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Waldsee in Nöten, wann geht‘s endlich weiter, wo bleibt die Hilfe?

Den Anwohnern stinkt‘s

Das Südende des Waldsees - seit Jahren immer wieder eine stinkende trübe Brühe. Foto: Dr. Iris Pribilla
Das Südende des Waldsees - seit Jahren immer wieder eine stinkende trübe Brühe. Foto: Dr. Iris Pribilla
Erschienen in Nikolassee & Schlachtensee Journal Dezember/Januar 2021
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Seit Jahren macht der Waldseeverein auf die katastrophalen Zustände am See vor ihrer Haustür aufmerksam: Auf Verschlammung, Hochwasser nach Regengüssen und auf Fische, die aufgrund des niedrigen Sauerstoffgehalts des eigentlich so charmanten Waldsees sterben. Die Folge sind Fäkalgestank und eine unerträgliche Geruchsbelästigung besonders der am Südende des Sees niedergelassenen Anwohner, wie die Vereinsvorsitzenden Eva-Maria Blech und Dr. Iris Pribilla vom Waldseeverein bestätigen. Bereits im Jahr 2017 hatte die Bezirksverordnetenversammlung von Steglitz-Zehlendorf folgenden Beschluss gefasst: „Das Bezirksamt wird ersucht, zur Verbesserung der Wasserqualität des Waldsees gezielte Maßnahmen vorzunehmen.“ Doch – so der Verein für Umweltschutz und Landschaftspflege am Waldsee – seither sei nichts geschehen, vielmehr habe sich die Situation von Jahr zu Jahr verschlechtert.

Zwar ist vor bald 40 Jahren der Waldsee schon einmal entschlammt worden, doch notwendig ist es, ihn alle 20-30 Jahre zu säubern, um ihn vorm „Umkippen“ zu bewahren. Auch die vom Waldseeverein kürzlich erfolgte neue Bepflanzung des Seeufers, ist in Gefahr einzugehen. Seit 2005 verbietet das Berliner Wassergesetz zwar Einleitungen, die Gewässer negativ beeinflussen, dennoch habe das Umweltamt 2019 die Einleitung von Abwasser in den Waldsee für weitere 10 Jahre erlaubt, kritisiert der Verein, der eine zeitnahe Teilentschlammung des See-Südendes mit fachgerechter Entsorgung des gesundheitsgefährdenden Schlammes vehement fordert.

Die Uhr tickt

Die GAZETTE berichtete in einem Beitrag zum Thema bereits 2018 über Schäden an Anwohnergrundstücken, Natur und altem Baumbestand aufgrund mehrwöchiger Hochwasserstände im Waldsee und seiner zunehmenden Verschlammung. „Fünf vor 12“ war es bereits damals in diesem idyllisch gelegenen Kleinod, das der Eisvogel da noch gerne besuchte. Doch die dringende ökologische Sanierung blieb bis heute aus.

Der bei einer Länge von etwa 530 Metern 2,5 Hektar große Waldsee ist vor über 100 Jahren zwecks Grundwasserabsenkung durch Abgrabungen eines ehemaligen Fenns entstanden. Als sogenannter Vorfluter der regionalen Straßenentwässerung besitzt er drei Regenwassereinleitungsstellen, die ein insgesamt etwa 61 Hektar großes Einzugsgebiet der Areale Argentinische Allee 6, Fischerhüttenstraße 84a-88 und Goethestraße 15-17 in den Waldsee entwässern. Außerdem gibt es eine unterirdische Verbindung zum nördlichen Vierling, der ebenfalls zur Aufnahme von Niederschlagsabläufen dient. Einen öffentlichen Zugang zum Waldsee gibt es für Besucher nicht, von der Waldseebrücke am Erdmann-Graeser-Weg aus ist der See jedoch einsehbar. Sein Ufer aber ist nur über die Privatgrundstücke sowie über das Haus am Waldsee und das Haus der Jugend erreichbar.

Der Waldseeverein betont weiter, dass dieses Gewässer seit 1988 keinen Überlauf mehr in den Schlachtensee hat – ein im Grundbuch verbrieftes Recht der Anwohner besagt aber, dass der See nur in Ausnahmefällen und kurzzeitig bis auf 60 Zentimeter über den normalen Pegel gestaut werden darf, da ansonsten anliegende Keller volllaufen. 2007 und 2017 so geschehen, wobei auch etwa 80 sehr alte und große Bäume abstarben. Durch die Gulliwasser-Zuläufe steige der Seespiegel bei Starkregen sprunghaft an, erklären Vereinsmitglieder, sodass 30-50 Zentimeter Anstieg innerhalb weniger Stunden keine Seltenheit ist.

Wer ist zuständig?

Die GAZETTE-Redaktion bat Bezirksstadträtin Maren Schellenberg um Stellungnahme, die Antwort kam prompt:

„Zur Einordnung: Der Waldsee ist ein sogenanntes stehendes Gewässer zweiter Ordnung. Für die Organisation der Regenentwässerung sind die Berliner Wasserbetriebe (BWB) zuständig. Das Bezirksamt ist zum einen Eigentümer des Gewässers (Fachbereich Grünflächen), zum anderen die zuständige Genehmigungsbehörde für Maßnahmen am Gewässer (Gewässeraufsicht durch das Umwelt- und Naturschutzamt). Bei größeren Eingriffen oder Veränderungen – wie z. B. bei einer ökologischen Sanierung – werden beratend die Landesbehörden (Obere Wasserbehörde, Wasserwirtschaft, LaGeSo) hinzugezogen.

…Der See dient als Vorfluter für die regionale Straßenentwässerung rund um den See. Entsprechend ist das Wasser des Waldsees mit dem belastet, was die Straßenentwässerung enthält. Die Berliner Wasserwerke leiten aktuell Wasser aus der Straßenentwässerung über drei R-Kanäle ein. Außerdem leiten die BWB je nach Pegelstand automatisch per Pumpenanlage gereinigtes Wasser aus dem Schlachtensee auch in den Waldsee. Es flossen also „immer schon“ Straßenabwässer in den Waldsee. Die Wasserqualität des Waldsees ist mit Ausnahme des Bereichs um das Einlaufbauwerk an der Argentinischen Allee durchaus gut. Das Wasser ist klar, die Sichttiefe >1,20 Meter. Der Waldsee verfügt auch über eine gewässertypische Ufer-/Wasservegetation. Gerade das unter der Wasseroberfläche wachsende Hornkraut bildet Sauerstoff und bindet Nährstoffe, die ansonsten das Algenwachstum vorantreiben würden. Ebenfalls gibt es einen reichhaltigen Fischbestand im Waldsee. Das Bezirksamt hält eine Entschlammung des Bereiches an der Argentinischen Allee ebenfalls für notwendig. Dazu sind wir mit den BWB im Gespräch. Die Kosten dafür würden ca. 180.000 Euro betragen. Diese Kosten können nicht aus bezirklichen Mitteln finanziert werden. Das ist mit ein Grund dafür, dass sich die Gespräche immer noch hinziehen. Es ist richtig, dass die Keller mancher Anwohner im Sommer 2017 auf Grund von extremen Starkregenereignissen unter Wasser standen. Durch den Bezirk wurde daraufhin ein Abpumpen veranlasst. Die Möglichkeit, den Notablauf in den Schlachtensee wieder herzustellen, wird mit den BWB weiter geklärt. Dies kann aber immer nur eine Ausnahme sein.“

Der Waldseeverein hat nun einen Brief an die Fraktionen in der Bezirksversammlung gerichtet und um beschleunigende Unterstützung zugunsten einer nachhaltigen Waldsee-Zukunft gebeten. Er fordert neben der Entschlammung des See-Südendes ebenso dringend die Wiederöffnung des Überlaufkanals in den Schlachtensee. Die Vereinsmitglieder geben zu bedenken: „Geld ist immer eine Frage der Priorität. Da gehört wohl Umwelt- und Gesundheitsschutz an erster Stelle dazu!“

Weitere Informationen unter www.zehlendorf-waldsee.de

Jacqueline Lorenz

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