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Die Ameisen aus dem Selerweg

Das große Krabbeln als erfolgreiche Geschäftsidee

Martin Sebesta hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Foto: Antstore
Martin Sebesta hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Foto: Antstore
Erschienen in Gazette Steglitz März 2021
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Nicht jeder liebt sie auf dem Honigbrot oder im Küchenbereich. Doch wer sich einmal näher mit Ameisen beschäftigt, wird bald ihrer Faszination erliegen. Ameisenhaltung als Hobby wird bei Terrarienfreunden immer beliebter. Weltweit gibt es rund 15.000 Ameisenarten, allein in Deutschland leben um die 100 Arten.

Um diesen kleinen wirbellosen Alleskönnern die jeweils passende Umgebung zum Wohlfühlen bieten zu können, gibt es Ameisen-Profi Martin Sebesta, der bereits seit 21 Jahren mit seinem Geschäftsmodell „Antstore“ Anlaufstelle für Einsteiger und Fortgeschrittene ist. Sein Fachhandel im Steglitzer Selerweg 41 gilt als weltweit einziges Ladengeschäft und erstes am Markt, das umfangreiche Beratung, individuell angepasstes Zubehör und im Shop rund 300 Ameisenarten für Privat- und Fachleute bietet.

Vom Hobby zum Beruf

Bereits im Alter von fünf Jahren buddelte Martin im elterlichen Garten, um Ameisengänge freizulegen und die Nester der emsigen Tierchen genauer in Augenschein nehmen zu können. Wenig später rüstet er ein altes Aquarium um. Eine schwarmgesammelte Königin legte den Grundstock für sein Wissen über Ameisen, fachlich begleitet wurde er dabei von versierten Biologen. Nach und nach kamen auch exotische Ameisenarten dazu.

Als der junge Ameisenfreund in den 90er-Jahren im Internet nach Informationsseiten über Ameisen suchte, entdeckte er eine Nische. Selbst entwickelte er in Steglitz mit noch einfachen technischen Mitteln eine erste Info-Seite mit Bildern und Beschreibungen von Haltungsbehältern, die vom Fachpublikum über Erwarten gut angenommen wurde. Die Zahl der Anfragen zum Thema Ameisenhaltung und Beschaffenheit der Behältnisse an ihn stieg derartig, dass Martin Sebesta am 2. Februar 2000 schließlich seine Gewerbeanmeldung in den Händen hielt. Mit Materialien aus Baumärkten und Zoofachgeschäften fertigte er von nun an in seiner Privatwohnung artgerechte Haltungsbehälter für einheimische und exotische Arten, wie es sie im Handel nicht gab, und baute damit einen Online-Vertrieb auf.

Nach schwerer Erkrankung, die ihn erst einmal ausbremste, brach Sebesta schließlich zu neuen Ufern auf und bereiste die Welt: U.a. Australien, Afrika und Asien eröffneten ihm ihre Ameisenarten-Vielfalt und vermittelten ihm vor Ort Nützliches über Nestbau und Habitate für seinen zukünftigen Formicarien (Haltungsbehälter)-Bau.

Zurück in der Heimat ergänzte Sebesta seinen Online-Shop im Jahr 2003 mit der Eröffnung seines ersten Ladengeschäfts in einem Mietshaus in der Klingsorstraße in Steglitz. Doch bald platzte der kleine Laden aus allen Nähten und der junge Geschäftsmann musste weitere Wohnungen im Haus auf unterschiedlichen Etagen anmieten, um Platz für sein Sortiment zu schaffen. „Eine logistische Herausforderung“, erinnert sich Martin Sebesta. Lieferanten mussten auf der Straße ausladen, ein Treppenmarathon in die jeweiligen Wohnungs-Lagerräume folgte.

Abhilfe schaffte 2009 der Umzug in die Fabriketage am Selerweg, die nun Antstore und seinem inzwischen 24-köpfigen Team auf den in mehrere Räume unterteilten 1000 Quadratmetern unkompliziert Platz für Ladengeschäft, Planung, Online-Versand in die ganze Welt und für die Produktion bietet.

Zu den Antstore-Kunden, die EU-weit das beruhigende Beobachten der emsigen Ameisenkolonien für sich entdeckt haben, zählen überwiegend männliche Privatkunden aller Altersgruppen, aber auch wissenschaftliche Einrichtungen, Museen, Praxen und Anwaltskanzleien. Es krabbelt bei „Globetrotter“ und ebenso in der Biosphäre Potsdam. Einer Expansion ins weitere Ausland steht nichts im Wege.

Alles aus einer Hand

Für seine individuelle Formicarien-Fertigung hat Sebesta vor Ort eine spezielle Glas- und Kunststoffwerkstatt eingerichtet. „So sind wir von Zulieferern nahezu unabhängig und können auf Sonderwünsche schneller reagieren“, erklärt er, der als Betriebswirtschaftler und Industriemechaniker wichtiges zusätzliches Know-how mitbringt.

Und dann ist da das Wichtigste, die Lebendware: Ameisen, die möglichst komfortabel und unversehrt in ihre neue Heimat transportiert werden: Antstore mit Martin Sebesta an der Spitze hat dazu ein über die ganze Welt aufgebautes Netzwerk aus zuverlässigen Fachleuten an seiner Seite, die in den jeweiligen Ländern und Erdteilen, aus denen die bestellten Ameisen kommen, ansässig sind. Sie arbeiten in Mittel- und Südeuropa ebenso wie in Afrika, Amerika, Asien und Australien. Da es sich bei den Ameisen um Wirbellose handelt, ist die Transport-Bürokratie unkomplizierter als beim Transport von Wirbeltieren.

Auf der übersichtlichen Webseite des Unternehmens, aber auch in zahlreichen You-Tube –Beiträgen von Martin Sebesta findet der ameisenaffine Mensch neben dem Online-Angebot ein umfangreiches Beratungsspektrum mit Auktionsplattform. Und längst ist Martin Sebesta immer wieder gern geladener TV-Gast, wenn es um das Thema Ameisen geht.

Jetzt in Corona-Zeiten sei die Nachfrage nach krabbelnden Hausgenossen noch gestiegen, erklärt Sebesta: „Die Menschen holen sich damit die Natur nach Hause.“

Jedem Tierchen sein Pläsierchen

Zwischen 10.000 und 30.000 Ameisenkolonien krabbeln in den Haltungsbehältnissen im Selerweg. Erhältlich ist mindestens eine begattete Königin, bei Bedarf werden einige Arbeiterinnen mit abgegeben. Die Bedürfnisse der äußerst reinlichen Ameisen sind je nach Art ganz unterschiedlich und benötigen so auch zum Nisten verschiedenste Bodenbeschaffenheiten wie beispielsweise Stein, Sand, Erde oder Holz.

Einsteiger unter den Ameisenfreunden sind gut beraten, wenn sie sich zu Beginn eine eher unkomplizierte Ameisenart wie beispielsweise die Schwarze Wegameise zulegen. Beliebt bei Kunden sind auch die Körnersammlerameisen, Weberameisen und Blattschneiderameisen sowie Knotenameisen. Arten, die unter Naturschutz stehen wie die Rote Waldameise oder zu den gefährdeten Arten zählen, werden selbstverständlich nicht gehandelt. Exotische Arten müssen meist vorbestellt werden. Ob für 30 Euro oder 1000 Euro – Ameisen gibt es in jeder Preisklasse. Für den Anfang aber ist ein erschwingliches Starterset empfehlenswert.

Die Ameisen werden je nach Robustheit und Empfindlichkeit in die Haltungsklassen HK 1-HK 3 eingeteilt. Für Anfänger ist HK 1 geeignet. Die anderen Haltungsklassen gelten als empfindlicher gegen Klima und Stress, bzw. sind für sehr erfahrene Ameisenhalter geeignet. Und dann gibt es da noch die Risikoklassen RK, die auf ein Gefahrenrisiko hinweisen wie beispielsweise mögliche Stiche oder Gebäudeschäden. – Für Einsteiger wohl kaum empfehlenswert.

„Eigentlich sind Ameisen leicht zu halten“, erklärt Martin Sebesta, dem in jedem Satz die Leidenschaft für diese Tierchen anzumerken ist. Daher achtet er genau darauf, dass die Formicarien bestens auf die jeweiligen Bedürfnisse seiner krabbeligen Schützlinge zugeschnitten sind: So gibt es in seinem Ladengeschäft für die jeweils pflanzenfressenden, fleischfressenden oder allesfressenden Arten die passenden und beliebig anfügbaren Röhren, Arenen, Nester und Futterbehälter. – Auch da gibt es einfachere Ausführungen bis hin zur Luxusvariante.

Und damit den kleinen Krabblern im neuen Zuhause nicht der Appetit vergeht, gibt es ein umfangreiches Futter- und Zufütterangebot. Vom Wüstenhonig über Mehlkäferlarven und Brombeerblätter bis hin zum Jelly Food Banane oder Ananas und zum Proteinfutter ist für jede noch so verwöhnte Ameisenzunge etwas dabei. Denn an erster Stelle steht das Wohlbefinden der Ameisen, Lebewesen, von denen wir Menschen viel lernen können und die nicht aus einer Laune heraus, sondern erst nach reiflicher Überlegung angeschafft werden sollten.

Dies fern von Corona direkt vor Ort endlich wieder Ameisenfreunden, Kitas und Schulklassen vermitteln zu können, darauf hoffen auch Martin Sebesta und sein Team.

Weitere Informationen, aktuelle Öffnungszeiten und Kontakt unter www.antstore.net

Jacqueline Lorenz

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