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Aussteigen, absteigen und staunen

Ladenstraße Onkel Toms Hütte mit neuer Großprojektion sehenswert

Erschienen in Gazette Zehlendorf März 2018
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Wer in Zehlendorf aus der U-3 am Bahnhof Onkel Toms Hütte aussteigt oder vom Rad steigt, um einen Bummel durch die Ladenstraße zu machen, wird staunen: Im Außenbereich der Bahnhofs-Vorhalle an der Riemeisterstraße lädt in Form einer Großprojektion – als sinnvolle Ergänzung der im Dezember gestarteten nahkauf-Schaufenster-Fotopräsentation zur Geschichte der Ladenstraße – die Ausstellung „ Sehenswert Onkel Toms Hütte“ seit dem 26. Januar zum Innehalten und Schauen.

Täglich zwischen 6.00 und 22.00 Uhr erzählt sie im 40-Minuten-Takt in beeindruckenden Foto- und Filmsequenzen die seit den 20er-Jahren währende Geschichte der Waldsiedlung Onkel Toms Hütte und ihrem Zentrum mit U-Bahnhof und Ladenstraße. Dabei werden berühmte Baumeister mit klangvollen Namen vor Augen geführt, die diese architektonisch Besonderheit zum Vorbild zeitgenössischer Stadtplanung haben werden lassen: An u. a. Bruno Taut, Hugo Häring, Martin Wagner, Walter Gropius und Hans Poelzig erinnert die öffentliche Projektion und bildet so das Kernstück im Bezirks-Projekt „Zurück in die Zukunft, touristische Infrastruktur und Marketing für den Standort Onkel Toms Hütte“. Gefördert aus EFRE-Mitteln des Europäischen Fonds und unterstützt durch die Wirtschaftsförderung Steglitz-Zehlendorf hat das Projekt zum Ziel, das Wohnviertel Waldsiedlung Zehlendorf mit seinem Nahversorgungszentrum Ladenstraße zu präsentieren und Besucher und Touristen für diese besondere Sehenswürdigkeit zu sensibilisieren. So reiht sich Onkel Toms Hütte mit seiner neuen Dauerprojektion und der Ladenstraße als wichtiges Glied in die Kette der touristischen Highlights dieser zu erradelnden Route, zu der das Kunsthaus Dahlem, das Brücke Museum und das AlliiertenMuseum ebenso zählen wie das Niemöller-Haus, die FU Berlin, die Domäne Dahlem oder der Botanische Garten.

Als einzigartiger Ausgangspunkt für eigene Erkundungen und geführte Fahrrad-Touren durch Zehlendorf-Dahlem bietet sich die 1931 entstandene und wiederbelebte Ladenstraße an. Mit ihren Einzelhändlern, Dienstleistungs- und Handwerksangeboten, mit ihrem jeden Donnerstag stattfindenden regionalen Wochenmarkt davor und nicht zuletzt mithilfe des durch die Ladenpassage ziehenden Duftes frisch gebrannten Kaffees weckt sie alle Sinne und macht aufnahmefähig für das, was der Ortsteil noch bietet. Für ihn setzt sich bereits seit langem der Verein Papageiensiedlung ein, der durch die Siedlung und den „Zukunftskiez Onkel Toms Hütte“ geführte Touren sowie einen Guide in Buchform anbietet. Auch das Haus am Waldsee hat Audio-Guides zu Onkel Toms Hütte und Schlachtensee in seinem Verleih-Angebot. Zur Verbesserung der Infrastruktur sollen im und um den Bahnhof Onkel Toms Hütte öffentliche Toiletten eingerichtet werden.

Der Bezirk mit der Wirtschaftsförderung arbeitet derzeit im Rahmen seines Tourismusprojektes aktiv an der Entwicklung der beschilderten Dahlem-Fahrradroute.

Auf bestem Weg zum Weltkulturerbe?

Anwohner, Freunde des Ortsteils und Vertreter der Politik, Wirtschaftsförderung und BVG sowie das Büro Bertsch Architekten, das die Dauerprojektion realisiert hat, kamen zur Eröffnung der Projektions-Ausstellung zusammen. Sie beweisen damit einmal mehr, welch Erfolg sich einstellt, wenn Engagierte unterschiedlichster Wirkungsbereiche miteinander anstatt gegeneinander für „ihre“ gemeinsame Sache Einsatz zeigen.

Heide Wohlers, Leiterin des Ladenstraßen-Projektes und seit Projektbeginn 2012 im Standortmanagement dabei, lobte in ihrer Rede den Nachbarschaftsgeist der Beteiligten und prophezeite optimistisch: „Mit der Ausstellung wird heute ein weiterer großer Schritt getan, um über Berlin und Deutschland hinaus Touristen aus aller Welt auf das Potential an Sehenswürdigkeiten dieses Ortsteils aufmerksam zu machen.“

Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski schloss sich in ihrem Grußwort Heide Wohlers an und begrüßte das über einen so langen Zeitraum kontinuierliche und durchaus nicht selbstverständliche Engagement von Eigentümern, Geschäftsleuten, Anwohnern, BVG und Wirtschaftsförderung, die dazu beigetragen haben, dass die schon beinahe totgesagte Ladenstraße nun bei Vollvermietung einen zweiten Frühling erleben kann. Diese so ganz besondere Kultur des Ortsteils locke „jenseits der Mitte“ schließlich die Berlin-Besucher in den Südwesten, die zum wiederholten Male die Hauptstadt aufsuchten. Zukünftig könnten sie diesen sehenswerten Kieztreffpunkt mit in ihre Dahlem-Fahrradroute integrieren. Die Bezirksbürgermeisterin sprach sich dabei auch für eine Fahrradleihstation in der Ladenstraße aus.

Christian Ansorge, Vorstandsvorsitzender des Onkel Toms Verein und Ladenstraßen-Besitzer, gab zu bedenken, dass zur Steigerung der Attraktivität des U-Bahnhofes „noch viel Schweiß und Geld fließen muss“. Er zählt dabei auf weitere bezirkliche Unterstützung, um die reichlich vorhandenen guten Ideen verwirklichen zu können. Dabei denkt er auch an die Einrichtung eines Bruno-Taut-Museums vor Ort.

Dem baulichen Bereich wandten sich in ihren Worten dann Manuela Damianakis von der Deutschen Wohnen (ehemals GEHAG) sowie der Architekt und Bauhistoriker Steffen Adam zu. Erstgenannte hob die bereits geleisteten und noch bevorstehenden denkmalgerechten Sanierungsleistungen an der Waldsiedlung Zehlendorf und ihrem umgebenden Gartendenkmals hervor, die dabei helfen, das Areal auf den UNESCO-Welterbe-Status zu erheben.

Steffen Adam vom Architektenteam, das die Ausstellung initiierte, betonte: „Die Ausstellung über die Waldsiedlung Onkel Toms Hütte soll den Anwohnern, Freunden, Gästen und Touristen, aber auch Fachleuten, Schülern und Studierenden Freude bereiten und sie in die Lage versetzen, eine der wichtigsten Siedlungen Berliner Moderne stärker wert zu schätzen. Dabei geht es in vier Kapiteln um die Umsetzung wissenschaftlicher Untersuchungen und baugeschichtlicher Forschung in eine Ausstellung, die allgemeinverständlich und unterhaltsam jeden anspricht. Es geht um den Zwiespalt zwischen Neuem Bauen und den Bauten Bruno Tauts. Wie sieht es mit der heutigen Baustruktur aus? Was können wir von Baumeistern wie Taut in unsere Zeit übernehmen?“ Steffen Adam sieht dann auch die Waldsiedlung Zehlendorf – wie so viele an diesem Abend – als Vorbild, das zum bestehenden Weltkulturerbe „Siedlungen der Berliner Moderne“ nachnominiert werden sollte.

Auf den Punkt brachte es abschließend Winfried Brenne, der in der Architekturwerkstatt Pitz-Brenne im Jahr 1987 die erste umfassende bauhistorische Dokumentation der Siedlung als Grundlage für denkmalgerechte Erneuerungs- und Instandsetzungsmaßnahmen erstellt hat. Er riet den Anwesenden: „Die Ladenstraße weckt die Kraft der Siedlung, die so voller Farbe und Lebensfreude steckt, in sich selbst zu ruhen. Mit dieser Ausstellung haben wir eine Grundlage gefunden, diese Erlebnissiedlung wiederzuentdecken. Möge sich Ihr Auge im Sommer an den Farben der Siedlung erfreuen!“

Jacqueline Lorenz

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