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25 Jahre Stadtteilzentrum Steglitz e. V.

Die Welt zu verändern, fängt vor der eigenen Haustür an

Der Nachbarschaftsverein Lankwitz entwickelte das Gutshaus Lichterfelde zum beliebten Nachbarschaftstreff. Foto: Stadtteilzentrum Steglitz e. V.
Der Nachbarschaftsverein Lankwitz entwickelte das Gutshaus Lichterfelde zum beliebten Nachbarschaftstreff. Foto: Stadtteilzentrum Steglitz e. V.
Erschienen in Lichterfelde West Journal Dezember/Januar 2020
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Als sich 1995 ein paar „Pioniere“ zusammentaten und den Grundstock für das Stadtteilzentrum Steglitz e. V. legten, hatten sie Großes vor. „Wir gehen davon aus, dass wir die Welt verändern können“, war ihre Überzeugung.

Heute, 25 Jahre später, ist es Fakt: Sie haben damit vor der eigenen Haustür in Steglitz-Zehlendorf begonnen und im Laufe eines Vierteljahrhunderts für ihren Bezirk sogar ganz Großes vollbracht:

Der gemeinnützige Verein arbeitet inzwischen mit 236 Mitarbeitern – begleitet von unzähligen Ehrenamtlichen, Partnerinstitutionen und Organisationen – gemeinsam mit den Bürgern daran, gute Lebensbedingungen in ihren Stadtteilen zu schaffen, und unterstützt sie engagiert in ihren Ideen und Zielen.

Aktivitäts- und Projektschwerpunkte des Stadtteilzentrum Steglitz e. V. liegen in der Förderung der Kinder- und Jugendhilfe, der Nachbarschaftshilfe und Stadtteilarbeit sowie der generationsübergreifenden Begegnung und Hilfe zur Selbsthilfe. Persönliche und soziale Kompetenzen zu stärken und Chancengleichheit zu fördern, sind dabei nur ein Ziel, dem sich das Stadtteilzentrum auf seinem Weg, die Welt zum Besseren hin zu verändern, stellt. So hat es sich über die Jahre zu einem innovativen und sozialen Unternehmen und einem Verein für soziale Arbeit entwickeln können, der sich mit ganzem Herzen und viel Know-how ebenso in der Kinder- und Jugendarbeit wie im Senioren-, Beratungs- und Nachbarschaftsbereich einsetzt.

Zahlreiche Einrichtungen und Standorte im Bezirk werden mit dem Stadteilzentrum Steglitz in einem Atemzug genannt. Dazu zählen u. a. einige Lichterfelder und Lankwitzer Kitas, das Gutshaus Lichterfelde, das KiJuNa, das Seniorenzentrum Scheelestraße, aber auch das Integrationsbüro Steglitz, zahlreiche Schulkooperationen und die Gemeinschaftsunterkunft für Menschen mit Fluchthintergrund in der Leonorenstraße, die vom Stadteilzentrum betrieben wird. Auch für die regelmäßig stattfindenden Runden Tische ist das Stadtteilzentrum mitverantwortlich und stets in produktivem Austausch mit dem Bezirksamt.

Vom Nachbarschaftsverein zum Stadtteilzentrum

Von Anfang an als einer der Dienstältesten dabei ist mit viel Fachwissen und Liebe zu Menschen der Geschäftsführer des Stadtteilzentrums Thomas Mampel. Der studierte Sozialarbeiter und Soziologe hatte den Verein 1995 als „Nachbarschaftsverein Lankwitz“ mit Sitz Halbauer Weg mitgegründet.

Den ersten großen Erfolg hatte der Verein 1998 mit der Wiederbelegung der stillgelegten Eisbahn an der Lankwitzer Leonorenstraße als sportorientiertes Familien-Freizeitzentrum. Der Verein führte das Zentrum über drei Jahre – bis zur Übernahme der Eisbahn durch einen neuen Betreiber. Kurz darauf erhielt er den Nutzungsvertrag für den ehemaligen Bunker an der Lankwitzer Malteserstraße als Jugendzentrum. Der Verein betreibt es seitdem in Kooperation mit „OUTREACH – mobile Jugendarbeit“.

Gleichzeitig übernahm der Nachbarschaftsverein Lankwitz 1999 die Verantwortung und den Weiterbetrieb der im Gutshaus Lichterfelde ansässigen Kita, die in Konkurs geraten war, und entwickelte das Gutshaus zum lebendigen Nachbarschaftszentrum, das auch der neue Vereinssitz wurde.

Durch die Aufnahme in den „Fördervertrag Stadtteilzentren“ erweitert sich der Aufgabenbereich des Vereins nun stetig:

Er engagiert sich verstärkt in den sozialen Brennpunkt-Kiezregionen, eröffnet den Nachbarschaftstreffpunkt Lüdeckestraße in Lankwitz-Ost, wird außerdem Träger des „Alten Waschhauses“ Lichterfelde-Süd. Das Nachbarschaftszentrum „kieztreff“ wird in der Thermometersiedlung in Kooperation mit FAMOS e. V. seit 2004 betrieben.

2001 wird der „Nachbarschaftsverein Lankwitz“, der inzwischen in nahezu allen Steglitzer Ortsteilen angekommen ist, in den „Stadtteilzentrum Steglitz e. V.“ umbenannt.

Schon wenig später bekommen die Kinder und Jugendlichen aus Steglitz-Mitte und Südende mit der „Imme“ unter Trägerschaft des Vereins das bis heute beliebte Kinder- und Jugendhaus am Immenweg als Jugendzentrum.

Anfang 2003 startet an der Ludwig-Bechstein-Grundschule als erstes Projekt schulbezogener Sozialarbeit die Schulstation zur Freizeitbetreuung von Schulkindern. Weitere, in Kooperation mit dem Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf betriebene Stationen folgen.

In den kommenden Jahren gibt es etliche Highlights in der Entwicklung des „Stadtteilzentrum Steglitz e. V.“:

Durch den mit dem Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf geschlossenen Kooperationsvertrag können weiter Jugendfreizeitheime im Bezirk zum Kinder-, Jugend- und Nachbarschaftszentrum weiterentwickelt werden, so auch in der Osdorfer Straße mit integriertem Kinderrestaurant „KireLi“ und Lebensmittelausgabe „Laib und Seele“ der Berliner Tafel. Es folgen verschiedene Hortöffnungen und -übernahmen, Grundschul-Kooperationen und 2006 die Eröffnung des „Seniorenzentrum Scheelestraße“ durch das Stadtteilzentrum Steglitz. In Kooperation mit der Wohnungsbaugesellschaft GSW erweitert sich das Angebot für Senioren hier stetig.

Das Stadtteilzentrum startet im selben Jahr das Existenzgründerprojekt „garage berlin“, eine Einrichtung, die – inzwischen als GmbH – überregional anerkannte Begleiterin von Gründern, die aus der Arbeitslosigkeit kommen, geworden ist.

In den folgenden Jahren wird eine Internetwerkstatt am Hindenburgdamm eröffnet, weitere Projekte, die Hort und Schulsozialarbeit kombinieren, kommen hinzu. Im Bereich Lichterfelde-Süd setzt das Stadtteilzentrum das Konzept „Cityvillage“ um, indem es erfolgreich Wohngebiet-verbessernde Freizeitangebote für Bürger rund um den Woltmannweg schafft.

Neben weiteren schulbezogenen Projekten gründet sich 2010 die Vereinsband „Telte“. Sie macht schnell Karriere und spielt immer wieder für soziale Zwecke kostenfrei, so auch beim beliebten „Fliegefest“.

Und weiter geht es mit Kultur: 2014 initiiert das Stadtteilzentrum Steglitz den ersten Kunstmarkt der Generationen im Schlosspark Lichterfelde, der ein Jahr später seinen zweiten Höhepunkt hat. Auch die vom Verein organisierten Kiezfeste werden von den Bürgern gut angenommen.

Es bleibt spannend

Im Jubiläumsjahr hat Geschäftsführer Thomas Mampel, dessen Verantwortungsschwerpunkt in den Bereichen Kita, Hort und Flüchtlingsunterkünfte liegt, nun Verstärkung in der Leitung bekommen: An seine Seite hat der Vereinsvorstand Kristoffer Baumann berufen, seit über 11 Jahren beim Stadtteilzentrum dabei und auch weiterhin zuständig für Kinder- und Jugendarbeit.

Thomas Mampel erklärt: „Ich freue mich wahnsinnig auf diese neue Form der Zusammenarbeit und die vielen neuen Entwicklungen, die durch unsere Neuaufstellung ganz sicher befördert und unterstützt werden.“

Und Baumann fährt fort: „Dieses Jahr wird das Stadtteilzentrum 25 Jahre alt. Wir können bereits auf eine Geschichte voller Herausforderungen und Erfolge zurückblicken. Fast die Hälfte dieser Zeit durfte ich dabei sein und die Entwicklung unseres einst kleinen, und noch immer sehr sympathischen, Vereins miterleben. Ich freue mich sehr darauf, mich nun gemeinsam mit Thomas Mampel all den Herausforderungen, die die Zukunft mit sich bringt, stellen zu dürfen.“

– Herausforderungen, die das Team des Stadtteilzentrum Steglitz e. V. bereits im Coronajahr professionell gemeistert hat: So entwickelte es u. a. eine App und Konzepte, die mehr Online-Angebote vorsehen, hat während des Lockdowns den Kontakt zwischen Lehrern und Schülern aufrecht erhalten und eine erfolgreiche Spendenaktion zur Beschaffung von Tablets gestartet.

Zum Jubiläum ein neues Stadtteilzentrum SüdOst

– Und auch für sein 25-jähriges Bestehens hatte sich der Stadteilzentrum-Verein für dieses Jahr viel vorgenommen. Nun hofft er, die geplante Feier im nächsten Jahr am 30. April nachholen zu können – so Corona will.

Für die Bürger hat das Stadtteilzentrum Steglitz schon jetzt ein besonderes Präsent vorbereitet, das wohl Anfang 2021 geöffnet werden kann:

Noch wird in der Leonorenstraße 85/Ecke Saarburger Straße emsig gebaut, doch in dem ehemaligen Friseurgeschäft wird schon bald das „Stadtteilzentrum SüdOst“ neu eröffnen, als Gemeinschaftsprojekt der beiden gemeinnützigen Vereine Mittelhof und Stadtteilzentrum Steglitz und gefördert durch die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales. Sie wollen mit diesem Projekt auch ihre Angebote erweitern.

Ein Nachbarschaftstreff mit Co-Working Plätzen, kostenlosem WLAN-Zugang und natürlich gemütlichem Nachbarschaftscafé soll in dem Ladengeschäft entstehen. Das Angebot nutzen werden zukünftig nicht nur Nachbarn aus den Wohnhäusern, sondern auch Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft in der Leonorenstraße, die dort einen nur sehr eingeschränkten Internetzugang finden.

Der neue Nachbarschaftstreff wird außerdem wohnortnahen Beratungen, Selbsthilfegruppen und Initiativen Raum bieten. Sport und Eltern-Kind-Beratungsangebote sollen dabei nicht zu kurz kommen. Ein Austausch und die Zusammenarbeit mit anderen bereits bestehenden Kieztreffs ist vorgesehen, um die Kieze näher zusammenrücken zu lassen.

Ein wichtiges Ziel in der Arbeit des neuen Stadtteilzentrums ist der für alle Seiten begrüßenswerte Ausbau der Kooperation mit der Gemeinschaftsunterkunft, in der bereits im Rahmen des Projektes „Nachbarschaftsgarten“ an Hochbeeten gemeinsam gegärtnert wird.

Nach 25 Jahren erfolgreicher Stadtteilarbeit des Stadtteilzentrum Steglitz e. V. darf man also gespannt sein auf das, was er im Bezirk Steglitz-Zehlendorf auch zukünftig für die Menschen auf die Beine stellen wird – ganz nach seinem Motto:

Wir gehen davon aus, dass wir die Welt verändern können!

Weitere Informationen unter www.stadtteilzentrum-steglitz.de

Jacqueline Lorenz

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