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Frauen stärken das Handwerk – mit und ohne Gütesiegel

Projekt auch im dritten Jahr offen für interessierte Berliner Betriebe

Grafik: k.o.s
Grafik: k.o.s
Erschienen in Gazette Wilmersdorf Februar 2018
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Seit Februar 2016 und noch bis Ende 2018 läuft in Berlin das Projekt „Frauen stärken das Handwerk“, das interessierte Betriebe zur Teilnahme einlädt. Unter dem Motto „neue Wege entdecken & Chancengleichheit schaffen“ wendet es sich an handwerkliche Klein- und Kleinstbetriebe mit bis zu 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und zielt damit auf eine Verbesserung der Aufstiegs- und Entwicklungschancen von Frauen im Berliner Handwerk. Ein Hauptanliegen des in Kooperation mit den Unternehmerfrauen im Handwerk e. V. – Landesverband Berlin durchgeführten, durch die SEAIF Berlin, Abteilung Frauen und Gleichstellungspolitik begleiteten und vom Bundesministerium und ESF-geförderten Projektes ist, die öffentliche Wahrnehmung der handwerklich tätigen Frauen zu stärken, ihnen in den Betrieben Unterstützungsangebote zu offerieren und weiterführende Informationen an die Hand zu geben. Unterstützer wie Innungen, Handwerkskammern und Gewerkschaften wissen die Beteiligten dabei an ihrer Seite.

Zur besseren Sichtbarmachung entwickelten anlässlich des Projektes die Mitarbeiter der projektdurchführenden „k.o.s GmbH“ gemeinsam mit Akteuren aus Handwerk, Politik und Wirtschaft ein Gütesiegel zur Chancengleichheit im Handwerk. Es wendet sich an kleine Berliner Betriebe, die eines von immerhin 130 verschiedenen Gewerken betreiben und mit ihrer Unternehmensstruktur – oft ohne zusätzliche finanzielle Ressourcen – ihren nicht zu verachtenden Beitrag zur Gleichstellung von Mann und Frau leisten.

Mit Gütesiegel und Chancengleichheit zum starken Handwerk

Eine erste Auszeichnung mit dem Siegel erfuhren am 9. November 2017 für ihr Engagement auf dem Gleichstellungs-Gebiet sieben Berliner Teilnehmer-Betriebe (siehe Foto): Einbandkunst und Restaurierung Tiemeyer, Juwelier Foryta, Energie- und Umwelttechnik Matern GmbH, maske Berlin, Princess Cheesecake, Herbert Straube und Sohn Malermeister GmbH und die Zehlendorfer Bernhard Roll GmbH für Heizungs-, Sanitär-, Klima- und Solartechnik tragen mit der Pflege ihrer Unternehmenskultur maßgeblich und in Vorbildfunktion zu einer chancengleichen Teilhabe von männlichen und weiblichen Mitarbeitern bei. Zu ihren Beweggründen, mit ihrem fünfköpfigen Unternehmen am Projekt teilzunehmen, erklärt Prokuristin Beate Roll, die auch seit Jahren engagierte Mitstreiterin der UFH ist: „Uns hat immer interessiert, wie andere Betriebe weibliche Mitarbeiterinnen für das Handwerk gewinnen, integrieren, fördern und sichtbar machen. Ein zu diesem Thema wirklich interessantes Projekt, das wir nur empfehlen können.“ Und auf die zum Ende dieses Jahres vorgesehene zweite Gütesiegel-Verleihung arbeitet mit ihren 23 männlichen und weiblichen Mitarbeitenden bereits seit vorigem Jahr die in Berlin-Lichterfelde ansässige Bernecker & Block Sanitär-Elektro GmbH hin. Ihr Geschäftsführer Ernst-Georg Krohm bringt auf den Punkt, weshalb sein Unternehmen so viel Einsatz zeigt: „Wir machen mit, weil Talent und Lust an der Arbeit kein Geschlecht kennt. Außerdem bringt „Frau“ Stil und gehobenen Humor in eine reine Männerriege und lockt damit gutes Benehmen hervor.“

Längst sind einst „typisch“ männliche Handwerksberufe auch in weibliche Hände gelangt, und so mache Frauenhand schwingt heute erfolgreich die Maurerkelle oder den Malerpinsel und backt frühmorgens alles andere als kleine Brötchen. Dennoch arbeiten nur ca. 32 Prozent Frauen im Handwerk. – Dabei bereichern sie die eingefleischten Männerriegen nicht selten durch feinmotorisches Geschick und ihren Sinn für Ästhetik. Und auch der Umgangston in gemischten Teams ist oftmals freundlicher. So wundert es kaum, dass Kunden äußerst positiv auf Frauen im Handwerk reagieren. – Argumente, die für eine vermehrte Einstellung von Frauen in den Betrieben sprechen und auch die noch immer männerdominierten Gewerke überzeugen sollten.

Traditionelles Handwerk mit modernem Rollenverständnis

Als Unternehmen der Bildungsberatung bietet k.o.s den Projektteilnehmenden neben der Entwicklung und Einführung des Gütesiegels ein breites Band an Qualifizierungsangeboten, das den Frauen im Handwerk sowie Inhabern und Betrieben aktive Unterstützung und Beratung bereithält. Auf einer für die Öffentlichkeit errichteten Plattform werden Beteiligte beider Geschlechter darüber hinaus präsentiert und erhalten die Möglichkeit zu Austausch und Informationserwerb.

Doch wie erreicht das Projekt mit seiner so wichtigen Aussage kleine Handwerksbetriebe, deren Alltag von Auftragsabwicklung und Zeitknappheit bestimmt ist? k.o.s-Projektreferentin Marie Prescher erklärt dazu: „Wir sind in Netzwerken, Fachzeitschriften und Social Media unterwegs. Als sogenannte Botschafter sind erfahrene Handwerkerinnen und Handwerker engagiert im Einsatz, indem sie den Projektgedanken in die Handwerksbetriebe und die Öffentlichkeit hinaustragen.“ Darüber eine gute Unternehmenskultur zu schaffen, die Gesprächsbereitschaft voraussetzt und schließlich allen Beschäftigten nutzt, das gehört zum gewünschten Projektergebnis.

Marie Prescher betont: „Den teilnehmenden Betrieben bieten wir hochwertige Angebote, die sie kostenfrei nutzen können. Dazu gehört Unterstützung in ihrer Öffentlichkeitsarbeit ebenso wie im fachlichen Bereich.“ Denn Handwerksbetriebe könnten ein viel besseres Image haben, wenn der Gesellschaft bewusster wäre, welch hochspezialisierte Fachkräfte dahinter stehen. Frauen und Männern gleiches Interesse und gleiche Wertschätzung im Handwerksbereich und als Fachkräfte-Zielgruppe entgegenzubringen, – sei es bei Innungsversammlungen, in der Handwerks-Organisation oder in Fachzeitschriften – ist dabei stete Projekt-Herausforderung, die das traditionelle Handwerk und modernes Rollenverständnis zukünftig ganz selbstverständlich Seite an Seite sehen will.

Was erwartet Handwerkbetriebe, die kostenlos am Projekt teilnehmen möchten?

Um das Gütesiegel zum Thema Gleichstellung hin zu mehr öffentlicher Anerkennung und Wertschätzung erlangen zu können, werden vorab die Unternehmenskulturen der angemeldeten Handwerkbetriebe mit ihren Normen und Werten betrachtet, ebenso ihre strukturellen und strategischen Maßnahmen hin zur chancengleichen Teilhabe von Mann und Frau im Arbeitsleben.

Am Anfang steht die Anmeldung des interessierten Handwerkbetriebes über E-Mail oder Telefon. In einem Erstgespräch informiert k.o.s die /den Vertreter des jeweiligen Betriebes über den Ablauf des Gütesiegelprozesses, wobei gemeinsam Ziele und Handlungsfelder festgelegt werden. Das Siegel umfasst sechs Handlungsfelder, die – nach Baukastenprinzip zusammengesetzt – von der Entscheidungsführung bis hin zu Arbeitsorganisation und Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben reichen.

Nach Unterzeichnung dieser Leitlinien besitzt der Betrieb den Anwärterstatus und erhält alle Dokumente zur Erlangung des Gütesiegelstatus. Auf der k.o.s-Webseite wird zusätzlich sein Betriebsprofil präsentiert.

Nachdem anhand der Handlungsfelder der aktuelle Ist-Zustand des Betriebes erhoben worden ist, folgt die Abgabe von standardisierten, anonym auszufüllenden Fragebogen an alle Mitarbeiter sowie ein Interview mit der Geschäftsführung.

Nach Datenauswertung und Zusammenfassung in einem Bericht werden bei Bedarf unterstützende Maßnahmen zur Weiterentwicklung hin zur Stärkung der Handlungskompetenz in Sachen Chancengleichheit angeboten. Eine unabhängige Jury bewertet dann das Ergebnis.

In einem gemeinsamen Auswertungsgespräch mit dem Betrieb werden die Ergebnisse schließlich reflektiert. Der Ergebnisbericht wird dem Betrieb übergeben.

Der Gütesiegel-Vollstatus wird dem Betrieb schließlich im Rahmen einer öffentlichen Verleihung erklärt.

Neugierig geworden und interessiert, am Projekt teilzunehmen und Vorbild zu werden?

Anmeldungsformular und weitere Informationen unter www.starkes-handwerk-berlin.de und www.facebook.com/starkesHandwerkBerlin/ .

Jacqueline Lorenz

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