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Das Frühwerk von Robert Liebknecht

Käthe-Kollwitz-Museum zeigt Werke des Sohns von Karl Liebknecht

Erschienen in Gazette Charlottenburg Januar 2019
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Guthmann & Guthmann
Karl Liebknecht, porträtiert von seinem Sohn Robert im Jahr 1930. Foto: Käthe-Kollwitz-Museum
Karl Liebknecht, porträtiert von seinem Sohn Robert im Jahr 1930. Foto: Käthe-Kollwitz-Museum

Das Ende des Ersten Weltkrieges im November 1918 führte in ein Jahr der Revolution, das auch in Berlin bürgerkriegsartige Unruhen hervorrief. Am 15. Januar 1919 wurden die Sozialisten Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg ermordet. Käthe Kollwitz zeichnete Liebknecht auf dem Totenbett und lernte die Familie des Ermordeten kennen. Der damals 16-Jährige Sohn Robert Liebknecht wurde bei ihr vorstellig, sie sollte sich ein Bild von seinem Talent machen.

Seit 1917 nahm der junge Liebknecht Zeichenunterricht bei der Ehefrau des väterlichen Anwaltskollegen Oskar Cohn, der Künstlerin Sophie Cohn. Der Vater hatte es noch aus dem Gefängnis heraus gestattet, dass Robert Liebknecht seiner künstlerischen Neigung nachgehen durfte, „aber alles andere, die Grundlage, die Schule, darf nicht vernachlässigt werden”.

Käthe Kollwitz konnte aber nicht umhin, Robert eine weitere künstlerische Ausbildung anzuraten, denn sie hielt ihn für „sehr begabt. Von ungeheurem Temperament [...] sind seine Zeichnungen“. Robert Liebknecht schlug den künstlerischen Weg ein, lernte zunächst in Berlin an einer privaten Kunstschule bei Hans Baluschek und Willy Jaeckel und später an der Dresdner Kunstakademie bei dem Spätimpressionisten Robert Sterl, der für seine Arbeitermotive, Musikerporträts und stimmungsvollen Russlandbilder berühmt war.

Robert Liebknecht entwickelte ein Interesse an der Darstellung von Landschaften, dem Stadtraum und den Menschen im urbanen Umfeld. Nach einer kurzen Zeit als Meisterschüler von Sterl kehrte er 1930 nach Berlin zurück und ließ sich im Norden der Stadt, im Wedding nieder. Die Berliner Umgebung, die Stadtlandschaft, Café- und Straßenszenen waren seine malerischen Themen dieser Zeit.

Das Käthe-Kollwitz-Museum zeigt in einer Sonderausstellung Robert Liebknechts frühe Arbeiten der Dresdner und Berliner Zeit, welche die Einschätzung der Grafikerin Käthe Kollwitz von einem „sehr begabten“ jungen Künstler bestätigen. Ca. 40 Gemälde, Zeichnungen und Grafiken, die zum Teil noch nie präsentiert wurden, sind im Kuppelraum des Kollwitz-Museums zu sehen. Die Ausstellung wird ergänzt durch eine Studioausstellung zu Käthe Kollwitz‘ Werk „Gedenkblatt für Karl Liebknecht“.

Käthe-Kollwitz-Museum Berlin

Fasanenstraße 24 · 10719 Berlin
Öffnungszeiten: Täglich 11 bis 18 Uhr. Eintritt 7 Euro, ermäßigt 4 Euro, unter 18 Jahren Eintritt frei.
Die Ausstellung ist bis zum 3. Februar zu sehen.

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