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Als Lankwitz ein Schloss hatte

Fenster als Wohlstandsnachweis

Archiv Jörg Becker
Archiv Jörg Becker
Erschienen in Lankwitz Journal Dezember/Januar 2020
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Es war einmal… 1748 bekam der preußische General Gottlob Ludwig von Kalckreuth ein Gut in Lankwitz, in der Hauptstraße 16 und 18 – heute Alt-Lankwitz 23 – 29 – ,vom preußischen König Friedrich II. verliehen. Andere Quellen sagen, dass er es ganz einfach kaufte. Im Unterschied zum benachbarten Lehnschulzengut wurde es das „Schlossgut“ genannt. Zwischen dem General von Pfuel, dem Eigentümer des Lehnschulzengut und von Kalckreuth herrschte eine erbitterte Feindschaft. Als Kalckreuth zur Straßenfront ein einstöckiges Haus mit 19 Fenstern erbauen ließ, wollte von Pfuel nicht nachstehen. Sein Haus hatte nur elf Fenster. Also ließ er einen Anbau errichten, der noch einmal zehn Fenster hatte. Über der Tür des Schloßguts befand sich die Enschrift E.C.P.B. Fundamentum Posuit 1767. Möglicherweise deuten die Buchstaben auf Elisabeth Christine Prinzessin zu Braunschweig, hin. Die Königin von Preußen, Ehefrau von Friedrich II. (bekannt als der Alte Fritz) war 1797 verstorben. Aber gesichert ist diese Annahme nicht. 1781 soll es einen großen Brand im Schloßgut gegeben haben. Von Kalckreuth wollte daraufhin nach Cottbus umziehen. Dazu kam es aber nicht und so starb er 1783 in Lankwitz.

Viele Besitzwechsel

Um 1800 ging das Schlossgut in den Besitz der Landgräfin von Hessen-Philippsthal über. Sie gab die Anlage eines Parks in Auftrag, in dem unter anderem Rosen, die auf einer Anhöhe gepflanzt wurden. Selbst, als die Landgräfin nicht mehr in Lankwitz wohnte und schon längst keine Rosen mehr wuchsen, hieß der Ort im Volksmund noch „Rosenberg“. Die Eigentümer vom Schlossgut wechselten häufig. Ein Hauptmann von Billerbeck folgte vermutlich auf die Gräfin, denn das Kirchenbuch verzeichnet zwischen 1813 und 1819 jedes Jahr die Taufe eines Kindes dieser Familie. Schließlich wurde der Großteil des Guts im Besitz der Familie Nürnberg um 1880 in Parzellen aufgeteilt und verkauft. In den Resten des Guts betrieb ein Pferdehändler sein Geschäft. Als später der Königliche Landbauinspektor Wilhelm Wulff in das Gutshaus zog, stellte er fest, dass das Haus offenbar auf weit älteren Fundamenten errichtet wurde. Die mächtigen Tonnengewölbe im Keller stammten noch von den Benediktinerinnen und wurden als Kapelle und Lagerräume genutzt, vermutete man damals.

Das Ende des Schlosses, in dem noch Käthe Stresemann geboren wurde, die Frau von Gustav Stresemann, Reichskanzler der Weimarer Republik, kam mit der Bombardierung im August 1943. Das Lankwitzer Schloss wurde zerstört und heute steht an seiner Stelle ein Mehrfamilienhaus.

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