Gazette Verbrauchermagazin

Wer war Carl Friedrich von Beyme

Steglitz gehörte einst einem mächtigen preußischen Politiker

Carl Friedrich von Beyme (1765-1838).
Carl Friedrich von Beyme (1765-1838).
Erschienen in Gazette Steglitz März 2026

Viele kennen das Wrangelschlösschen, heute Gutshaus Steglitz. Doch der Name Wrangel täuscht darüber hinweg, wer das elegante Gutshaus tatsächlich erbauen ließ: Bauherr war Carl Friedrich von Beyme, dessen Geschichte eng mit der unseres Bezirks verwoben ist. Er war Gutsherr von Steglitz, Dahlem und Schmargendorf.

Begabter Jurist

Sein Aufstieg war steil. Geboren 1765 in Königsberg/Neumark in bürgerliche Verhältnisse als Sohn eines Regimentschirurgen, verlor er bereits im Alter von fünf Jahren seinen Vater. Er kam auf eine Schule in Halle/Saale, die zeitgleich als Waisenhaus fungierte. Nach Beendigung der Schule studierte er Jura. Hierbei brachte ihn sein Talent schnell nach oben. Mit Fleiß und Scharfsinn machte er Karriere am Kammergericht, an dem er 1788 eine Anstellung als Assessor bekam. Drei Jahre später folgte die Ernennung zum Kammergerichtsrat. In dieser Funktion kritisierte er in seinen Publikationen die Folter zur Erzwingung von Geständnissen. Dadurch, dass er einen Vergleich zwischen dem jungen König Friedrich Wilhelm III. und Gräfin Lichtenau, Mätresse dessen Vaters, herbeiführen konnte, gewann er das Vertrauen des Regenten. Er wurde zum Kabinettsrat für das Justizwesen berufen.

Anfang des 19. Jahrhunderts erwarb Beyme die Orte Steglitz, Schmargendorf und Dahlem.
Anfang des 19. Jahrhunderts erwarb Beyme die Orte Steglitz, Schmargendorf und Dahlem.

Einflussreicher Politiker

Als Kabinettsrat und später als Staatsminister wurde Beyme zu einem der einflussreichsten Reformer seiner Zeit – noch vor den berühmten Reformen von Stein und Hardenberg. Er schaffte die Folter zur Erzwingung von Geständnissen sowie die Todesstrafe für Kindsmörderinnen ab und sorgte dafür, dass 50.000 Bauern aus der Erbuntertänigkeit entlassen wurden. Die Idee der Verbringung „unverbesserlicher Bösewichter“ nach Sibirien und Ostindien wurde von ihm unterstützt.

Mächtige Feinde

Doch seine Macht und seine modernen Ideen machten ihm nicht nur Freunde. Der preußische Adel beäugte den bürgerlichen Aufsteiger mit Misstrauen. Für die einen war er ein fortschrittlicher Visionär, für die anderen ein gefährlicher „Jakobiner“. In seine Zeit, als er mit der Leitung des Kabinetts betraut war, fiel die verlorene Schlacht von Jena und Auerstedt gegen die französische Armee unter Leitung von Napoleon Bonaparte, für die seine Widersacher Beyme eine Mitschuld gaben.. Er legte sich mit einflussreichen Persönlichkeiten wie dem Freiherrn von Stein und dem Fürsten Hardenberg an und wurde zeitweise sogar in den Ruhestand gedrängt, kehrte aber immer wieder in hohe Ämter zurück. 1816 erhielt er vom König den erblichen Adelstitel „von Beyme“. Seinen letzten Posten gab er 1819 aus Protest gegen die reaktionären Karlsbader Beschlüsse – nach denen die Meinungsfreiheit, Lehre und Forschung einschränkt sowie eine Zensur eingeführt wurden – auf.

Eine Gedenktafel am Gutshaus Steglitz.
Das Gutshaus Steglitz ist 1802 für Carl Friedrich von Beyme erbaut worden.

Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts hatte Beyme die Orte Steglitz, Schmargendorf und Dahlem erworben. In Steglitz ließ er sein Gutshaus im klassizistischen Stil errichten. Dort verbrachte er zurückgezogen seinen Lebensabend und starb 1838. Sein Grab befindet sich bis heute auf dem St.-Annen-Kirchhof in Dahlem. Die Beymestraße in Steglitz erinnert an ihn.

Titelbild

© Gazette Verbrauchermagazin GmbH 2026