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Weites FELD für Theaterfreunde

„FELD Theater am Winterfeldtplatz“ löst „Hans Wurst Nachfahren“ ab

Gabi dan Droste (l.) und Susanne Beyer freuen sich auf viele Fest-Gäste am 15. und 16. Dezember.
Gabi dan Droste (l.) und Susanne Beyer freuen sich auf viele Fest-Gäste am 15. und 16. Dezember.
Erschienen in Gazette Schöneberg & Friedenau Dezember 2018
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Zuversichtlich blickt das gelbe Haus am Winterfeldtplatz in seine Theater-Zukunft, und die frechen Feldspatzen, die gerne mal an der offenen Terrassentür vorbeischauen, pfeifen es vom Dach:

Wo seit 1993 im Theater „Hans Wurst Nachfahren“ Siegfried Heinzmann und Barbara Kilian die Puppen tanzen ließen, wird auch zukünftig unter Gabi dan Droste und ihrem Team – mit innovativem Konzept und nicht weniger abwechslungsreich und spannend – für Klein und Groß Theater gemacht werden.

Am 15. und 16. Dezember, genau zwei Monate nach Schlüsselübergabe, stellen die jungen Theatermacher sich und ihre Ideen an diesen zwei „Tagen der offenen Tür“ mit vielen Überraschungen im FELD Theater am Winterfeldtplatz“ den Anwohnern, Unterstützern, Theaterfreunden und Neugierigen vor. „Wir wollen mit diesem ersten kleinen Festival auch „danke“ all denen sagen, die mit dazu beigetragen haben, dass es in diesem Haus weiterhin Theater geben wird“, erklärt Theaterleiterin Gabi dan Droste und denkt dabei besonders an die „Initiative Kiezkultur“, die mit ihrer Unterschriftensammlung maßgeblich zum Erhalt dieses Kulturraumes beigetragen hat, aber auch an die Bezirksverordnetenversammlung, die sich ebenfalls verstärkt für das Theaterhaus einsetzte. Dies gilt es an diesen Kennlerntagen Mitte Dezember zu feiern, ohne dabei den Blick auf Zukünftiges zu verlieren.

Aus acht Bewerbern der öffentlichen Ausschreibung ist die Spiel- und Theaterpädagogin Gabi dan Droste im Juni 2018 von der Fachjury als neue Spielstätten-Betreiberin ausgewählt worden. Hinter ihr steht ein Team nicht weniger theatererfahrener Mitstreiter wie Kulturmanagerin und Produzentin Susanne Beyer, zuständig für die administrativen Aufgaben, Performerin und Kulturwissenschaftlerin Eva Plischke und der Choreograph und Performer Martin Nachbar. Mit Fördermitteln unterstützt das Land Berlin den Theaterbetrieb zunächst bis zum Jahresende 2020.

FELD-Theater: Name ist Gesetz

Ein weites Programm-Feld gilt es für die neue Leiterin des Hauses zu beackern, auf dem – bildlich gesprochen – die Disziplinen Tanz, Performance, aber auch weiterhin das Figuren- und Puppentheater breit gesät sein werden, mit denen dan Droste nachhaltig Akzente setzen will, auch für das junge Publikum.

„Wir wollen die Sinne ansprechen, dabei thematisch aktuell agieren“, erklärt Gabi dan Droste, die sich auch vorstellen kann, im Kiez hochaktuelle Themen wie Gender mit in ihre Kulturarbeit einzubeziehen. Viel Erfahrung bringt sie von ihrer Arbeit im In- und Ausland mit, wo sie zahlreiche freie fächerübergreifende Theaterprojekte begleitete. Als „Gefilde“ bezeichnet sie sich und ihr Team, das im FELD-Theater auf reiche Ernte hinarbeiten wird, hin zu Anerkennung und Verständnis des Publikums. Das wird sich trotz neuer Eindrücke gerne an das über die Jahre liebgewonnene Puppenspiel-Theater „Hans Wurst Nachfahren“ erinnern. Deren Betreiber hatten sich nach über 25 Jahren aus persönlichen Gründen vom Theatergeschäft zurückgezogen: „Fröhlich und ganz ohne Verbitterung“, wie Barbara Kilian betont.

Erfolg beflügelt

Positiv blickt auch die Initiative Kiezkultur in die Zukunft, für die ihr Sprecher Jochen Dannert erklärt: „Wir finden die bisherige Arbeit der Senatskulturverwaltung bemerkenswert souverän; das beginnt bei der Wertschätzung der Kiezkultur, der konsequenten Auseinandersetzung mit dem Eigentümer und der Entscheidung, eine Spezialjury die Auswahl unter den zahlreichen Bewerbern um die Nachfolge der wunderbaren Hans Wurst Nachfahren treffen zu lassen. Wir haben keinen Anlass, mit dieser Entscheidung zu hadern. Denn inzwischen hat sich das neue Team um Gabi dan Droste im Kulturausschuss der BVV – wie man hört – überzeugend vorgestellt. In dem Projekt „FELD Theater am Winterfeldtplatz“ steckt viel „Herzblut“ der Anwohner: 1986 stand das Gebäude noch unmittelbar vor dem Abriss, eine Bürgerinitiative hat damals sein Schicksal gewendet, und seitdem war es die Spielstätte der Hans Wurst Nachfahren. Deren hervorragende Arbeit möchten wir auch noch einmal ausdrücklich würdigen. – Die öffentliche Wertschätzung spiegelt sich ja auch in der hohen Beteiligung an der Petition um den Fortbestand des Theaters mit fast 16.000 Unterschriften wider. Fatal war erneut die Situation 2013: Das Theater wurde an einen Privatier verkauft, der es unverzüglich schließen wollte. Und wieder mussten die Bürger mitmischen, um dies zu verhindern. – Erfolge beflügeln. Wir sind hochmotiviert, den Neustart des Theaters nach Kräften zu unterstützen, und wir freuen uns auf die Wiedereröffnung Mitte Dezember.“

Dass diese Freude bald auch ihr Publikum erfüllt, wünschen sich Gabi und ihr Theaterteam inständig für ihre zukünftige Arbeit in dem fröhlich gelben Haus.

So können sich die „Feldmäuse“, wie das Gefilde das jüngste Publikum im Alter zwischen 2 und 5 Jahren nennt, aber auch alle anderen Theaterfreunde auf ein breites Angebot freuen, das Kleinkinder, Kinder und Jugendliche ebenso ansprechen will wie ältere Menschen. Dabei wird auch das „Selber – und Mitmachen“ nie zu kurz kommen: „Wir wollen über die Kunst und das Theater unerschöpfliche Wege eröffnen, die Welt mit allen Sinnen zu entdecken und zu begreifen“, erklärt Produzentin Susanne Beyer. Daher richtet sich das Team mit Musik, Tanz, Objekten, Puppen und Bewegung sowie sorgfältig ausgewählten Arbeiten und Künstlern speziell für kleine Leute zusätzlich an Kitas, die es bei Bedarf in deren Räumen besucht.

Am 15. und 16. Dezember weht erst einmal frischer Wind durch die Theaterräume und ist Thema des Tanztheaterstückes „IM WIND – Cinira Macedo & Boris Hauf“: Mal weht es da schmeichelnd, mal wispernd durch´s FELD, mal tobt er als Sturm und ist kaum zu besänftigen. – Und am 28. und 29. Dezember erklärt nicht weniger spannend mit Bildern und Worten „RAWUMS – florschütz & döhnert“, warum das Fallen so federleicht, das Fliegen aber so schwer ist.

FELDarbeit

Verschiedene Kooperationen zu Berliner Jugendkunstschulen und Kulturinstitutionen pflegt Gabi dan der Droste bereits und arbeitet kontinuierlich an der Erweiterung ihres Theater-Netzwerks. Dabei gibt es auch noch einiges zu tun im Haus, dem das Team ein eigenes, in frischem Feldgrün erstrahlendes Gesicht geben will. Die Prunk-Kronleuchter werden gegen weiße Kugelleuchten ausgetauscht, in die beiden übereinanderliegenden Theatersäle soll mehr Tageslicht einziehen. Auch für den zum Hinterhof gelegenen Treppenpodest haben Gabi & Co. bereits belebende Ideen. Und auf der sonnigen Terrasse vor dem Theater werden vielleicht bald schon die Nachbarn bei Waffeln, Kaffee oder Erbsensuppe aus der „Feldküchen-Gulaschkanone“ und dem kleinen Haus-Café zur lebhaften Diskussion über das ein oder andere neu inszenierte FELD-Theaterstück zusammenkommen, während die frechen Feldsperlinge lautstark um die besten Krümel zanken.

– Das gelbe Haus und seine Besucher sehen spannenden Theaterzeiten entgegen.

Jacqueline Lorenz

FELD Theater am Winterfeldtplatz

Gleditschstraße 5 in 10781 Berlin-Schöneberg

Informationen zu Programm und Theater unter www.theateramwinterfeldtplatz.de

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