unserer automobilen Kultur bis hin zu den Maßnahmen, illegale Autorennen wirksam zu verhindern. Dazu gehören auch moderne Fahrerassistenzsysteme.

Unfallauto eines Raser-Opfers ist ein zentrales Objekt

Frank Steinbeck, Leiter des Bereichs Straßenverkehr im Deutschen Technikmuseum und Kurator der Ausstellung, sagt: „Wir zeigen Geschichte und Gegenwart des automobilen Geschwindigkeitsrauschs und beleuchten Möglichkeiten der Prävention. Wir werfen keinen voyeuristischen Blick auf Unfälle und Opfergeschichten. Es ist keine Schocker-Ausstellung, sondern eine, die zum Nachdenken anregen will.“

Neben vielen kleineren Objekten, Schautafeln und Medienstationen sind auch einige wenige Wracks aus illegalen Autorennen zu sehen. Zentrales Objekt der Ausstellung ist das Unfallauto des Opfers der Kudamm-Raser. Der Unfall löste einen Wandel in der Beurteilung illegaler Autorennen aus. Erstmals wurden hier Raser wegen Mordes verurteilt. 2017 wurde zudem ein Paragraf zu „Verbotenen Kraftfahrzeugrennen“ ins Strafgesetzbuch eingefügt. Das Museum zeigt in der Ausstellung Fahrzeuge von Unfällen, bei denen Menschen ums Leben kamen, um die Gefahren illegaler Rennen und allgemein der Raserei vor Augen zu führen. Dabei knüpft es an die Erfahrungen der Polizei Berlin an, die ein Unfallmotorrad seit vielen Jahren für die Unfallprävention nutzt. Die Präsentation der Fahrzeuge von Opfern

Wie stoppen wir den Tempo-Rausch?

Durch die Zunahme illegaler Autorennen und die tragischen Unfälle der letzten Jahre verstärken sich die Bemühungen, diese Form der Raserei einzudämmen. Nur ein Teil richtet sich dabei ausschließlich gegen illegale Autorennen. Viele Maßnahmen nehmen Geschwindigkeitsüberschreitungen im Allgemeinen in den Blick: schärfere Gesetze, eine strengere Strafverfolgung und eine Form der Verkehrserziehung, die mehr Gewicht auf das Rasen und seine Gefahren legt.

Im Fokus sind auch technische Lösungen wie eine automatische Geschwindigkeitsbeschränkung im Fahrzeug. Die dafür nötigen Fahrerassistenzsysteme, auch bekannt als Intelligent Speed Assistance (ISA), werden in der Europäischen Union ab 2022 in allen neuen Fahrzeugtypen Pflicht, bleiben allerdings bis auf Weiteres abschaltbar. Die Diskussion um Fahrerassistenzsysteme dreht sich um gesellschaftliche Grundsatzfragen: Kann ein durch Technik verursachtes Problem durch mehr Technik gestoppt werden? Beschneiden Fahrerassistenzsysteme die Verantwortung und Freiheit der Bürgerinnen und Bürger? Oder sind sie in Anbetracht der Unfälle notwendig?

Am Ende der Ausstellung werden die Besucherinnen und Besucher dazu eingeladen, über eine Medienstation zu diesen und anderen Fragen rund um illegale Autorennen und den Tempo-Rausch in unserer automobilen Kultur ihre Meinung abzugeben.

Programm für Schulklassen

Die Polizei Berlin bietet während der Laufzeit der Ausstellung immer dienstags von 10 bis 11.30 Uhr für Schulklassen ein Unfall-Präventionsprogramm an. Es ist speziell auf die Gefahren des Rasens zugeschnitten. Für Lehrkräfte und Schulklassen sind die Veranstaltungen und der Eintritt in die Ausstellung kostenfrei.

Eine Anmeldung und die Einhaltung der geltenden Hygienevorschriften sind nötig. Bei Interesse können sich die Lehrkräfte im Museum bei Kurator Frank Steinbeck unter steinbeck@technikmuseum.berlin melden.

Titelbild

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