Gazette Verbrauchermagazin

„Dark Whispers“ Im Haus am Kleistpark

Fotos aus kolonial beeinflussten Lebenswelten von Myanmar

Beatrice Minda, „Dauntgyi“, 2016.
Beatrice Minda, „Dauntgyi“, 2016.
Erschienen in Gazette Schöneberg & Friedenau Juli 2021
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Beatrice Minda präsentiert ihre Arbeit „Dark Whispers“ im Haus am Kleistpark. Die Künstlerin hat im fernöstlichen Myanmar kleine und große Anwesen fotografiert, die aus kolonial beeinflussten Lebenswelten zu Beginn des 20. Jahrhunderts stammen. Sie fokussiert auf das private Interieur im Kontext historischer Ereignisse. Im April 2021 erschien die gleichnamige Publikation bei hartmann books. Myanmar war durch eine Militärdiktatur jahrzehntelang abgeschottet. Verborgen blieben die privaten Innenräume, die von den individuellen und kollektiven Erfahrungen innerhalb der komplexen Geschichte dieses Landes erzählen.

Der Vergangenheit nachspüren

Minda spürt mit ihren Fotografien den Lebenswelten der Bewohner und den Zeichen von Veränderungen nach. Der künstlerische fotografische Blick lässt die widersprüchlichen Aspekte der Kolonialzeit und ihrer Folgen zu. Die Arbeiten konzentrieren sich auf die Atmosphären verflossenen Lebens und auf die Repräsentationsformen, in denen sich die Bewohner einst zu verwirklichen suchten. Oft sind es seit Jahrzehnten unberührte Gegenstände, die vom Kosmos einer untergegangenen Welt zeugen. Doch zwischen dem Damals und dem Heute klaffen große Lücken. Eine unheimliche Leere beseelt die fotografierten Räume. Dunkles Flüstern hallt durch sie hindurch – ein Memento Mori, das an das viele Unausgesprochene der Burmesischen Geschichte erinnert.

Baufällige Zeugen

Die meisten dieser baufälligen Zeugen sind heute den Auswirkungen von Marktmacht und Globalisierung ausgesetzt und stehen an der Schwelle zum Verschwinden. Mit der neuesten politischen Entwicklung in Myanmar ist das Thema aktueller denn je. Beatrice Minda, geboren 1968, war Meisterschülerin von Katharina Sieverding und arbeitet seit 1997 als freischaffende Künstlerin mit Schwerpunkt künstlerische Fotografie. Sie hat zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen realisiert und ist vielfach ausgezeichnet worden. Bekannt wurde sie durch ihre Publikationen „Innenwelt. Fotografien aus Rumänien und aus dem Exil“, Hatje Cantz 2007 und „Iran. Interrupted“, Hatje Cantz 2014.

Die Ausstellung „Dark Whispers“ ist bis zum 8. August zu sehen. Haus am Kleistpark, Projektraum, Grunewaldstraße 6 – 7, 10823 Berlin. Öffnungszeiten und aktuelle Hygienebedingungen unter www.hausamkleistpark.de .

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