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Lichterfelde

Umzug der Europa-BücherboXX

Neue Heimat in Lichterfelde West gefunden

Erfolgreiche Projekte brauchen engagierte Bürger und Politiker wie Konrad Kutt (r.), Marion Becker (2.v.r.) und Bezirksstadtrat Urban Aykal (l.). Foto: Becker
Erfolgreiche Projekte brauchen engagierte Bürger und Politiker wie Konrad Kutt (r.), Marion Becker (2.v.r.) und Bezirksstadtrat Urban Aykal (l.). Foto: Becker

01.10.2026: Fünf Jahre lang stand sie – eine der rund 25 Berliner zu Bücher-Tauschstätten umgerüsteten ehemaligen Telefonzellen – als nachhaltige Europa-Trio-BücherboXX im Vorgarten der Europäischen Akademie Berlin im Ortsteil Grunewald, mit Audio-Box und Solar-Buch-Modul auf dem Boxendach und bestückt mit überwiegend slowenischer Literatur. Und wenn auch „Europa wie ein Buch mit vielen Seiten“ ist, erwies sich der Standort auf dem Gelände der Europäischen Akademie Berlin als zu gering frequentiert, sodass im Einverständnis mit ihr und der Senatskanzlei nach einem leichter für die breite Masse zugänglichen Standort gesucht werden sollte. Besonders engagiert und erfolgreich bei der Suche zeigte sich Marion Becker, Anwohnerin aus dem rund um den Bahnhof Lichterfelde West gelegenen Kiez, die darin vom Hauptinitiator der BücherboXX-Projekte Konrad Kutt unterstützt wurde. Neues Quartier für „ein Jahr zur Probe“ beziehen konnte die BücherBoXX nicht zuletzt dank ihres Einsatzes nun am 12. September 2026 an der Baseler Straße 10/Curtiusstraße zwischen Bäckerei Steinecke und Fa. Osche – gerade richtig zu Umgestaltungsbeginn des Bahnhof-Vorplatzes gegenüber. Zur feierlichen Einweihung waren auch Initiatoren, Anwohner, BücherboXX-Entwickler Konrad Kutt und Stadtrat Urban Aykal gekommen, der betonte, wie wichtig diese BoXX hier im Lichterfelder Kiez für ein gesundes soziales Miteinander sei. Noch trägt die BücherboXX ihr Europakleid mit überwiegend Europa betreffenden Emblemen, der gute Kontakt zur Europäischen Akademie soll weiterhin bestehen bleiben. Doch schon bald soll die BoXX an Lichterfelde West adaptiert und „maßgeschneidert“ angepasst werden. Dazu hat das Land Berlin bereits Gelder bereitgestellt. Etliche kleine und große Engagierte aus Kiez und Bezirk, Einzelhändler, Kulturfreunde und Privatpersonen wollen daran mitwirken und sammeln bereits emsig gute Ideen, denn vieles muss erneuert und eingebracht werden.

Angekommen – BücherboXX in Lichterfelde West. Foto: Becker
Angekommen – BücherboXX in Lichterfelde West. Foto: Becker

Auf den Weg gebracht

Marion Becker nutzte im Winter ihre einem glatteisbedingten Armbruch zu verdankende freie Zeit gut, indem sie wichtige Vor- und Informationsarbeit leistete, um die BoXX von Grunewald nach Lichterfelde West zu holen: Bei einer schon länger im Blumenkiez an der Moltkebrücke stehenden Lichterfelder BücherboXX, zu der weiter Verbindung gehalten werden soll, holte sie sich Rat. Sie fragte bei der Steinecke-Firmenleitung und bei Osche nach, ob die etwas gegen den Standort vor ihren Türen hätten, wandte sich an den Bezirk und brachte Interessierte zusammen. Dabei traf Marion Becker über nebenan.de auf neun Gleichgesinnte im Kiez, die sich gemeinsam mit ihr im Team als die Initiative „Nachbarn für Nachbarn“ zukünftig als Kümmerer um eine bunte Bücherauswahl für Alt und Jung sowie um Ordnung und Pflege rund um die BücherboXX sorgen wollen.

„Dass der Umzug der BücherboXX nach Lichterfelde West so reibungslos verlief, verdanken wir in erster Linie dem hilfsbereiten Ausbildungsteam um Stefan Weitkus vom Sägewerk Grunewald, das die BoXX für uns professionell abgebaut, aufgestellt und aktualisiert hat“, lobte Marion Becker am Einweihungstag, auch im Namen von Konrad Kutt, ehemaliger Mitarbeiter des Institutes für Nachhaltigkeit in Bildung, Arbeit und Kultur, der immer noch für das Thema BücherboXX brennt und unermüdlich im Einsatz dafür ist. Ausgezeichnet wurde er dafür im vergangenen Jahre mit dem Bundesverdienstkreuz.

Europa ist auch Lichterfelde West

Und wenn auch die in den 80er-Jahren passend zum historischen Fachwerkbau von Kleinstädten konzipierte Telefonzelle nun beste Voraussetzungen für den mit Türmchen und Fachwerkgesicht begeisternden Lichterfelder Kiez mitbringt: Um eine auf Lichterfelde West noch stärker zugeschnittene BücherboXX zu schaffen, bedarf es etlicher Anpassungen: Die 26 Scheiben der BücherboXX müssen ausgetauscht und neu gestaltet, die Audio-Boxen neu bestückt werden, wobei die Europa-Hymne erhalten bleiben soll.

Umzug gelungen dank Profi-Team vom Sägewerk Grunewald. Foto: Becker
Umzug gelungen dank Profi-Team vom Sägewerk Grunewald. Foto: Becker

Kulturelle Veranstaltungen, Lesungen etc. sollen rund um die BücherboXX dabei helfen, Verbindungen zwischen Lichterfelde und Europa herzustellen: Im Vordergrund dabei stets der Nachhaltigkeits-Grundgedanke des BücherboXX-Projektes, der das Teilen und Tauschen von Büchern beinhaltet.

Wertvolle Kontakte, die maßgeblich zu dieser Weiterentwicklung beitragen könnten, sind inzwischen auch von Marion Becker geknüpft: Da ist das Steglitz Museum mit Gabriele Schuster an der Spitze, ist die Athene Grundschule ganz in der Nähe. Und am diesjährigen Tag der Offenen Tür bei Osche am 4./5. Dezember dürfte auch die neu aufgestellte BücherboXX in Lichterfelde West beispielsweise als geeignete Bühne für Puppenspieler ein Hauptrolle bekommen. Man darf also gespannt sein. Gute Ideen und Unterstützungsangebote für die BoXX sind willkommen und können über E-Mail omega888@web.de mitgeteilt werden.

Projekt BücherboXX

Der Grundstein für das Projekt BüchboXX wurde 2010 vom Berufs- und Wirtschaftspädagogen Konrad Kutt mit der INBAK, dem von ihm gegründeten „Institut für Nachhaltigkeit in Bildung, Arbeit und Kultur“ gelegt. Er setzt bis heute mit diesem Projekt der zum Teilen und Tauschen anregenden BücherboXX ein sichtbares Zeichen für Nachhaltigkeit, gemeinschaftliche Nutzung und kulturellen Austausch. Über Jahre hat Initiator Konrad Kutthat mit seinem Team daran gearbeitet, Lesen, Begegnung und erneuerbare Energie im Stadtraum miteinander zu verbinden. Nach einem Brandanschlag im Jahr 2023 auf die thematisch historische BücherboXX am Mahnmal Gleis 17 in Grunewald wurde das Projekt mit großer Unterstützung erneut aufgebaut.

Die Berliner BücherboXXen gehören zu den erfolgreichsten zivilgesellschaftlichen Projekten der Stadt: Ausgediente Telefonzellen wurden zu frei zugänglichen Straßenbibliotheken umgestaltet und stehen heute an 25 Berliner Standorten. Jede BücherboXX ist individuell gestaltet, einige verfügen sogar über solare Audioboxen, die Sprachkurse oder Hörinhalte anbieten. Die erste BücherboXX wurde im Jahr 2010 auf dem Steglitzer Markusplatz aufgebaut. Wegen seiner Popularität und Öffentlichkeitswirksamkeit hat sich das Modell BücherboXX in Berlin, aber auch bundesweit stark verbreitet. Es gibt inzwischen eine Vielzahl umgebauter Telefonhäuschen, die sich die „BücherboXX“ zum Vorbild nahmen, aber ihre eigene Geschichte schreiben – mit eigenen Bezeichnungen wie Bücherzelle oder Bücherschrank etc.

Weitere informationen unter www.buecherboxx.com

Jacqueline Lorenz

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