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Mit „Phönix“ und „Regent“ durchs Schuljahr

Max-von-Laue-Oberschule bietet geistreiches Wahlpflichtfach

Saftige Trauben warten auf die Verarbeitung. Foto: Max-von-Laue-Oberschule
Saftige Trauben warten auf die Verarbeitung. Foto: Max-von-Laue-Oberschule
Erschienen in Gazette Steglitz November 2020

Der Wein ist die edelste Verkörperung des Naturgeistes, wusste schon der deutsche Dramatiker und Lyriker Friedrich Hebbel. Und so ist es mehr als passend, das Thema Weinbau als geistvolle Bereicherung in den Schulunterricht einzubauen.

Die Max-von-Laue-Schule in Berlin-Lichterfelde hat dies getan und bietet „Weinbau“ seit dem Jahr 2003 als Unterrichtsfach an.

Zwar durfte an der Steglitzer Oberschule im Herbst 2020 coronabedingt kein Weinfest mit beliebter und inzwischen traditioneller Weinauktion stattfinden, doch das Weinangebot wäre in diesem Jahr eh nur klein gewesen, wie Achim Falkner, Lehrer und Leiter des Weinbauprojektes, erklärt: „Im vergangenen Jahr hat den Reben der Mehltau zugesetzt, daher hatten wir einen geringeren Ertrag.“ In diesem Jahr könne man mit dem Ergebnis und dem Öchslegrad (Zuckergehalt) der weißen und blauen Trauben zufrieden sein, auch wenn die Sturmperiode im Juni zur erhöhten Verrieselung kleiner Beeren geführt hatte. Dennoch rechnet man – nicht zuletzt dank der funktionierenden Bewässerungsanlage, die in heißen Tagen auf der ca. 400 Quadratmeter großen Weinbauanlage zum Einsatz gekommen war – in diesem Jahr mit einem Ertrag von etwa 50 Litern Wein pro Sorte, der dann im nächsten Jahr in 0,7 Liter-Flaschen als neuer Jahrgang 2020 angeboten und auf der Auktion für durchschnittlich 15 Euro pro Flasche ersteigert werden kann. Der Erlös aus den jährlichen Versteigerungen geht in die Anschaffung neuer Geräte und Utensilien des Weinkurses.

Von der Rebe bis zur Flasche

Das praxisbezogene Weinseminar an der Max-von-Laue-Schule geht auf den Lehrer Thomas Schreiner zurück, der 2002 geneinsam mit Schülern den ersten Spatenstich auf der zukünftigen Weinanbaufläche vorgenommen hatte. 2003 erklommen dann das sogenannte Erziehungsspalier 58 frisch gesetzte Rotwein-Rebstöcke der Sorte Regent und 62 Weißwein-Rebstöcke der Sorte Phönix, gespendet vom Weingut Otto Görben. Diese Sorten gelten als besonders krankheitsresistent.

Unterstützt vom Leibniz-Institut wurde im selben Jahr eine vollautomatische, wassersparende Bewässerungsanlage nach neuestem Stand der Technik installiert. Zum ersten Mal fand unter der Leitung von Thomas Schreiner der Kurs Weinbau statt, heute nicht mehr wegzudenkendes und in seiner Form wohl einzigartiges Wahlpflichtfach der Schule.

2004, ein Jahr später, fand der erste „Tag der offenen Tür“ des Weines statt. Auch er musste 2020 ausfallen, ist aber für den 15. Januar 2021 angedacht.

Im dritten Jahr im praxisbezogenen naturwissenschaftlichen Fach „Weinbau“ dabei ist Achim Falkner, als Lehrer für Chemie und Gesellschaftswissenschaften inzwischen Leiter des Kurses. Denn das vielseitige Gebiet des Weins beinhaltet unterschiedlichste Fachbereiche, darunter Pflanzen-Physiologie und –Ökologie, aber auch Geschichte und Geografie.

„Die Themen bleiben gleich, der Anspruch aber verändert sich mit den Jahrgängen der Schüler“, erklärt Achim Falkner. Spricht er in den jüngeren Schüler-Jahrgängen noch von Zucker und Alkohol, ist in den höheren dann von Glukose und Ethanol die Rede.

Nahezu selbstständig, wenn auch hier und da vom Winzer beraten und vom Schul-Förderverein unterstützt, begleiten die Schüler den Weg der Traube von der Rebe bis zur Flasche: Nach der Lese werden die Trauben in einer Art Quetschmühle zu Maische verarbeitet und ausgepresst, es folgen Zuckerbestimmung und das Abfüllen des gefilterten Saftes in Gärballons, Hefe kommt hinzu und ein gehöriges Maß Geduld, bis der Wein nach Monaten auf Flaschen gefüllt werden kann. Währenddessen lernen die jungen Winzer Wissenswertes zu Anbau, Lese und Analyse, zu Verarbeitung, Lagerung, Abfüllung und Prämierung – und über die Auswirkung des Alkoholkonsums. Stetes Motto dabei im Wahlpflichtfach: Traubennaschen erlaubt, Weintrinken verboten!

2020er Jahrgang – besonderes Jahr mit besonderem Etikett?

Aktuell nehmen am Fach Weinbau in der Max-von-Laue-Oberschule jeweils sechzehn Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 7 und 10, vierzehn des Jahrgangs 9 und dreizehn des Jahrgangs 8 teil. Besonders beliebt bei ihnen ist das Kreieren ganz persönlicher Flaschenetiketten im Kunstunterricht. – Neuerdings und als besonderer Anreiz erwartet die jungen Design-Gewinner des Etiketten-Wettbewerbs eine Belohnung.

Was wohl lassen sich die Schüler im Corona-Jahr dazu einfallen?

Der parallele Weinbau-Unterricht findet überwiegend im Weinlabor-Blockhaus auf dem Schulgelände statt, das durch Fürsprache der BVV Steglitz-Zehlendorf und durch die engagierte Hilfe des damaligen Bezirksbürgermeisters Norbert Kopp im Jahr 2008 aus Bezirksmitteln zum Labor ausgebaut werden konnte. Hier werden der Gesamtsäuregehalt von Most und Wein, Zuckergehalt im Most, Restzucker und Alkoholgehalt im Wein sowie der Ascorbinsäureanteil von Most und Wein analysiert.

Übrigens: Die fertig abgefüllten Wein-Flaschen werden noch mit Naturkorken verkorkt und sind daher nur bedingt lagerfähig, also zum möglichst baldigen Verzehr geeignet.

Und wenn auch die nächste Versteigerung des Schul-Weins noch auf sich warten lässt: Schon heute darf man sich auf einen guten Tropfen des Jahrgangs 2020 der Weinlage Max-von-Laue-Oberschule und auf die dazu kreierten Etiketten freuen.

Jacqueline Lorenz

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