Gazette Verbrauchermagazin

Verlängerung der U3

Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Steglitz-Zehlendorf diskutiert

Endstation: Am U-Bahnhof Krumme Lanke enden die Gleise.
Endstation: Am U-Bahnhof Krumme Lanke enden die Gleise.
Erschienen in Gazette Steglitz und Zehlendorf Mai 2021

Seit Jahren bestehen bereits Überlegungen, die Lücke zwischen der U-Bahnlinie 3 (Krumme Lanke) und der S-Bahnlinie 1 (Mexikoplatz) durch eine Verlängerung der U3 zu schließen. Schon heute reichen die Gleise der U3 über die Endstation Krumme Lanke hinaus, sodass nur eine Reststrecke von ca. 700 Metern fehlt. Mit der Verlängerung könnte eine neue Umsteigeverbindung von der City-West nach Zehlendorf und zurück geschaffen werden, die ggf. auch noch bis nach Kleinmachnow verlängert werden könnte. Im Folgenden nehmen die Fraktionen in der BVV zu dem aktuellen Projekt Stellung.

CDU-Fraktion

Die CDU fordert seit Jahren die Komplettierung des Berliner U-Bahnnetzes. Mit der Verlängerung der U3 wird es künftig möglich sein, schneller aus Zehlendorf in der City-West zu sein, nicht mehr 2x umsteigen, einfach durchfahren! Der Lückenschluss lohnt sich auch für die Menschen, die aus der S-Bahnlinie 1 umsteigen wollen, auch die S1 kann dadurch entlastet werden, weil eben schon früher in Richtung City-West umgestiegen wird – und nicht erst in Steglitz über die U-Bahnline 9. Dabei wird die Strecke berlinweit das günstigste U-Bahnprojekt. Der Straßenverkehr wird in der Bauphase kaum eingeschränkt. Wir werden auch dafür sorgen, dass der Mexikoplatz in seiner einmaligen Gestaltung uneingeschränkt erhalten bleibt. Die Kosten des Projektes werden nicht mehr als 50 Mio. Euro betragen, dies ist eine lohnende Investition in den öffentlichen Nahverkehr, der Bund wird mindestens drei Viertel der Kosten aus Fördermitteln beisteuern. Die CDU will die Menschen durch attraktive Angebote dazu ermuntern, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen und sie nicht durch Verbote dazu zwingen, wie die Grünen.

Wir wollen den Lückschluss so schnell wie möglich!

Jens Kronhagel

SPD-Fraktion

„Berlin braucht ein leistungsfähiges, hochwertiges und schnelles Verkehrsnetz, damit die Berlinerinnen und Berliner rund um die Uhr zuverlässig an ihr Ziel kommen“, sagte Giffey (SPD-Spitzenkandidatin). Die Verlängerung der U3 von Krumme Lanke zum S-Bhf. Mexikoplatz ist seit Jahren eine Herzensangelegenheit und Forderung der SPD gewesen. Umso mehr freut es uns, dass sich andere politische Mitbewerber unserer Forderung angeschlossen haben und die zeitnahe Umsetzung fordern. Die Verknüpfung von U-Bahn und S-Bahn wird neue Wegebeziehungen herstellen und schnelle Verbindungen in die City-West schaffen. Wir sind optimistisch, dass jetzt eine Realisierung der Verlängerung angegangen wird, da der rot-rot-grüne Senat dieses Projekt unterstützt und eine Wirtschaftlichkeit gegeben ist. Jetzt sind die finanziellen Rahmenbedingungen im Haushalt zu schaffen und die BVG mit der Projektsteuerung zur Realisierung zu beauftragen. Für die SPD ist der Mexikoplatz jedoch nur ein Zwischenhalt. Eine Verlängerung über Düppel nach Kleinmachnow / Stahnsdorf würde diese Strecke noch attraktiver machen und Pkw-Verkehre zum P+R nach Zehlendorf reduzieren.

Norbert Buchta

B‘90/Grünen-Fraktion

CDU und SPD liefern sich in der Diskussion um den dringend notwendigen Ausbau der U3 einen Wettkampf, um sich die Anbindung des Mexikoplatzes auf die Fahne zu schreiben. In Wahrheit haben das weder SPD noch CDU in ihrer Regierungsverantwortung geschafft. Erst durch das GRÜN regierte Verkehrsressort auf Landesebene wurde der Weg für die U3-Anbindung frei gemacht. Das ist grüne Politik und es steht anderen Parteien nicht gut zu Gesicht, sich mit fremden Federn zu schmücken.

Seit Jahren geben CDU und SPD viele Milliarden für Straßenbau aus, der nur zu mehr Autostau führt. Unsere grünen Ressorts dagegen beauftragen in Milliardenhöhe mehr U- und S-Bahnwagen – für einen dichteren Takt. Wir schaffen neue Linien für ein dichtes ÖPNV-Netz in der ganzen Stadt. Wir schließen bei der U-Bahn die Lücken zum Umsteigen zu S- und Regionalbahn. Bus und Tram werden auf eigenen Spuren schneller. Die Menschen in Bus, Tram, R-, S- und U-Bahn werden profitieren, viele mehr zum immer attraktiveren ÖPNV umsteigen. Wir erreichen mehr Sicherheit und Ruhe in vom Auto entlasteten Straßen und Wohngebieten. Es macht einen Unterschied Grün zu wählen.

Bernd Steinhoff

AfD-Fraktion

„Na dit wär ma schön!“ Nach intensiven Gesprächen der AfD-Bezirksverordneten mit Anwohnern und Pendlern, die über den S-Bahnhof Mexikoplatz in die Stadt hineinfahren, ist klar: die U-Bahn-Linie 3 soll vom Bahnhof Krumme Lanke bis zum Mexikoplatz weitergebaut werden. Perspektivisch ist auch eine Fortführung der U-Bahn-Linie bis Düppel, Kleinmachnow und Stahnsdorf in die Planungen aufzunehmen. Schon in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatte es Pläne gegeben, die U-Bahn bis zur Machnower Schleuse weiterzubauen. Zunächst wird es am Mexikoplatz voraussichtlich zu einer verstärkten Nachfrage nach Park-and-Ride-Plätzen kommen. Nicht zuletzt wegen der architektonischen Besonderheiten des Mexikoplatzes ist hierfür eine harmonische Lösung wichtig. Die AfD-Fraktion sieht dafür auf der südlichen Seite des S-Bahndamms den besten Platz gegeben, um das Denkmalschutz-Ensemble Mexikoplatz in seiner Einzigartigkeit zu erhalten. Freuen wir uns auf diese sinnvolle Verbindung des S-Bahnhofs Mexikoplatz mit dem U-Bahnhof Krumme Lanke – und damit auf eine wesentlich bessere U-Bahn-Anbindung des Berliner Westens.

Peer Lars Döhnert

FDP-Fraktion

Die FDP fordert bereits seit vielen Jahren den zügigen Lückenschluss bei der U3 zwischen der U-Bahnstation Krumme Lanke und der S-Bahnstation Mexikoplatz, so z. B. bei einer Informationsveranstaltung mit der BVG in 2018. Ob eine Verlängerung nach Kleinmachnow sinnvoll ist, sollte untersucht werden. Diese Prüfung darf aber nicht dazu führen, dass der längst fällige Lückenschluss erst danach erfolgt. Der Lückenschluss ist nur ein Schritt. Anwohner, dies hat der Termin in 2018 ergeben, wünschen sich darüber hinaus, dass der Bereich der Matterhornstraße besser mit dem U-Bahnnetz verbunden wird. Grüne und FDP haben sich erst kürzlich in der BVV dafür eingesetzt, dass in dieser Straße ein Modellversuch zum automatisierten fahrerlosen Kleinbus zur besseren Erschließung von Schlachtensee durchgeführt wird. Wir wünschen uns aber nicht nur an dieser Stelle eine Verbesserung des Nahverkehrs. Wir setzen uns zudem dafür ein, die Stammbahn baldmöglichst wieder in Betrieb zu nehmen, und fordern den Bau der U9 bis nach Lankwitz und Marienfelde, um in diesem Zusammenhang auch das Neubaugebiet ParksRange besser zu erschließen.

Rolf Breidenbach

Linksfraktion

Eine Verlängerung der U3 bis zum Mexikoplatz – da können alle mitgehen, finden wir. Der Anschluss von U- ans S-Bahn-Netz macht Sinn, weil damit der ÖPNV gestärkt wird. Das Schönste: In der Bezirkspolitik tut es niemandem weh, weil die Kosten dafür anderswo anfallen. Die BVG wäre zuständig, bezahlen müsste das Land Berlin. Deshalb wird es große Einigkeit geben bei den Verordneten des Bezirksparlaments. Speziell auch bei CDU und Grünen, die sich ansonsten in Fragen einer Verkehrspolitik zur Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs nicht gerade mit Ruhm bekleckern. Der Ausbau der Radwege-Infrastruktur stockt, die Ausweitung von Parkraumbewirtschaftung wird abgelehnt, der von uns geforderten Busspur auf dem Hindenburgdamm wird eine Absage erteilt, intelligente und vorausschauende Verkehrsplanung in Lichterfelde Süd findet nicht statt. Eine ernstgemeinte Verkehrswende sieht anders aus!

Aber die braucht es in Steglitz-Zehlendorf und anderswo! Die Verlängerung der U3 wäre ein kleiner Beitrag dazu, der allerdings noch lange auf sich wird warten lassen. Andere Projekte hätte der Bezirk in der Hand und könnte handeln – jetzt!

Mathias Gruner

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